Lostorf
Er ist auch in der fünften Jahreszeit der Chef im Dorf

Der Lostorfer Gemeindepräsident Thomas Müller ist an der Fasnacht als Obernarr Thömu dr I. unterwegs. Dass sich seine Ämter in Politik, Jus und Fasnacht ausschliessen, findet er übrigens nicht.

Rahel Bühler
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Am 5. Januar 2019 war es soweit: Thomas Müller wurde am Hilari zum Obernarr der Lostorfer Fasnacht proklamiert.
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«Ich finde die Lostorfer Fasnacht unterstützenswert und habe mich gefreut, als ich angefragt wurde», sagte Müller im Januar.
Mit seiner Proklamation ist der 54-Jährige nun neben seinem Amt als Gemeindepräsident auch Obernarr.
Thomas Müller ist Gemeindepräsident und Obernarr in Lostorf
Zusammen mit fünf Trabanten wird Müller als Obernarr eine Tour machen und Beizen sowie Fasnachtszelte in Lostorf, Stüsslingen, Obergösgen und Dulliken besuchen.
Welche Inhalte seine Gruppe in den Schnitzelbänken anschneiden wird, gibt er nicht preis, sagt aber, dass die Sanierung der Hauptstrasse Nord in seiner Gemeinde nicht dazugehören werde.
Der Grund dafür: «Bei uns gibt es keine Tabus, uns ist zu diesem Thema einfach keine gute Pointe eingefallen», meint Müller und lacht.

Am 5. Januar 2019 war es soweit: Thomas Müller wurde am Hilari zum Obernarr der Lostorfer Fasnacht proklamiert.

Oltner Tagblatt

Fasnacht, Lokalpolitik und Jus. Das passt nicht zusammen wie die Faust aufs Auge: Die fünfte Jahreszeit wird mit Freude, Ausgelassenheit und Spass verbunden. Jus und Politik dagegen sind eher ernstere Angelegenheiten.

Dass sich diese drei Themengebiete allerdings durchaus kombinieren lassen, beweist der Lostorfer Gemeindepräsident und Anwalt Thomas Müller. Er ist in diesem Jahr der Obernarr der Lostorfer Fasnacht.

«Musik machen war immer ein Hobby von mir»

Thomas Müller ist unter den Oltner Fasnächtlern kein Unbekannter. Der ursprüngliche Oltner ist seit 1993 ein aktiver Fasnächtler. Damals trat er der mittlerweile inaktiven Oltner Guggemusik Jldefonser Vielharmoniker bei. Anfangs spielte er Posaune, dann wechselte er zum Sousaphon. «Musik machen war immer ein Hobby von mir», blickt Müller, der auch in Bands spielte, zurück. «Ich mag das Kollegiale, Ungezwungene.»

2003 zog Müller nach Lostorf, blieb aber weiterhin der Oltner Fasnacht treu. 2010 verabschiedete er sich von der Strassenfasnacht, wechselte zur Beizenfasnacht und wurde Mitglied der Höckeler-Zunft. «Ich arbeite gerne mit Texten und begleite sie auf der Gitarre», erklärt der Lokalpolitiker die Gründe.

Lostorf als einziges Dorf im Niederamt mit einem Obernarren

Seit drei Jahren gibt es in Lostorf wieder einen Obernarren, der während der fünften Jahreszeit das Gemeindeoberhaupt ist. Lostorf ist damit das einzige Dorf im Niederamt, das dieses Amt bekleidet hat. Als er dafür angefragt wurde, habe er lange überlegt, erinnert sich Müller. «Wenn ich ein Amt übernehme, dann will ich es richtig und nicht nebenbei machen.»

Bereits vorher war er in seiner Funktion als Gemeindepräsident oft an den Fasnachtsaktivitäten in der Gemeinde anzutreffen. «Ich habe ein Fasnachtsherz und mir ist es wichtig, dass auch die Dorffasnacht weiter betrieben wird», erklärt Müller in seinem Büro auf der Lostorfer Gemeindeverwaltung: «Ich finde das einen tollen Brauch.» Er trägt einen dunklen Anzug, Krawatte und ein weisses Hemd.

«Politiker und Juristen haben auch ein Privatleben»

Dass sich seine Ämter in Politik, Jus und Fasnacht gegenseitig ausschliessen, findet der 54-Jährige nicht: «Politiker und Juristen haben auch ein Privatleben.» Sonst sei er um diese Jahreszeit mit Schnitzelbänken in Olten beschäftigt, heuer sei er eben Obernarr in seiner Wohngemeinde. Ausserdem gäbe es unter Anwälten viele Zünftler. «Für mich ist die Fasnacht auch eine Art Ausgleich zum ernsten Berufsleben», meint Müller trotzdem. «Ich denke, wenn man Anwalt ist, sucht man sich nicht zwingend auch noch ein ernstes Hobby.»

Das Amt des Lostorfer Obernarren ist laut Müller nicht so aufwendig, wie das seines Oltner Pendants. Es sei vor allem eine repräsentative Aufgabe. Während der Vorfasnachtszeit war er am 11.11. und am Hilari präsent und besuchte die Lostorfer Zunft zu Wartenfels.

«Bei uns gibt es keine Tabus»

In der Fasnachtswoche wird er am Donnerstag, Samstag und Dienstag im Zelt anzutreffen sein und am Oltner Umzug teilnehmen. Ein spezieller Brauch in Lostorf ist das Böögverbrennen eine Woche später. Das Programm ist also weniger dicht gedrängt als jenes des Oltner Obernarren. «Ich muss nicht den Tätschmeister spielen und den ganzen Abend Witze reissen.»

Genau gleich wie seine beiden Vorgänger wird Thömu dr I. sein Amt allerdings nicht ausführen. Nur schon das Motto ändert sich jedes Jahr. Das diesjährige lautet «Casino Las Vegas-Feeling». Zudem führt Müller zwei wesentliche Änderungen ein: Der Gemeindepräsident übergibt dem Obernarren am Schmutzigen Donnerstag jeweils traditionellerweise den Schlüssel zum Gemeindehaus. Heuer sind die Protagonisten die gleiche Person. Wie Müller diesen Kniff lösen will, verrät er jedoch nicht.

«Hauptstrasse Nord» wird kein Schnitzelbank-Thema sein

Andererseits hat Thömu dr I. Schnitzelbänke in Lostorf eingeführt. Zusammen mit fünf Trabanten wird er eine Tour machen und Beizen sowie Fasnachtszelte in Lostorf, Stüsslingen, Obergösgen und Dulliken besuchen. «Bei den Schnitzelbänken geht es darum, Themen lustig darzustellen und zu überzeichnen.»

Welche Inhalte seine Gruppe konkret anschneiden wird, gibt der dreifache Familienvater ebenfalls nicht preis, sagt aber, dass die Sanierung der Hauptstrasse Nord in seiner Gemeinde nicht dazugehören werde. «Bei uns gibt es keine Tabus, uns ist zu diesem Thema einfach keine gute Pointe eingefallen», meint Müller und lacht.