Unbeeindruckt von der klirrenden Kälte macht sich Beatrice Spielmann, Tierpflegerin im Wildpark Mühletäli, an die Fütterung der Waschbären. Auf die Frage, ob sie denn nicht friere, meint sie verschmitzt: «Ich habe vorhin gerade den Boden gewischt – das gibt ordentlich warm!»

Erwartungsvoll blicken die beiden Waschbären aus ihrem Unterschlupf. Allzu eilig haben sie es nicht. Aber schlussendlich siegt der Hunger, und sie klettern noch steif vom nächtlichen Schlaf in die Kälte hinaus, um sich über die Leckerbissen herzumachen, die die Tierpflegerin im Gehege verteilt hat.

Neugierig verfolgen die Zwergziegen nebenan das Geschehen. Sie sind mit ihrer dichten Unterwolle perfekt an die winterlichen Temperaturen angepasst – genauso wie die übrigen Tiere im Wildpark. Insbesondere dem Walliser Landschaf mit seinem üppigen Wollkleid kann die Witterung nichts anhaben.

Über eine zusätzliche Anpassungsstrategie verfügen die Waschbären: Sie halten zwar keinen Winterschlaf, können aber Energie sparen, indem sie in eine Winterruhe fallen und ihren Stoffwechsel herunterfahren. Ausserdem fressen sie sich im Herbst einen üppigen Winterspeck an.

Walnüsse als kleines Extra

Auswirkungen auf den Betrieb des Wildparks hat die Kälte kaum, wie Kyra Bosshardt, verantwortlich für die Tierpflege im Mühletäli, sagt: «Besondere Vorkehrungen müssen wir glücklicherweise keine treffen.»

Die Wasserversorgung sei gewährleistet, da die Tiertränken von einer beständig fliessenden Quelle gespeist würden. Als Schutz vor der bissigen Bise genügten die Unterstände, die in jedem der Gehege zur Verfügung stünden. Eine dicke Strohschicht diene als Bodenisolation, wie Bosshardt weiter ausführt.

Einzig das Futter erfährt eine geringfügige Anpassung. So erhalten die Waschbären in diesen Tagen keine wasserhaltigen Nahrungsmittel wie Früchte oder Frischfleisch, da diese sofort gefrieren würden. Stattdessen müssen sich die beiden Waschbärendamen mit einer Mischung aus Hunde- und Katzentrockenfutter begnügen. Dass diese Mischung mit Nüssen angereichert wird, freut auch die gefiederten Gäste: Amsel, Rotkehlchen und Kohlmeise stibitzen die fettreichen Köstlichkeiten noch so gerne.