Dulliken

Er bringt Nachtschwärmer nach Hause – und hat dabei schon so manche lustige Geschichte erlebt

Kevin Rodel während eines Einsatzes als Disponent in der Zentrale in Balsthal: «Wenn ich etwas müde werde, hole ich einen Kaffee oder vertrete mir die Beine.»

Kevin Rodel während eines Einsatzes als Disponent in der Zentrale in Balsthal: «Wenn ich etwas müde werde, hole ich einen Kaffee oder vertrete mir die Beine.»

Kevin Rodel aus Dulliken ist als Fahrer für Nez Rouge Solothurn unterwegs und trifft so auf die unterschiedlichsten Leute.

Nein, es gäbe keine Wetterverhältnisse, bei denen er nicht fahren würde. Kevin Rodel sitzt am Küchentisch in seiner Wohnung in Dulliken. Neben ihm sein Tablet, das er während des Gesprächs immer wieder konsultiert, um aktuelle Zahlen oder Statistiken hervorzuholen.
Seit drei Jahren fährt der 27-Jährige für Nez Rouge Solothurn, seit zwei Jahren ist er auch in der Einsatzzentrale aktiv. Auf den Fahrdienst aufmerksam wurde er vor fünf Jahren durch die sozialen Medien. Endgültig dafür entschieden hat er sich 2015: «Es ist eine soziale Sache, die sehr interessant ist», sagt er.

Bestimmte Voraussetzungen, um bei Nez Rouge mitzumachen, brauche es nicht: Der definitive Fahrausweis, den man vor jedem Einsatz vorweisen müsse, reiche. Die Fahrer müssen jedoch die Null-Promille-Grenze beim Alkohol einhalten. Wer fährt, trinkt nicht, lautet die Devise.

Überkantonales Einsatzgebiet

In der Saison 2018/2019 hat er sieben Einsätze: drei als Fahrer, drei als Disponent in der Zentrale und ein weiterer, bei dem er die Autos putzt und zurückbringt. «Im Kanton Solothurn werden die Autos von Garagen in der Region gesponsert», weiss der gelernte Automatiker. Im Kanton Aargau ist dies beispielsweise nicht der Fall. Dort sind die Nez-Rouge-Autos jene der Fahrer.

Auch die Verpflegung für die Fahrer wird gesponsert. Denn ein Einsatz kann ganz schön lange werden: Um 21.15 Uhr besammeln sich Telefonist, Fahrer, Disponenten und Einsatzleiter in der Einsatzzentrale in Balsthal. Erste Kundenanrufe werden ab 22 Uhr entgegengenommen. Dann beginnt der Einsatz für Kevin Rodel, wenn er als Fahrer unterwegs ist. In Zweierteams rücken sie in den ganzen Kanton aus.

Das Zuständigkeitsgebiet von Nez Rouge Solothurn geht über die Kantonsgrenzen hinaus in den Oberaargau und den Aargau. Wenn in einer Nacht nicht viel los ist, fahren sie auch darüber hinaus: «Die längste Strecke, die ich gefahren bin, war von Rothrist in den Kanton Schwyz», erinnert sich der Dulliker. «Wir lehnen keine Fahrt ab», stellt er klar. Ausser wenn der Kunde kein eigenes Auto bei sich hat – «Nez Rouge ist kein Taxi» – oder das Auto offensichtlich nicht in einem fahrtüchtigen Zustand ist. Falls etwa keine Winterpneus montiert sind oder die Lichter nicht funktionieren.

Bis um 3.30 Uhr kann der Fahrdienst angefordert werden. Wenn dann noch ein Auftrag reinkommt, wird dieser auch erledigt. Rodel: «Als Disponent muss ich zwar nicht warten, bis das letzte Zweierteam zurück ist, aber ich mache es oft, damit der Einsatzleiter nicht alleine ist.» So werde es ab und zu fünf Uhr morgens, bis er nach Hause geht. «Andere gehen lange in den Ausgang, ich mache etwas schlaueres.»

Viele lustige Geschichten erlebt

Müde werde er selten. «Und wenn, dann hole ich mir einen Kaffee oder vertrete mir die Beine.» Auf seinen Fahrten hat der 27-Jährige schon so manche lustige Geschichte erlebt: «Mit den allermeisten Kunden kommt man ins Gespräch.» Einmal holte er eine Band beim Bahnhof in Olten ab, die dort in der Nähe ein Konzert gespielt hatten. «Wir wussten allerdings nicht, dass sie Instrumente dabei hatten und mussten ihnen helfen, sie in ihren Bandbus zu verstauen», blickt er zurück. Die Fahrt nach Kriens wurde so relativ unterhaltsam, hätten die Bandmitglieder doch unterwegs viel gelacht und gejohlt.

Auch das zweite spezielle Erlebnis, das Rodel in seiner Nez-Rouge-Karriere erlebte, spielte sich am Oltner Bahnhof ab: «Mein Kollege und ich warteten, in unsere Leuchtwesten gekleidet, vor dem Auto auf den nächsten Einsatz. Einmal fuhr ein Lamborghini in einem Affentempo vorbei. Kurze Zeit später passierte er uns nochmals und dann noch einmal. Dieses Mal aber in einem ganz langsamen Tempo. Der Fahrer muss wohl gedacht haben, wir seien Polizisten.» Negative Erlebnisse, wie aggressive oder unfreundliche Kunden hat Kevin Rodel noch nie erlebt.

Von den jungen Partygästen, über ein Paar mittleren Alters, das sich ein stilvolles Abendessen gegönnt hat, bis hin zu Rentnern, die sich nicht mehr auf die Strasse trauen, können alle zur Nez-Rouge-Kundschaft gezählt werden. Wie viel Geld sie gäben, sei auch unterschiedlich. «Jeder soll selber entscheiden, wie viel es ihm wert ist, dass er sicher nach Hause gekommen ist», sagt Rodel dazu. Genau so unterschiedlich seien auch deren Autos: vom klapprigen Renault bis zum schicken BMW sei alles dabei. Eine Marke ist ihm bislang noch nicht unter die Füsse gekommen: «Auf den Tesla warte ich noch.»

Verwandtes Thema:

Autor

Bühler Rahel

Meistgesehen

Artboard 1