Mit dem Transfer von Daniel Rocamora gelang Schönenwerds Sportchef Daniel Bühlmann ein Glücksgriff. 109 Punkte erzielte Rocamora in den bisherigen fünf Meisterschaftsspielen. Damit ist der 27-jährige Spanier aktuell nicht nur der Topskorer bei den Niederämtern, sondern der erfolgreichste Punktesammler der gesamten NLA.

Rocamora konnte die Lücke füllen, die nach dem Rücktritt von Jan Schnider entstanden ist, sagt Bühlmann: «Er ist ein sehr angenehmer Typ ohne Starallüren. Auf dem Feld ist er eher ruhig, zeigt aber in den richtigen Momenten Emotionen.» Mit den Leistungen seines neuen Schützlings zeigt sich Bühlmann sehr zufrieden: «Die stimmen absolut. Rocamora ist ein kompletter Spieler. Er bringt uns nicht nur im Angriff viel, auch seine Verteidigungsarbeit, seine Blocks und Services sind ein Mehrwert für das Team.»

Er erledigt einfach seinen Job

Fast jeder vierte Punkt der Schönenwerder, die in der NLA nach fünf Spielen auf dem vierten Platz liegen, ging auf das Konto von Rocamora. «Das ist einfach der Job eines Diagonalangreifers», kommentiert der 2-Meter-Hüne seine Ausbeute nüchtern. Mit dem Druck, der auf seinen Schultern laste, könne er gut umgehen.

«Ich fühle mich in Schönenwerd schon sehr wohl und verstehe mich gut mit meinen neuen Teamkollegen. Das gibt mir Selbstvertrauen», begründet er seine überzeugenden Auftritte. Gegen die meisten Gegner sei es einfach gewesen, zu punkten, sagt Rocamora. «Ich musste nur hart draufhauen, schon wankte die gegnerische Annahme», lacht der Spanier. Im letzten Spiel gegen Titelverteidiger Amriswil habe er aber gemerkt, dass von den stärkeren NLA-Klubs doch deutlich mehr Gegenwehr komme.

«Gegen Amriswil mussten wir uns die Punkte hart erarbeiten», blickt «Roca» auf die 1:3-Niederlage zurück, die in seinen Augen unnötig war: «Wir haben drei Punkte verloren, weil wir schlicht zu viele Fehler machten.»

Seit fast zwanzig Jahren spielt Rocamora Volleyball. Seine Karriere startete er als 9-Jähriger in seiner Heimat Sabadell, rund zwanzig Kilometer entfernt von Barcelona. Mit 15 Jahren besuchte er die Sportschule Kataloniens und lief für die Regionalauswahl auf. Noch bevor er volljährig war, zog es Rocamora ins Ausland.

Er spielte in Andorra in der zweithöchsten Liga. Es folgten zwei Jahre bei Almeria, in denen er den spanischen Meistertitel und den Supercup gewann. Via Numancia Soria, wo er mehr Einsatzzeit bekam und «einen grossen Schritt nach vorne machen konnte», gings weiter nach Italien, Deutschland, Österreich und zuletzt Rumänien. «Ich muss mir wohl bald mal eine Weltkarte kaufen, auf der ich alle Länder markieren kann, in denen ich schon gespielt habe», lacht der Wandervogel.

Trotz der vielen Karrierestationen muss Rocamora keine Sekunde überlegen, wo es ihm bis jetzt am besten gefällt: in der Schweiz. Und dies, obwohl er erst sein knapp anderthalb Monaten hier ist. «Wenn ich nur die sportliche Seite anschaue, dann wäre es Italien», führt er aus. «Volleyball hat dort einen derart hohen Stellenwert, dass du dich als Spieler um nichts kümmern musst.

Nur an drei Sachen musst du denken: Wann die Trainings stattfinden, hoch zu springen und hart zu schlagen.» Von Trainingskleidern, Schuhen über die medizinische Betreuung bis zum Essen, alles sei organisiert gewesen. Wie kann da ein kleiner Verein wie Volley Schönenwerd mithalten? «Ich fühlte mich in der Schweiz schon von Anfang an wie daheim», antwortet Rocamora. «Vielleicht ist es die sichere Lage des Landes. Hier werde ich definitiv nie Probleme haben wegen Löhnen, die zu spät bezahlt werden.»

«Auf dem richtigen Weg»

Siege gegen Lausanne, Luzern sowie Chênois, Niederlagen gegen Näfels und Meister Amriswil, dies die Bilanz der Schönenwerder in der laufenden Saison. Rocamora ist «mehr oder weniger zufrieden» mit dem Auftakt: «Wichtig ist, dass wir uns von Spiel zu Spiel steigern und immer weniger Eigenfehler produzieren», stellt er fest.

Dass das Spiel der Schönenwerder noch von zu vielen Hochs und Tiefs geprägt ist, sei normal im Volleyball-Sport. «Vor allem bei einem neu formierten Team wie wir es sind. Wir arbeiten jeden Tag daran, konstanter zu werden und unser Level über ein ganzes Spiel hinweg auf dem Maximum halten zu können.»

Rocamora hält fest, dass Schönenwerd auf dem richtigen Weg sei, aber noch längst nicht das volle Potenzial ausgeschöpft habe. «Wir wollen natürlich auch in der Qualifikation jedes Spiel gewinnen, wichtiger ist aber, dass wir im Januar bereit sind, wenn die entscheidende Phase der Meisterschaft beginnt.

Wir haben also noch etwas Zeit.» Er hofft, dass sein Team mit der Rückkehr des verletzten Captains Carlos Guerra sowie Leandro Gerbers, der bis Ende Jahr im Ausland weilt, noch mehr Feuerkraft im Angriff bekommt. Ob er Ende Saison immer noch der Topskorer der Liga sein werde? «Ich versuche es. Denn das würde bedeuten, dass ich und das ganze Team eine gute Saison gezeigt haben. Ich bin sicher nicht in die Schweiz gekommen, um Zweiter zu werden.»