Trimbach
Er wollte nur ein Haustier — jetzt hat Nicolas Zwyssig eine ganze Zucht

Eigentlich wollte Nicolas Zwyssig aus Lostorf bloss ein Haustier – heute liefern er und sein Vater Wachteleier in die ganze Schweiz.

Rahel Bühler
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Der junge Lostorfer Nicolas Zwyssig hält zusammen mit seinem Vater Guido in Lostorf zum Hobby japanische Legewachteln.
13 Bilder
Die Vögel werden in einem isolierten Stall mit Aussenvoliere gehalten.
Angefangen hat alles mit dem Wunsch nach einem Haustier.
Zu Beginn waren es 10 Wachteln.
Die Brutzeit dauert 17 bis 18 Tage
Im Schnitt legt eine Wachtel ein Ei pro Tag
Nicolas Zwyssig, Wachtel-König aus Lostorf, mit seinen japanischen Legewachteln
Nach ungefähr zehn bis zwölf Monaten lässt die Legeleistung der Wachteln nach
Danach werden sie getötet.
Wachteleier haben eine harte Schale. Der Postversand ist daher kein Problem.
Neben Eiern werden auch Teigwaren aus Wachteleiern verkauft

Der junge Lostorfer Nicolas Zwyssig hält zusammen mit seinem Vater Guido in Lostorf zum Hobby japanische Legewachteln.

Bruno Kissling

Nicolas Zwyssig steht im heimischen Garten vor einem braunen Holzstall. Er hält in der Hand eine seiner Wachteln und streicht vorsichtig über ihr braun-weiss gemustertes Gefieder: «Das ist ein besonders schönes Exemplar» meint der 16-Jährige aus Lostorf. Seit 2012 hält er gemeinsam mit Vater Guido Wachteln und verkauft Eier und Teigwaren aus Wachteleiern.

Angefangen hat alles mit dem Wunsch nach einem Haustier. Während andere Jugendliche eine Katze oder ein Zwergkaninchen erhalten, waren es bei Nicolas Zwyssig Wachteln. «Mit zehn Tieren haben wir angefangen», erinnert sich Guido Zwyssig. In den vergangenen fünf Jahren haben sie die Anzahl Tiere nach und nach aufgestockt und halten hobbymässig mittlerweile drei Völker.

Zeitintensives Hobby

Jeweils im August werden die Bruteier bei einem Züchter aus dem Toggenburg eingekauft. Dann beginnt die Brutzeit, die 17 bis 18 Tage dauert. «Das ist eine heikle Phase: Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Brutkasten müssen exakt eingehalten werden», weiss Guido Zwyssig. «Nach etwa sieben bis acht Wochen beginnen die jungen Wachteln, Eier zu legen», ergänzt Sohn Nicolas. Im Schnitt legt eine Wachtel ein Ei pro Tag, jedes Ei ist anders: weiss, beige, blau, braun, grosse Tupfen, kleine Tupfen.

Die Aufgabenteilung zwischen Vater und Sohn ist klar: Vater Guido sorgt für Futternachschub und den Verkauf, Sohn Nicolas nimmt die Eier aus den Ställen. Ausgemistet wird gemeinsam einmal pro Woche. «Zusammen brauchen wir etwa zwei Stunden für beide Ställe», berichtet Nicolas, der im Sommer eine Lehre als Strassenbauer in Angriff nehmen wird. Bleibt ihm dann noch Zeit für sein Hobby? «Ja, wir wollen weitermachen.»

Gemeinhin werden drei Wachteltypen unterschieden: die Legewachtel, die Legemastwachtel und die Mastwachtel. Sie heben sich in Grösse, Gewicht und der Anzahl Eier, die sie produzieren, voneinander ab. Die Legewachteln legen am meisten Eier, die Mastwachteln am wenigsten, dafür ist ihr Fleisch zum Verzehr besser geeignet. In der Natur kommen ausserdem wilde Wachteln vor. In der Tierschutzverordnung sind Wachteln als Wildtiere deklariert, die Legewachtel oder Japanwachtel ist jedoch domestiziert.

Metzgereien und Restaurants

Nachdem die Eier aus dem Stall geholt wurden, werden sie in kleinen Schachteln zu 8, 12 und 18 Stück verpackt und mit der Post verschickt. «Das funktioniert einwandfrei, die Schale ist sehr dick», sagt Guido Zwyssig. Zum Öffnen braucht man denn auch ein Messer mit Zacken oder eine eigens dafür angefertigte Wachteleischere. Für den Verkauf hat Vater Guido einen Onlineshop unter dem Namen «Wachtelkönig» eingerichtet. «Wir beliefern lokale Metzgereien und Restaurants bis nach Bern», berichtet er stolz.

Die Hochsaison ist von Oktober bis Ende April. Genau dann, wenn die Legeleistung der Wachteln lichtbedingt nachlässt. «Aus diesem Grund verwenden wir eine Hühnerlampe, damit die Wachteln auch im Winter genügend Eier legen», erläutert Vater Guido. Im Frühjahr wird auf Sommerbetrieb umgestellt. Die Isolation des Aussenkäfigs, die Heizung und die Lampe im Stallesinneren werden abgebaut. Dann beginnt auch die weniger schöne Arbeit des Wachtelkönigs: Nach ungefähr zehn bis zwölf Monaten lässt die Legeleistung der Wachteln nach. «Für unseren kommerziellen Zweck genügt dies nicht mehr», meint Guido Zwyssig.

«Aus diesem Grund müssen wir die Tiere nach dem Erreichen dieses Alters jeweils töten.» Von ganz allen Tieren trennen können sich die Zwyssigs dann aber nicht, auch sie haben ihre Lieblinge. Einer davon war Goldi, sie stammte aus der ganz ersten Brut im Jahr 2012. «Sie war ganz zahm und konnte problemlos mit anderen Völkern zusammen gehalten werden», schwärmt Nicolas. «Ich halte die Wachteln nicht wegen des Profits, sondern weil sie spannende und «gwundrige» Tiere sind, die gerne auf Entdeckungsreise gehen.»

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