Gretzenbach
Einradclub Gretzenbach: «Ohne Angst lernt man viel schneller Einrad fahren»

Der Einradclub Gretzenbach ist bei Einradhockey und Rennen international ganz vorne mit dabei.

Alexis Strähl
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Während des Trainings in Aarau: Manuel Bless (in Rot) versucht vor den gegnerischen Spielern den Tennisball zu erwischen.

Während des Trainings in Aarau: Manuel Bless (in Rot) versucht vor den gegnerischen Spielern den Tennisball zu erwischen.

Markus Müller

Gekonnt führt Silvan Meier den Tennisball mit seinem Eishockeyschläger an der gegnerischen Verteidigung vorbei, holt aus und schiesst ein Tor. «Schön!», ruft ein Team-Kollege. Dann lenkt Meier sein Einrad wieder zurück ins Mittelfeld. Was heute so leicht aussieht, musste geübt werden: Rund drei Wochen dauerte es, bis Meier Einrad fahren konnte. Dann begann der damals Zehnjährige im Gretzenbacher Einradclub mit Einradhockey. «Zuvor habe ich Eishockey gespielt», sagt der heute knapp 22-jährige Gretzenbacher. «Das war schon eine Umstellung, vom Eis auf den Boden.»

An diesem Mittwochabend trainieren in Aarau neun Vereinsmitglieder der ersten Mannschaft «Unicycle Tigers», die in der A-Liga spielen. Das einstündige Training – unter der Leitung von Silvans Vater Stefan Meier – beginnt, indem die Spieler locker durch die Halle fahren und auf eines der zwei Tore schiessen. Dann teilen sie sich in zwei Teams auf. Dass beim Match jemand vom Rad rutscht, passiert gelegentlich. Flink springen die Spieler wieder aufs Rad.

Regelmässig an Europa- und Weltmeisterschaften

Die Goalies Marco Leuenberger und Sarah Bless müssen sich unterdessen darauf konzentrieren, im Stehen nicht umzufallen. Sie halten sich am Goal fest oder stützen sich auf den Hockeyschläger. Die Regeln ähneln denen des Eishockeys – mit zusätzlichen spezifischen Regeln wie etwa das Verbot, beim Aufsteigen aufs Rad bereits den Ball zu spielen.
Die Schweiz hat im Einradhockey die Nase vorn. So konnte etwa das Schweizer Nationalteam Anfang August den Europameistertitel verteidigen. Auch der Einradclub Gretzenbach stellt regelmässig Spieler für internationale Teams und hat einige Medaillenträger in ihrer Runde. Weil der Nischensport nur selten in den Medien aufgegriffen werde, sei die Sponsorensuche schwierig und die Spieler müssten die Kosten selbst tragen.

Auch im Einradrennen sind manche Gretzenbacher vorne dabei: So hält Stefan Meier etwa den Weltrekord von ü50-Spielern in den Kategorien Rennen über 100, 400, 800 Meter und 10 Kilometer. «Ich bin seit 13 Jahren angefressen», sagt er mit breitem Lächeln. Schon davor habe er viel Sport gemacht, was ihm dabei geholfen habe, das Einradfahren zu erlernen. «Wenn jemand sportlich ist und keine Angst hat, geht es viel schneller», erklärt Meier.
Die meisten der rund 30 aktiven Spieler trainieren sowohl Einradhockey als auch Einradrennen, erzählt Vereinspräsident Martin Schmid: «Die Saison der Wettkämpfe ist für Hockey im Winter, für Rennen im Sommer.» Weiter trainieren die Vereinsmitglieder Disziplinen wie Cross Country oder Downhill-Fahrten. Dazu kommen gemeinsame Touren mit dem Einrad – diesen Sommer unternahmen sie eine fünftägige Tour im Engadin.

«Ein bisschen wie Eiskunstlauf»

Eine Disziplin, die in der Schweiz weniger verbreitet ist als in anderen Ländern, ist das Freestyle-Fahren. Dabei geht es darum, möglichst kunstvoll auf dem Fahrrad eine Kür zu fahren und diverse Tricks vorzuführen. «Es ist ein bisschen wie Eiskunstlauf», erzählt Sarah Bless, laut Schmid die beste Freestyle-Fahrerin im Gretzenbacher Club. Sie führt vor, wie sie sich im Fahren vom Sattel erhebt und dann den Sattel langsam nach vorn sinken lässt, bis er den Boden berührt. Dabei tritt sie stehend in die Pedale. Mittlerweile trainiere sie nicht mehr regelmässig. In Gretzenbach liege der Fokus viel mehr auf Hockey und Rennen. Das Einradhockeyspielen mache ihr aber auch Spass, findet Bless. Sie sei vielleicht durch das Freestyle-Fahren etwas beweglicher und schneller in der Reaktion. «Aber schlussendlich muss es beim Hockey einfach schnell gehen und es ist egal, ob es schön aussieht», sagt die 20-Jährige und lacht.

Zwei Mal wöchentlich trainiert die A-Liga-Mannschaft in Aarau. Dazu kommen ein Training der Mannschaft in der C-Liga sowie ein Nachwuchstraining in Gretzenbach und Däniken. Viele Spielern zogen gleich mehrere Familienmitglieder mit, wie es auch bei Sarah Bless der Fall war. Ebenso folgten Silvan und Stefan Meier der jüngeren Schwester in den Einradclub, die mittlerweile nicht mehr im Verein aktiv ist. «Es ist halt nicht ein Mainstream-Sport wie Fussball», erklärt Silvan Meier seine Faszination für den Sport.

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