Trimbach
Emil Strub gehört zu den grossen Bergbahn-Pionieren — seine Zahnstange führt aufs Jungfraujoch

Der Ingenieur Emil Strub aus Trimbach gehört zu den grossen Bergbahn-Pionieren der Schweiz, ist heute aber fast vergessen.

Lorenz Degen
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Seine Zahnstange führt aufs Jungfraujoch
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Die Strub-Zahnstange mit Zahnrad.
Die Lokomotive Nr. 11 steht in Interlaken

Seine Zahnstange führt aufs Jungfraujoch

Bilder: Lorenz Degen Bild: zvg .

Emil Viktor Strub kam im anbrechenden Eisenbahnzeitalter zur Welt. Als er am 13. Juli 1858 in Trimbach geboren wurde, dampften die Züge gerade seit gut zweieinhalb Monaten durchgehend zwischen Basel und Olten.

Emil Strub auf einem Gemälde.

Emil Strub auf einem Gemälde.

Bilder: Lorenz Degen Bild: zvg .

Die Hauptwerkstätte der Schweizerischen Centralbahn, in der Niklaus Riggenbach (1817–1899) wirkte, wurde drei Jahre zuvor gegründet. Nach der Volksschule in Trimbach und der Bezirksschule in Olten ging Strub in eine Mechanikerlehre in der Riggenbach’schen Bergbahn-Fabrik in Aarau, danach besuchte er das Technikum Mittweida.

Was ihn ausgerechnet in die sächsische Provinz zog, ist unklar. Strub arbeitete danach bei der Maschinenfabrik Esslingen und wurde ab 1886 Konstrukteur in der Hauptwerkstätte Olten der Schweizerischen Centralbahn.

Der Bundesrat berief ihn zwei Jahre später auf einen neu geschaffenen Posten: Von 1888 bis 1891 bekleidete er das Amt des eid­genössischen Kontrollingenieurs für Bergbahnen, ehe er als Inspektor zu den Berner Oberland-Bahnen wechselte. Die Bergbahnen bestimmten von nun an sein weiteres Leben.

1892 erhielt Strub zusammen mit einem Kompagnon die Konzession für eine Zahnradbahn auf den Eiger und geriet dadurch in Konflikt mit dem «Eisenbahnkönig» Adolf Guyer-Zeller (1839-1899), der seinerseits die Idee einer Jungfraubahn entworfen hatte. Hans Brunner aus Winznau, profunder Kenner der Oltner Geschichte, zeichnete in einem Aufsatz im Jahrbuch der Solothurner Geschichte von 1988 dieses Ringen um Pläne, Konzessionen und Geldmittel eindrücklich nach.

Strub begrub schliesslich sein Vorhaben und trat in die Dienste Guyer-Zellers ein, der ihn 1896 zum Direktor der Jungfraubahn ernannte. Guyer-Zeller veranstaltete einen Wettbewerb für den Bau und Betrieb dieser Strecke, den Strub mit seinem neu geschaffenen Zahnstangensystem gewann. Nach Niklaus Riggenbach und Roman Abt wurde Emil Strub damit zu einem bedeutenden Bergbahn-Erfinder, ohne dass er je eine Hochschule besucht hätte.

In einer zeitgenössischen Broschüre heisst es dazu: «Der Hauptvorzug der Strub’schen Zahnstange liegt in ihrer grossen Einfachheit, ihrem geringen Gewicht und dem leichten Verlegen. Der einmal richtig montierte Oberbau erfordert fast keine Nacharbeiten. Reparaturen an der Zahnstange sind ausgeschlossen, da sie aus einem einzigen Stücke besteht, während zum Beispiel bei der Leiterzahnstange jedes Jahr eine grössere Zahl lose gewordener Zähne frisch nachgenietet werden müssen.»

1898 eröffnete Strub sein eigenes Ingenieurbüro, zuerst in Montreux, dann in Zürich, von wo aus er am Bau von Drahtseilbahnen in Südtirol arbeitete. Die Strub-Zahnstange wurde bei etlichen Bergbahnen verwendet, so in Kalabrien und Sizilien, oder bei den Bahnen Brunnen-Morschach SZ oder Martigny-Finhaut VS. 1912 erreichte dann der erste Zug mit seiner Zahnstange das Jungfraujoch auf 3454 Metern über Meer, was Strub ebenso wie Guyer-Zeller nicht mehr erlebten.

Zweimal verheiratet, unerwartet früh verstorben mit 51 Jahren

Über Strubs Privatleben ist fast nichts bekannt. 1887 heiratete er Maria Bütler, 1893 dann ihre Schwester Bertha. Maria brachte offenbar drei Kinder zur Welt, wobei das jüngste bald starb. Bertha Strub gebar eine Tochter namens Stephanie. Charakterlich scheint er ein ruhiger Mensch gewesen zu sein: «Bei allen seinen Erfolgen behielt Strub sein einfaches und schlichtes Wesen bei. Er suchte nicht hervorzutreten und blieb eher zurückgezogen. (...) Im engeren Kreise kamen auch sein Humor und seine Freundlichkeit erst recht zum Ausdruck, und aus seiner reichen Praxis im Bergbahnwesen wusste er viel Interessantes zu erzählen», steht in seinem Nachruf in der Bauzeitung vom 25. Dezember 1909.

Emil Strub starb völlig überraschend am 15. Dezember 1909 in Zürich. Ein Herzschlag hat seinem Leben ein unerwartetes Ende bereitet. «Strub war eine kräftige und gesunde Natur, die noch kein Zeichen des Alterns zeigte, und auch die, die ihn wenige Stunden vor seinem Tode sahen, konnten nicht ahnen, dass er so bald und plötzlich dahingehen und dem von ihm gewählten und geliebten Berufe so bald entrissen werden sollte. (...) Mitten in der Arbeit für neue Entwürfe und Ausführungen hat ihn der Tod ereilt und seinen Mitarbeitern entführt.»

Ein Nachlass von Emil Strub scheint nicht zu existieren, auch gibt es in Trimbach kein Denkmal und keine nach ihm benannte Strasse. «Emil Strub ist unrechtmässig vergessen», meint Hans Brunner. «Er war ein Eigenbrötler. Und für diese schaut niemand.» Einzig auf dem Jungfraujoch ruht ein grosses Zahnrad auf seiner Zahnstange.