Zucht

Eine kleine grosse Schildkrötenwelt in Niedergösgen

Marcel und Lydia Reck widmen ihre Freizeit seit mehr als 30 Jahren der Schildkrötenzucht. Sie besitzen rund 30 solcher Panzertiere und setzen sich aktiv für den Erhalt gefährdeter Arten ein.

«Die Tiere konnte man damals für einen Fünfliber in der Migros in Aarau kaufen.» 1953, also mit sieben Jahren, begann die Leidenschaft von Marcel Reck (72) für Schildkröten. «Ich habe einfach gesagt, dass ich eine haben möchte, und am Abend brachte mir mein Onkel eine mit.» Mittlerweile besitzen er und seine Gattin Lydia Reck (65) rund 30 Exemplare in ihrem Haus in Niedergösgen: Darunter sowohl die grössten (Spornschildkröte) als auch die kleinsten Exemplare (Gesägte Flachschildkröte), die es in Afrika gibt.

Über die Haltung der Tiere war in den 50ern noch wenig bekannt: «Es gab damals nur ein einziges Buch über Schildkröten. Da habe ich versucht, gewisse Dinge, wie die Winterruhe, daraus nachzumachen, aber es hat nicht wirklich funktioniert.»

«Wir sind einfach zwei Spinner»

Heute haben sie das Problem nicht mehr. Ihr Haus ist bestückt mit professionellen Terrarien und UV-Lichtern, um den Lebensraum der Schildkröten, die aus verschiedenen Gebieten in Europa und Afrika stammen, so gut wie möglich nachzuempfinden. Das ist der wahrscheinlich teuerste Aspekt der Schildkrötenhaltung.

Ein Grossteil des Wissens über die Haltung ist selbst erarbeitet: Zum Beispiel untersuchten sie während ihrer Ferien beziehungsweise Forschungsreisen zu den Heimatorten ihrer griechischen und tropischen Landschildkröten die Bodenbeschaffenheit und das dort herrschende Klima. Dies, um den Tieren zu Hause optimale Verhältnisse zu bieten. «Wir sind einfach zwei Spinner, die das gerne machen», fügt Lydia lachend hinzu. Ihr Wissen teilen sie seit dessen Gründung 2003 im Verein «Schildkrötenfreunde Mittelland» und konnten bereits diverse Berichte in Deutschland sowie in den USA veröffentlichen lassen.

Marcel und Lydia Reck waren darüber hinaus die Ersten im Kanton Solothurn, die eine Bewilligung für «Dumbo», ihre mittlerweile 23 Jahre alte und 90 kg schwere Spornschildkröte, eingereicht haben. Leider fehlten bisher aber wissenschaftliche Angaben über die Art. «Man sagt, sie werden etwa 100 Kilogramm schwer und circa 100 Jahre alt.» Daher sei es wichtig, die Herkunft und das Alter der Tiere von Anfang an festzuhalten, besonders bei gefährdeten Projekttieren. Die beiden erhalten aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung mit den Urtieren regelmässig gefährdete Arten in ihre Obhut, um diese weiterzuzüchten. «Der Erhalt und die Weiterzucht dieser Projekttiere, die in der Natur praktisch ausgestorben sind, liegt uns besonders am Herzen.» Diese Fürsorge und Liebe für die gepanzerten Reptilien konnten sie auch ihrem Sohn weitergeben. Gemeinsam brüten Vater und Sohn im Keller seltene tropische Landschildkröten. «Es tut schon weh, sich von Jungtieren zu trennen, aber wir wissen, dass sie an gute Orte kommen», ergänzt Lydia Reck.

Fokus auf Projekttiere legen

Einfach nur Tiere loswerden, das komme nämlich nicht infrage. Denn sie würden schlussendlich wieder in Auffangstationen landen oder schlimmer, in der Natur ausgesetzt werden. Das Problem seien Halter, die sich keine Gedanken über die Haltung und Züchtung der Tiere machen. Das betreffe vor allem die griechischen Landschildkröten, die sich durch fahrlässige Haltung immer weiter vermehren und teils in der Natur freigesetzt werden. «Vielen Haltern ist nicht bewusst, dass man befruchtete Eier einfach aus dem Boden nehmen und wegschmeissen muss.» Falls doch welche schlüpfen sollten, wären Auffangstationen die beste Option. «Wenn man Schildkröten als Haustiere halten möchte, dann sollte man zuerst ein Buch kaufen und sich von einem Züchter beraten lassen», meint Lydia Reck.

Die beiden wollen sich in Zukunft auf ihre Projekttiere konzentrieren und mit der Zucht von europäischen Schildkröten aufhören: «Wir möchten intensiver mit den Projekttieren arbeiten, das ist viel interessanter.» Marcel und Lydia Reck antworten recht gefasst auf die Frage, wie man mit dem Gedanken umgehe, dass die Tiere einen überleben werden: «Damit muss man lernen zu leben. Die Projekttiere müssen ja eh wieder zurück.»

Ihre zwei Riesenschildkröten aus Afrika geben sie und ihre Söhne allerdings so schnell nicht weg.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1