Läuft alles nach Plan, schliessen sich die Forstreviere Gösgeramt und Werderamt am 1.1.2018 zum Forstbetrieb Niederamt zusammen. Die neun am Verbund beteiligten Bürger- respektive Einheitsgemeinden – Stüsslingen, Rohr, Erlinsbach SO und Obergösgen nördlich der Aare sowie Däniken, Dulliken, Gretzenbach, Starrkirch-Wil und Schönenwerd südlich davon – werden sich dann von der Bürgergemeinde Niedergösgen verabschieden müssen: Sie tritt auf Ende 2017 aus dem Forstrevier Gösgeramt aus. Ein Entscheid, der «wohl nicht allen passen» wird, wie der Niedergösger Bürgergemeindepräsident Patrick Friker zu Recht vermutet.

Der Hintergrund: Bisher waren die meisten Solothurner Waldeigentümer in Forstbetriebsgemeinschaften auf der Basis eines öffentlich-rechtlichen Vertrags organisiert, stellten also einfache Gesellschaften ohne eigene Rechtspersönlichkeit dar. Diese Tatsache kann unter anderem zu Schwierigkeiten beim Erwerb von Eigentum, bei der Anstellung von Mitarbeitern, bei der Genehmigung von Budget und Rechnung oder auch in Haftungsfragen führen. Um dem Problem zu begegnen, beabsichtigen das kantonale Amt für Wald, Jagd und Fischerei sowie das kantonale Amt für Gemeinden, die Forstbetriebsgemeinschaften auf Anfang 2018 in öffentlich-rechtliche Unternehmen zu überführen. Rechneten die Waldeigentümer bis anhin einzeln ab, wird der Betrieb neu über eine gemeinsame Rechnung geführt werden.

Schwierige Zusammenarbeit

Die Einflussnahme der einzelnen Gemeinden gehe damit zurück, sagt Friker. Das Budget etwa werde der Gemeindeversammlung nur noch zur Kenntnisnahme vorgelegt. «Das war für uns das Killerkriterium, wir möchten aktiv Einfluss nehmen.» Verschärfend sei hinzugekommen, dass die Zusammenarbeit mit Gösgeramt-Betriebsleiter Markus Lüdi auf einer persönlichen Ebene «schlecht» sei. «Ich möchte nicht näher darauf eingehen», so Friker.

Vor diesem Hintergrund zog die Bürgergemeinde Niedergösgen Unternehmensberater Thomas Blum zurate, der zudem als Gemeindepräsident von Fulenbach amtiert. Dieser zeigte mögliche Zukunftsvarianten auf: weitere Zugehörigkeit zu einem rechtlich neu organisierten Forstrevier Gösgeramt, Zugehörigkeit zu einem Grossrevier Niederamt oder Alleingang. Niedergösgen wählte Letzteres und vergab den Leistungsauftrag zur Waldbewirtschaftung an die Niedergösger Forstunternehmung Eng & Sohn. Die hoheitlichen Aufgaben bleiben von Gesetzes wegen beim Kanton. Damit befreie sich die Bürgergemeinde von Fixkosten und bezahle lediglich nach Aufwand. Sie werde alles daran setzen, eine schwarze Null zu schreiben, so Friker. Und er möchte festgehalten wissen: «Wir sind nicht gegen ein Grossrevier, sondern haben uns einfach für eine andere Lösung entschieden.»

Austritt gab den Ausschlag

Darüber ist Förster Lüdi nicht unglücklich. Weiter möchte er sich zur Bürgergemeinde Niedergösgen nicht äussern. Tatsächlich gab erst der geplante Austritt Niedergösgens aus dem Forstrevier Gösgeramt den Ausschlag für die Schaffung des Grossreviers Niederamt. «Mit einem Forstrevier von bloss vier Gemeinden kämen wir langfristig wirtschaftlich nicht über die Runden», sagt Gösgeramt-Betriebsleiter Markus Lüdi. Denn die Haupteinnahmen im Forstbereich stammten aus dem Holzverkauf; die Holzpreise aber seien seit dem Eurozerfall am Boden. Genehmigen die beteiligten Gemeinden die Kooperation an den bevorstehenden Budgetgemeindeversammlungen, startet deren Betrieb am 1.1.2018. Ziel sei es, eine schwarze Null oder gar einen kleinen Gewinn zu schreiben, so Lüdi.

Zentrale in Däniken

Die Forstreviere Gösgeramt und Werderamt arbeiten bereits seit drei Jahren überbetrieblich zusammen. Daher wird sich ab 2018  praktisch wenig ändern. Personal und Maschinen werden bereits heute gemeinsam eingesetzt. Mit der neuen juristischen Form wird der gesamte Betrieb neu über eine Rechnung abgewickelt. Ausserdem werden die beiden Revierbüros zusammengelegt. Neuer Sitz wird in Däniken sein, wo bisher das Forstrevier Werderamt einquartiert war.