Stüsslingen/Rohr
«Eine geschichtsträchtige Gemeindeversammlung» – doch das Willkommensfest blieb auf der Strecke

Coronavirus machte die erste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr zur nüchternen Angelegenheit. Coronabedingt konnte nach der Versammlung nicht gefeiert werden.

Fabio Baranzini
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Es war die allererste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr.

Es war die allererste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr.

Fabio Baranzini

Samstagmorgen in Stüsslingen. Die Holzstühle in der Mehrzweckhalle sind in sieben Reihen fein säuberlich aufgestellt. Immer unter Einhaltung der korrekten Abstände. Am Eingang werden alle Gäste, die sich vorgängig haben anmelden müssen, von Daniela Frauchiger gewissenhaft auf einer Liste abgestrichen. So sehen es die Coronamassnahmen vor. Doch nicht nur wegen der aktuellen Pandemiesituation war die samstägliche Gemeindeversammlung in Stüsslingen eine besondere. Es war auch die allererste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr, deren Fusion ab dem 1. Januar 2021 offiziell in Kraft tritt.

Zwei «Rohrer» im Übergangsgemeinderat

Es war die allererste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr.

Es war die allererste gemeinsame Gemeindeversammlung von Stüsslingen und Rohr.

Fabio Baranzini

Elf Rohrerinnen und Rohrer haben den Weg in die Mehrzweckhalle Stüsslingen gefunden, um an der Gemeindeversammlung dabei zu sein. Einer davon war auch André Wyss, der letzte Gemeindepräsident in der Geschichte von Rohr. «Es war angenehm, für einmal die Gemeindeversammlung primär als Zuschauer verfolgen zu können, statt den grössten Teil zu organisieren», so Wyss. Er liess es sich aber nicht nehmen, die Rohrerinnen und Rohrer zu verabschieden, die bis zur Fusion ein offizielles Amt innehatten. «Ich bin stolz darauf, dass unsere kleine Gemeinde es immer schaffte, alle Ämter zu besetzen», so Wyss, der dem Gemeinderat von Rohr acht Jahre lang angehörte.

Sämtliche Traktanden einstimmig angenommen

Gemeinsam mit Judith Soland wird André Wyss auch im Übergangsgemeinderat der Gemeinde Stüsslingen vertreten sein. Somit besteht die politische Führung von Stüsslingen bis zum Ende der offiziellen Amtsperiode im Juni aus neun Mitgliedern. Alle bisherigen Gemeinderäte behalten ihre angestammten Ressorts. Judith Soland und André Wyss sind quasi als Beisitzer ohne Ressort dabei. Im April finden die Wahlen statt. Ob es dann im neuen Gemeinderat eine Vertreterin oder einen Vertreter aus Rohr geben wird, ist noch nicht klar. «Es gibt keinen fixen Platz für einen Rohrer oder eine Rohrerin, sondern es wird eine ganz normale Wahl durchgeführt», so Gemeindepräsident Georges Gehriger.

Er hatte am Samstagmorgen die Anwesenden zu «dieser geschichtsträchtigen Gemeindeversammlung» begrüsst. Sämtliche Traktanden wurden dabei einstimmig angenommen. Darunter die Anpassung der Gemeinde-, der Dienst- und Gehaltsordnung sowie die Teilrevision der Statuten der Kreisschule Mittelgösgen, die allesamt wegen der Fusion mit Rohr nötig geworden sind. Ebenso wurde die Kreditabrechnung «Projektierung und Neubau Reservoir Ängi», die Bildung des Friedensrichterkreises Wartenfels und das neue Flurreglement durchgewunken.

«Rechnen mit 100'000 Franken weniger Steuereinnahmen»

Dasselbe gilt fürs Budget. Und das obwohl ein Verlust von 442'870 Franken aufgeführt wird – trotz einem Fusionsbeitrag von 200'000 Franken des Kantons Solothurn. «Wir haben es leider trotz intensiver Sparübungen nicht geschafft, ein ausgeglichenes Budget zu präsentieren», so Finanzverwalter Matthias Deppeler und erläutert die Gründe. «Wir rechnen rund mit 100'000 Franken weniger Steuereinnahmen, zudem steigen die Kosten im Gesundheitswesen und in der Bildung. Dort standen einige Investitionen an, wir müssen Gebäudeabschreibungen vornehmen und die aktuellen Klassengrössen sind nicht ideal, was ebenfalls Mehrkosten verursacht.»

Gedicht statt Willkommensfest

Eigentlich wäre nach dem offiziellen Teil der Gemeindeversammlung ein grosses Fest geplant gewesen, um Rohrerinnen und Rohrer in Stüsslingen offiziell willkommen zu heissen. Doch daraus wurde nichts. Die Anwesenden räumten die Stühle und Bänke weg und wenige Minuten nach dem Ende der Versammlung waren die knapp 30 Stimmberechtigten wieder auf dem Weg nach Hause. «Wir möchten das Fest nachholen. Wann es so weit sein wird, können wir aber noch nicht sagen», sagt Georges Gehriger. Ohne das «Willkommensfest» war das selbst verfasste Gedicht von André Wyss quasi der einzige «offizielle Festakt» dieser historischen Gemeindeversammlung. Darin schrieb Wyss zum Schluss: «Drom esch es jetzt so wiit / als letschte Gmeindspräsident vo Rohr esch es jetzt für meh a de Zyt / öich und üs z’wönsche, dass es so wie planed usecho tuet / Vöu Erfolg, bliibed gsond und möched’s guet.»

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