Der Beruf des Gebäudereinigers ist ein sehr junger Beruf. Er existiert seit knapp 15 Jahren. Zusammen mit ihm trat die Frage nach der Arbeitssicherheit verstärkt in den Fokus. Willi Stähli, Ressortleiter Bildung bei Allpura (Verband Schweizer Reinigungsunternehmen) erklärt: «Sicherheitsvorschriften der Suva gibt es schon seit langem. Was sich durch das Aufkommen des Berufes Gebäudereiniger geändert hat, ist, dass diese Sicherheitsvorschriften nun in Absprache mit den Reinigungsbranchen entstehen.»

Mitarbeiter jedes Reinigungsunternehmens sind bei der Suva versichert und werden dementsprechend in überbetrieblichen Kursen im Ausbildungszentrum Reinigung Rickenbach zum Thema Sicherheit instruiert und geschult. Gemeinden, die beispielsweise Schulhausreinigungen organisieren, haben ihre eigenen Versicherungen. Oft stellen Gemeinden Schüler und Schülerinnen oder sonstige Freiwillige aus der Bevölkerung ein, um Schulräume zu reinigen. Reinigungsarbeiten an Fenstern oder Fassaden aber geben sie an externe Professionelle weiter, da das Risiko eines Unfalles für «Laien» schlicht zu gross wäre.

Die Wahrnehmung fehlt

Reinigungsunternehmen investieren viel Geld und Zeit: «Oft fehlt die Wahrnehmung dafür, was wir alles für die Sicherheit in diesem Beruf tun», konstatiert Karin Funk, vollamtliche Geschäftsleiterin des Verbands Allpura. Das ganze Jahr bietet das Ausbildungszentrum in Rickenbach Kurse rund um das Thema Sicherheit, hier werden die Lehrlinge einheitlich geschult. Für Lehrlinge im zweiten Lehrjahr findet einmal pro Jahr der Kurs «Hebebühne und Gerüstbau» statt.

Am Morgen bauen sie ein Gerüst richtig und sicher auf, sie lernen, wie sie auf diesem Gerüst stehen sollten und worauf zu achten ist. «Die Höhe alleine ist nicht entscheidend. Die Gefahr beginnt, sobald ich nicht mehr auf meinen beiden Beinen stehe», warnt Stähli, der schon beobachtet hat, wie Reinigungskräfte auf die Ränder oder auf Handläufe gestiegen sind, anstatt runter zu klettern und das Gerüst auf die neue Höhe einzustellen.

Im zweiten Teil des Kurses nehmen die Lehrlinge eine selbstfahrende Hebebühne unter die Lupe. «Eine Hebebühne bis zu drei Tonnen – damit kann man bis zu einer Höhe von 27 Metern arbeiten – kann mit dem normalen Führerschein selber gefahren werden», klärt Stähli auf. Die Lehrlinge lernen, wie sie das Fahrzeug abstellen müssen. Stähli sagt: «Es muss im Wasser sein», was so viel bedeutet wie, dass es gerade stehen muss.

Sie lernen die Bedienungselemente der Hebebühne und ihre Funktionen kennen, erfahren etwas über die Mechanik, steigen gesichert auf die Bühne und dürfen selbst Hand anlegen. «Sie lernen, wie zu Fahren ist, in welcher Reihenfolge und welche Knöpfe man dafür drücken muss», erklärt Funk. Ausbildner des Kurses, Markus Rüfenacht, hilft den Kursteilnehmern beim korrekten Anziehen der Sicherheitsgilets.

Ein Absturzsicherungskurs gehört zu den Vorschriften, sobald ab drei Metern gearbeitet wird. «Mit dieser Arbeitssicherheitskommission hat man es geschafft, die Anzahl Unfälle auf ein Minimum zu reduzieren», ist Funk stolz. Grösstes Risiko stellt nach wie vor die Leiter dar.

Aus der gesamten Deutschschweiz pilgern die Lehrlinge der Reinigungsbranche nach Rickenbach. Schlafräume im obersten Stock stehen den Jugendlichen von weit weg zur Verfügung.

Reinigungsbranche integriert

Die Reinigungsbranche weist mit über 90 Prozent einen sehr grossen Anteil an ausländischen Arbeitnehmern auf. «Wir sind eine Einstiegsbranche. Wir integrieren Leute mit geringen Deutschkenntnissen in den Arbeitsmarkt. Die Bevölkerung denkt oftmals, putzen kann jeder.

Dabei gibt es viele Arbeitsabläufe, richtige Dosierungen, (Sicherheits-)Anleitungen oder Techniken die beherrscht werden müssen», stellt Funk klar. Hinzu komme, dass das ausländische Personal auch lernen müsse, anderen Anweisungen zu geben. Sie sollen sich also verständigen können, deshalb bietet der Verband auch Deutschkurse an, an denen zunächst Ausdrücke aus der Reinigungsbranche gelernt werden.

Stähli und Funk appellieren auch an die richtige Einstellung der Arbeitgeber. Diese sollten sich bewusst sein: «Verunfallt ein Mitarbeiter, verliert man eine geschulte, gute Arbeitskraft, die nicht einfach ersetzbar ist.

Zwar entschädigt die Suva und nicht das Unternehmen den verunfallten Mitarbeiter, trotzdem sollte den Unternehmensführern klar sein, der Ausfall eines Mitarbeiters ist immer ein Verlust, auch wenn die Suva zahlt. Arbeitgeber sollten daher Verantwortung übernehmen und alles daransetzen, ihren Mitarbeitern sichere Arbeitsweisen aufzuzeigen.»