«Das ist ein Novum für uns alle», sagte Gaby Beriger gleich zu Beginn der Veranstaltung in der Aula des Schulhauses 1912 in Lostorf. Sie ist die Präsidentin der Lostorfer Umweltkommission (UWK). Gemeinsam mit Priska Näf aus Winznau und Martin Engel aus Starrkirch-Wil — beide präsidieren die jeweilige UWK — organisierte sie das erste regionale Treffen aller UWK im Niederamt am Dienstagabend.

Dabei sollte es um die Beantwortung offener Fragen gehen: Wer ist wofür zuständig? Welche Handlungsspielräume hat die UWK?

Experten vom Kanton geben Tipps

Stephan Schader und Thomas Schwaller vom kantonalen Amt für Raumplanung versuchten in ihren Referaten Antworten zu liefern: «Ihr macht euren Job in den Kommissionen alle freiwillig. Darum soll es euch auch Spass bereiten, etwas zu bewirken», sagt Schader zu Beginn seines Vortrags.

Mit mehreren Beispielen aus Solothurner Gemeinden illustrierte er mögliche Schritte, die eine UWK einleiten könnte: «Im öffentlichen Raum, also in Parks, auf dem Schulgelände oder rund um die Altersheime in eurer Gemeinde, habt Ihr direkten Einfluss.» Dort könne man mit Reglementen, die in der jeweiligen Ortsplanung verankert sind, Veränderungen bewirken.

Schutz von Naturobjekten werde unterschätzt

Die rund 30 Anwesenden — neben den UWK-Mitgliedern meldeten sich auch Bauverwalter oder Gemeinderäte an — lauschten den Ausführungen Schaders konzentriert. Viele hatten Notizbuch und Kugelschreiber gezückt und machten sich Notizen zu den Anregungen, die der Leiter der Abteilung Nutzungsplanung zu räumlichen Leitbildern oder der Ortsplanung gibt.

Anschliessend zeigte Thomas Schwaller, Leiter der Abteilung Natur und Landschaft, die Bedeutung von Naturkonzepten für die Entwicklung eines Dorfes: «Die meisten Gemeinden haben Konzepte, aber die stammen aus den 90er-Jahren.» Dabei werde die Wichtigkeit des Schutzes der Naturobjekte unterschätzt. Schwaller: «Wenn Ihr in eurem Dorf etwa einen fürs Dorfbild markanten Baum oder eine Hecke habt, dann lasst die schützen.»

«Was bringt denn das?»

Und das funktioniert so: Im sogenannten Naturinventar wird das Objekt als schützenswert eingetragen, dies fliesst in die verbindliche Ortsplanung mit ein. Die Hecke darf also weder entfernt noch stark gestutzt werden.

Das Publikum zeigte sich überrascht: «Was bringt denn das?», fragt ein Anwesender. Schwaller führt aus: «Wenn jemand eine geschützte Hecke komplett abschneidet, kann beim Kanton eine Meldung gemacht werden. Wir organisieren dann eine Begehung zusammen mit der Gemeinde.» Anschliessend werde der Fall in der Akte vermerkt und der Grundstückeigentümer wird auf sein Fehlverhalten hingewiesen.

Das passiert, wenn eine geschützte Hecke gestutzt wird

«Lässt er die Hecke nicht nachwachsen, kann der Kanton eine Strafanzeige einreichen», sagt Schwaller. Die Anwesenden lachen ungläubig. Der Experte relativiert: «Aber so weit ist es bisher noch nie gekommen.»

Nach den Referaten blieb den UWK-Mitgliedern Zeit, sich untereinander über die Umweltthemen in den jeweiligen Gemeinden auszutauschen. Organisator Engel sagt: «Wir hoffen, diese Treffen jedes Jahr zu einem anderen Thema durchführen zu können.» Die Umweltkommissionen könnten gerade von Zusatzinformationen vonseiten des Kantons profitieren.