Hauenstein-Ifenthal
Er startet von null auf hundert

Stefan Berchtold, der neue Gemeindepräsident von Hauenstein-Ifenthal, vermietet Teslas und macht Radio.

Isabel Hempen
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Neuer Gemeindepräsident: der 35-jährige Stefan Berchtold vor seinem Haus (mit Hängematte) in Hauenstein-Ifenthal.

Neuer Gemeindepräsident: der 35-jährige Stefan Berchtold vor seinem Haus (mit Hängematte) in Hauenstein-Ifenthal.

Bruno Kissling

Stefan Berchtold schiebt es auf eine Häufung von Zufällen. Der 35-Jährige, der einem geradewegs das Du anbietet, hat nie Politik gemacht. Jetzt ist er Gemeindepräsident von Hauenstein-Ifenthal. Da er als einziger Kandidat fürs Gemeindepräsidium antrat, ist er gemäss Gemeindeordnung gewählt. Der Walliser, der mit seinem Mann Joel Imboden in einer eingetragenen Partnerschaft lebt, wohnt seit 2014 im Ort.

Tesla-Miete auf dem Hauenstein

Vor dem gemeinsamen Haus der «Buben vom Bachweg», wie das Paar im Dorf genannt wird, parkieren zwei PWs. Zwei Teslas, um genau zu sein: ein Model S und ein neueres Model X. Er habe 2015 ein Wochenende lang einen Tesla gemietet, erzählt Berchtold. Und sei so begeistert gewesen, dass er gleich selbst einen orderte. «Ich war fasziniert von der Idee, den Tesla zu vermieten», erinnert er sich. An seinem Arbeitsort in Basel, wo er beim medizintechnischen Unternehmen Ascensia Diabetes Care AG für das globale Reporting und Controlling verantwortlich zeichnet, stand ihm jedoch kein Parkplatz zur Verfügung.

Stefan Berchtold

Der Walliser wurde am 26.2.1982 in Brig geboren. Er absolvierte bei Lonza in Visp eine Lehre als Chemie- und Pharmatechnologe. Von 2003 bis 2012 arbeitete er bei Bayer Crop Science. Dazwischen, im Jahr 2007, war er fast ein Jahr für Costa Kreuzfahrten als International Host unterwegs. Seit 2012 ist er bei Bayer Diabetes Care tätig, welche im Januar 2015 von Bayer verkauft wurde und seither als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen Ascensia Diabetes Care firmiert. Aktuell unterliegt Berchtold das globale Reporting und Controlling.

Also stellte er den Wagen vor die eigene Haustür. Das Energieversorgungsunternehmen a.en konnte er als Partner gewinnen. Und, wie er berichtet: «Vergangenen Dezember kaufte ich den zweiten.» Dieser sei eigentlich als Familienauto gedacht gewesen. Aber wie schon Tesla Nummer eins wird auch Tesla Nummer zwei vermietet. Über eine Website fänden Kunden aus der ganzen Schweiz auf den Hauenstein. Und sind die Wagen nicht gerade weg, unternimmt er selbst gerne eine Spritztour.

Heimwehwalliser on air

Wie seine Luxuskarrossen geht auch Berchtold zuweilen von null auf hundert: «Ich bin impulsiv», bekennt er. Aber nicht nachtragend, fügt er lächelnd an. Und obschon seine Vorliebe fürs Gestylte und Geschwinde nicht darauf schliessen liesse, macht Berchtold einen bodenständigen Eindruck. Seine unverkennbare Walliser Mundart trägt das Ihre dazu bei. Seiner Heimat ist er denn auch nach wie vor sehr verbunden, obschon er da schon seit Jahren nicht mehr wohnt.

Als er 2003 bei Bayer als Chemikant einstieg, zog er nach Basel. Später lebte er sechs Jahre in Olten, weil er wieder näher am Wallis sein wollte. Statt dann wieder Richtung Basel in eine Mietwohnung zu ziehen, dachten sich sein Partner und er: «Zu diesen Preisen können wir anderswo gleich ein Haus bauen.» Und wenn, dann auf dem Hauenstein.

Das sei für ihn immer klar gewesen, sagt Berchtold. In besagtem Haus hat Berchtold ein kleines Radiostudio eingerichtet. Er mache Radio, seit er mit 15 beim Walliser Sender «iischers Radio» als Telefonist anfing, erzählt er. Später habe er selbst aufgelegt und moderiert. Vor drei Jahren habe es allerdings Differenzen gegeben. «Da zog ich mit einem Freund einen eigenen Sender auf», sagt er. «diis Radio», wie dieser heisst, kann über DAB+ im Wallis und in der ganzen Schweiz via Swisscom TV und Internet empfangen werden.

Unternehmerisches Denken

Ein Heimwehwalliser ist Berchtold also. Die Familie ist ihm wichtig und sein Lieblingsessen Käsefondue, er nennt sich gesellig und er habe ein gutes Gespür für Menschen. Und immer müsse bei ihm was laufen: seis campieren, skifahren, reisen, was immer. Einer Partei gehört Berchtold nicht an, weil er sich im Links-Rechts-Schema nicht zurechtfinde. Er sei, wie er sagt, ein Pragmatiker.

Wie so viele, die in die Politik einsteigen, will auch er etwas bewegen. Er hat indes ein konkretes Ziel: «Ich möchte eine Alternative finden, wie die Gemeinde nebst Steuern Geld verdienen kann.» Seine Idee: investieren in etwas, das einen finanziellen Rückfluss mit sich bringt. «Es geht ein bisschen in Richtung unternehmerisches Denken», sagt er.

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