Kienberg (522 Einwohner) erlebt gerade eine Umwälzung an der Gemeindespitze. Vier von fünf Gemeinderäten, darunter der Gemeindepräsident, treten ab, dazu wechselt auch der Finanzverwalter. Kontinuität verkörpert Gemeindeschreiberin Daniela Hunziker. Obwohl der Rücktritt von Präsident Roger Meier nach dreieinhalb Amtsjahren für alle – auch für ihn selbst – völlig überraschend erfolgte, scheint der Übergang in Harmonie zu verlaufen. Eine samtene Revolution am Nordfuss der Saalhöhe.

In Dorfangelegenheiten wird in Kienberg auch mal ruppig politisiert: An der Gmeind wird Deutsch geredet, wenn bei einem Feldweg das Wasser nicht abläuft oder der Gemeinderat wieder mal von der Güterzusammenlegung träumt. Aber an der Rechnungsgemeindeversammlung vom Donnerstag, der letzten unter der bisherigen Führung, sah man unter den 40 Kienbergern nur zuversichtliche und erleichterte Gesichter.

Bis auf den krankheitshalber fehlenden Marcel Weber waren alle Mitglieder des alten und des neuen Gemeinderats gekommen. Ein Regenbogen von seltener Intensität, der unmittelbar vor Beginn der Versammlung über dem Dorf stand, konnte nur ein gutes Vorzeichen bedeuten. «État de grâce» nennen die Franzosen die einmalige Stimmung in den Tagen und Wochen eines Machtwechsels, wenn die Kritik am alten Regime verstummt, diejenige am neuen noch nicht laut geworden ist. Vielleicht ist es Ruhe vor dem Sturm, aber am Donnerstag waren Stolz und Freude über die geglückte Neubesetzung der Ämter zu spüren.

Kurzzeit-Präsident aus Pflichtgefühl

Die Verabschiedung der Abtretenden wurde zum Schwerpunkt der Versammlung. Roger Meier war 2014, kurz nach Beginn der Amtsperiode, in den Gemeinderat eingetreten. «Schon an meiner zweiten Sitzung hiess es: Wir brauchen einen neuen Gemeindepräsidenten», erinnerte er sich. «Und das war dann ich.» Er stellte sich zur Verfügung, weil Not am Mann war, «aber es war nie mein Wunsch, Gemeindepräsident oder auch nur Gemeinderat zu werden», gab er freimütig zu. So entschied er sich heuer bei Schluss der Anmeldefrist am 3. April spontan zum Rückzug, als er feststellte, dass sich auch ohne ihn fünf Personen für die fünf Gemeinderatssitze gefunden hatten.

«Wir haben schon geschluckt», sagte Bildungs-Ressortleiterin Gisela van der Weijden, die als einzige vom bisherigen Gemeinderat weitermacht, «aber es ist ein ehrlicher Entscheid». Mit einem selbst gestalteten, mit «Schöggeli» in allen Formen behangenen Baum umschiffte sie Meiers Unwillen, einen Wunsch zu äussern. Dazu gabs für den abtretenden Gemeindepräsidenten eine Luftaufnahme von Kienberg und einen Gutschein für ein gutes Essen.

Gewürdigt und mit passenden Geschenken verabschiedet wurden auch Susanne Rippstein und Dieter Baumann, die beide acht Jahre im Gemeinderat waren, sowie Verena Scherer, 8 Jahre Aktuarin der Baukommission sowie 4 Jahre Aktuarin der Forst- und der Werkkommission. Dass es kein Abschied im Zorn ist, bekräftigten sie mit ihren Dankesworten. Baumann, der die letzten drei Jahre auch Gemeindevizepräsident war, stellt sich sogar neu als Aktuar der Baukommission zur Verfügung.

Neuer Finanzverwalter

Die letzte Gemeindeversammlung war es auch für Finanzverwalter Ruedi Ziegler. Der Inhaber der Firma GemHelp GmbH in Brunnenthal hatte von 2006 bis 2013 vorerst als Coach für die Kienberger Gemeindefinanzen gewirkt, ab 2013 dann als Angestellter mit einem 20-Prozent-Pensum. In dieser Zeit hatten die Anforderungen oft geändert. «Er hat zu Hause viele Überstunden, nein Überwochen geleistet für uns», lobte ihn Roger Meier. 2766 Stunden lang stand er für Kienberg im Einsatz, hatte Ziegler selbst ausgerechnet. Seit Mai arbeitet er nun seinen Nachfolger ein, Daniel Studer aus Erlinsbach AG, der sich an der Gemeindeversammlung vorstellen konnte.

Beim Rechnungsabschluss 2016 (Zahlen siehe Tabelle) lief Ziegler nochmals zur Hochform auf, um die trockenen Zahlen in seiner bürgernahen Art zu kommentieren. Dabei sparte er nicht mit Seitenhieben gegen die Vorgaben des neuen Rechnungsmodells HRM 2, die keineswegs überall einheitlich gehandhabt würden und kaum alle wirklich zwingend seien. Auch er erhielt ein würdiges Andenken an Kienberg.

Guter Abschluss – «ist auch nötig»

Die Rechnung selbst fiel trotz tieferer Bewertung mehrerer Liegenschaften weit besser als budgetiert, der neue Finanzausgleich wirkte sich positiv aus. Wie die Rechnung wurden auch die Zusammenlegung der Forst- und der Werkkommission und die Anpassungen der Gemeindeordnung sowie der Entschädigungen in der Dienst- und Gehaltsordnung von der Versammlung praktisch einstimmig genehmigt.

«Ich bin froh um das gute Ergebnis», sagte Gemeindepräsident Roger Meier, «denn es besteht ein riesiger Sanierungsbedarf in unserer Gemeinde.» Beim Schulterklopfen wird es für das neue Team um Gemeindepräsidentin Adriana Gubler also nicht lange bleiben. Aber die Botschaft des Regenbogens bleibt: Nach dem Regen folgt Sonne.