Erlinsbach SO
Verlust von beinahe 900'000 Franken wird ennet des Bachs diskutiert

An der Gemeindeversammlung wird die Rechnung trotz eines satten Defizits klar angenommen.

Fabio Baranzini
Merken
Drucken
Teilen
Auf Aargauer Boden – rechtlich aber auf der sicheren Seite: Madeleine Neumann.

Auf Aargauer Boden – rechtlich aber auf der sicheren Seite: Madeleine Neumann.

Fabio Baranzini

Eigentlich findet die Gemeindeversammlung von Erlinsbach SO jeweils im Gemeindehaus statt. Diesmal nicht. Denn um das Schutzkonzept mit den nötigen Abstandsregeln einzuhalten, musste ein grösserer Raum her. Und den fand man bei den Nachbarn im Aargau. Nämlich: in der Mehrzweckhalle Kretz. «Wir befinden uns zwar auf Aargauer Boden, aber immerhin gehört das Gebäude zur Hälfte uns», meinte Madeleine Neumann, die Gemeindepräsidentin, einleitend und fügte hinzu: «Unsere Versammlung ist auch rechtlich gültig, obwohl wir uns nicht auf unserem Gemeindeboden befinden. Entsprechende Abklärungen haben wir getroffen.»

Das sind die Gründe für das Defizit

Zentrales Thema der Gemeindeversammlung war der Jahresabschluss der Gemeinde Erlinsbach SO. Und da hatte Martin Fiechter, zuständig für das Ressort Finanzen, wenig Erfreuliches zu berichten. Denn die Gemeinde Erlinsbach SO hat im vergangenen Jahr den ohnehin schon budgetierten Verlust von rund 400'000 Franken nochmals deutlich überschritten, so dass unter dem Strich ein Defizit von fast 900'000 Franken resultierte. Wie es dazu kommen konnte, erläuterte Fiechter wie folgt:

«Wir hatten in den Bereichen Bildung, Gesundheit und soziale Wohlfahrt deutliche Mehrausgaben im Vergleich zum Budget.»

Alle Traktanden werden dennoch angenommen

Im Bereich der Bildung fielen höhere Kosten an für die Löhne des Personals der Schule Erzbachtal. Zudem besuchten vier Kinder mehr als geplant eine Sonderschule, wodurch höhere Kosten für die Schulgelder entstanden. Und mehr Kinder als budgetiert – 42 statt 26 – besuchten die Bezirksschule in Aarau, was sich ebenfalls bei den Schulgeldern bemerkbar machte. So kamen bei der Bildung Mehrkosten von insgesamt 236'000 Franken zu Stande. Im Bereich der Gesundheit belief sich die Budgetüberschreitung auf knapp 100'000 Franken, was vor allem auf die höheren Pflegekostenbeiträge zurückzuführen ist. Die soziale Wohlfahrt verursachte ebenfalls rund 163'700 Franken an Mehrkosten. Insgesamt gab die Gemeinde letztes Jahr mehr als 3,5 Millionen Franken für das Sozialwesen aus. Dies entspricht 40 Prozent des Nettosteuerertrags der Gemeinde – so viel wie noch nie zuvor.

Bevor die Rechnung zur Abstimmung kam, gab es noch ein kurzes Wortgefecht zwischen Marcel Fehr, Mitglied der Finanzkommission und bekannt als kritischer Bürger von Erlinsbach, der sich jeweils minutiös auf die Gemeindeversammlungen vorbereitet, und Verwaltungsleiter Beat Baumann. Grund dafür war unter anderem eine neue Verkehrswertschätzung der neuen Liegenschaft am Dorfplatz 2. Diese Diskussion – genauso wie die anderen Fragen aus der Versammlung – hatte allerdings keinen Einfluss auf die Abstimmung zum Jahresergebnis. Die Rechnung wurde trotz des Verlusts von knapp 900'000 Franken deutlich angenommen.

Gar ohne Gegenstimmen wurden alle weiteren Traktanden durchgewinkt

So wurde der Nachtragskredit für die Wasserleitungssanierung an der Weihermattstrasse in der Höhe von rund 89'000 Franken gutgeheissen. Genauso wurde der Verpflichtungskredit über 124'000 Franken für den Ausbau der Wasser- und Stromleitung in der Vorzielstrasse angenommen. Auch die Rechnung des Forstbetriebs Niederamt, die mit einem Überschuss von rund 111'000 Franken – Erlinsbach SO erhielt davon knapp 16'000 Franken – zu Buche stand, wurde ohne Gegenstimme akzeptiert.

Nach den Informationen aus den verschiedenen Ressorts endete die Gemeindeversammlung auf «fremdem Terrain» kurz nach 22 Uhr mit dem augenzwinkernden Schlusswort von Gemeindepräsidentin Madeleine Neumann: «Herzlichen Dank für ihr Kommen. Ich glaube, es hat niemandem weh getan, für die Gemeindeversammlung über den Bach zu ‹trampen›.»