In Hand- und Fussschellen wird Ardit M.* von zwei Polizisten die Treppe zum Amtsgericht Olten-Gösgen hinaufgeführt. Seine Familie begrüsst ihn mit Umarmungen, seine kleine Tochter, einen Lüchzgi tragend, drückt ihm einen Kuss auf die Wange und huscht davon. «Weiter», brummt ein Polizist, Ardit M. am Ärmel ziehend. Im ersten Stock wartet Amtsgerichtspräsidentin Barbara Hunkeler auf ihn – und mit ihr seine Hauptverhandlung.

Der Kosovare muss sich zurzeit während einer zweitägigen Gerichtsverhandlung wegen Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, Geldwäscherei, Urkundenfälschung sowie Widerhandlung gegen das Waffengesetz verantworten. Er soll einem Drogenring angehören, für welchen das Café Alexander in Trimbach als Drehscheibe fungierte und aus dem schon mehrere Mitglieder verurteilt wurden.

Ein grosser Fisch

Im Gegensatz zu den bereits verurteilten Mitgliedern des Rings, welche niedrigen Hierarchiestufen anzusiedeln sind, soll es sich bei Ardit M. um einen wichtigeren Spieler handeln. Ihm wird vorgeworfen, als Chef der Bande insgesamt mindestens 42 bis 46,5 Kilogramm Heroingemisch sowie 575 Gramm Kokaingemisch besessen und verkauft zu haben. Laut Rechnung der Staatsanwaltschaft ergibt dies einen Umsatz von rund 1,35 Millionen Franken, weshalb seine Verbrechen als gewerbsmässig gelten. Als mengenmässig qualifiziert gelten sie, weil Ardit M. durch seine Taten die Gesundheit vieler Menschen in Gefahr gebracht hat.

Von den 16 einzeln aufgeführten Anklageziffern, bei welchen von 5 Gramm bis 23,5 Kilogramm alle erdenklichen Mengen an Heroin verkauft wurden, anerkennt der Beschuldigte jedoch nur wenige. «Er lügt wie gedruckt» – «Diesen Mann kenne ich nicht» – «Den habe ich noch nie gesehen» – so die meisten seiner Antworten.

«Diamant» weiss nichts mehr

Nicht hilfreich dürften für Ardit M. die Zeugenaussagen gewesen sein. Zwei von drei Zeugen mussten ebenfalls in polizeilicher Begleitung und Handschellen erscheinen. Einer der Zeugen verweigerte zwar seine Aussage und ein zweiter – ein Drogendealer, welcher «Diamant» genannt wurde und dem Beschuldigten als «klassischer Gango» gedient haben soll – will sich an nichts mehr erinnern.

Ein dritter Zeuge jedoch zeigte sich gesprächiger und sagte, er habe mehrmals von Ardit M. und dessen Mitarbeitern Heroin bezogen. Auf die Frage, wer im Drogenring der Chef gewesen sei, lachte er laut und hämisch und zeigte mit dem Finger auf den Beschuldigten.

Urkundenfälschung für BMW

Während Ardit M. seine Position im Drogenring – wie den Grossteil seiner Beteiligung an Drogengeschäften – abstreitet, gibt er die Urkundenfälschung und den Waffenbesitz zu. Die Erfolgsrechnung seiner Firma habe er gefälscht, um einen BMW M6 leasen zu können, und zwei Pistolen sowie eine Kalaschnikow hätten sich in seinem Besitz befunden. Die Geldwäscherei jedoch bestreitet der Beschuldigte hartnäckig.

Der Prozess wird heute Dienstag fortgesetzt. Die Anträge des Staatsanwalts Philipp Rauber sowie des amtlichen Verteidigers des Beschuldigten, Max Birkenmaier, werden heute gestellt.

*Name der Redaktion bekannt