Daniel Cartier empfängt in seinem etwas in die Jahre gekommenen Büro auf der Gemeindeverwaltung Gretzenbach. Es ist funktional eingerichtet, persönliche Gegenstände sind kaum zu sehen.

Der 50-Jährige, in Holzfällerhemd, hellblauen Chinohosen, Turnschuhen, einer sportlichen Uhr am Handgelenk und einem Goldkreuz im Ohr, hat etwas Jugendliches; spitzbübischer Charme blitzt in seinen Augen. Was Cartier, seit acht Jahren Gemeindepräsident von Gretzenbach und neu Kantonsrat, jedoch nicht hat: dieAura eines Politikers.

Das mag daran liegen, dass Cartier den Weg der Mitte gewählt hat: Er nennt sich gutbürgerlich, wirkt aber durchaus modern; er politisiert in einer rechtsgerichteten Partei, steht in der FDP aber am linken Rand.

Die Welt möchte er nicht verändern. «Aber man muss das Heft in die Hand nehmen und anstehende Probleme angehen – nicht nur zuschauen», findet er. Worte eines Pragmatikers. Dass Cartier in der Politik gelandet ist, ist auch der «genetischen Belastung» geschuldet, wie er es nennt: Schon seine Eltern waren politisch – «immer freisinnig».

Der Vater sass acht Jahre im Kantonsrat, die Mutter zwölf Jahre im Gemeinderat von Niedergösgen, wo Cartier aufwuchs.

Grundhaltung: Es kommt gut

Den guten Schweizer Mittelweg schlug Cartier auch im Fall des Asyldurchgangszentrums Gretzenbach ein. Obschon er persönlich der Meinung ist, dass in der Flüchtlingsfrage eine andere Lösung gefunden werden müsste, zettelte er keine Grundsatzdiskussionen an.

Stattdessen hielt er fest: «Die Asylsuchenden sind jetzt da – wie machen wir das?» Ganz nach dem Motto «leben und leben lassen» – oder wie Cartier es ausdrückt: «Ich bin offen für andere Kulturen und setzte mich gerne damit auseinander – aber mit einem bestimmten Mass.»

Cartier mag die Leute. «Ich glaube an das Gute im Menschen», sagt er. Diese Einstellung habe ihm stets geholfen, ein gutes Leben zu führen. Er habe immer die richtigen Leute an der Seite gehabt, auch als Gemeindepräsident.

Auf Gemeindeebene habe er sich um Bildung, Sozialwesen und Raumplanung gekümmert. Als Erfolg nennt er die Realisierung von Alterswohnungen gemeinsam mit privaten Anbietern. Und eben, das Asyldurchgangszentrum. «Ich habe das Thema nicht gesucht – aber es ist gut gegangen.»

Grundsätzlich ist er der Meinung, dass es so wenig Regeln geben sollte wie möglich: «Überall, wo der Staat dreinredet, muss wieder nachkorrigiert werden.» Er selbst löse die Probleme, wie sie kommen.

«Ich bin der Letzte, der Probleme schaffen will, die Welt ist schon kompliziert genug», meint Cartier, der sich einen Geniessertyp nennt. Wer so redet, muss ein gewisses Vertrauen haben in die Dinge? Cartier bestätigt dies: «Meine Grundhaltung ist: Es kommt gut.» Zukunftsängste kenne er keine.

In den Kantonsrat liess sich Cartier wählen «in erster Linie, um die Partei zu stärken». Denn als Lehrer habe er sicher auch Fremdstimmen erhalten. Seine verschiedenen Netzwerke, glaubt er, hätten ihm zur Wahl verholfen: Als Gemeindepräsident geniesse er grossen Rückhalt in Gretzenbach.

Auch seine über 25-jährige Berufstätigkeit als Sekundarlehrer in Schönenwerd bringe einen gewissen Bekanntheitsgrad mit sich. Und er war langjähriger Fasnächtler in der Bohème-Musig in Olten. Sein 65-Prozent-Pensum an der Schule wird er angesichts seiner Kantonsratstätigkeit reduzieren. Das Engagement auf der Gemeinde bleibe jedoch dasselbe.

Was die Kommissionen angehe, sei er nicht festgelegt. «Als Gemeindepräsident bin ich offen für verschiedene Themen», sagt er. Die Bildungs- und Kulturkommission liege ihm von Berufs wegen jedoch am nächsten.

Hingegen seien die Finanz- oder die Justizkommission nicht so sein Ding. «Ich bin zwar Mathilehrer, aber in Finanzplanung bin ich eher unterdurchschnittlich», meint er lachend.