Martin Debald sagt: «Die Arbeit wird immer mehr.» Der 38-jährige Deutsche wirkt zappelig, als wäre er auf dem Sprung. Der nächste Kunde könnte gerade um die Ecke biegen, und dann muss er bereit sein. Meistens sind es Schweizer, die zu ihm finden, aber manchmal sind es auch Durchreisende aus der ganzen Welt. In letzer Zeit machten vermehrt Schweden und Norweger Halt bei ihm.

Dass Debalds Geschäft läuft, ist kein Wunder. Der gelernte Elektrotechniker hat sich auf Wohnmobiltechnik spezialisiert. «Das ist die Zukunft», sagt er. Und die Zukunft lassen sich seine Kunden etwas kosten. Debald steht am Computer in seiner Werkstatt in Gretzenbach. Das Büro ein Stockwerk höher ist erst rudimentär eingerichtet. Zwar zog er schon Anfang November vergangenen Jahres in eine der 32 Workboxes an der Güterstrasse, sie misst insgesamt 125 Quadratmeter. Aber eben, neben der Arbeit hatte er kaum Zeit für irgendwas.

Smarte Technologie

Es ist das erste Mal, dass er eine Werkstatt hat, erzählt Debald. Vorher war er ausschliesslich mit dem Auto unterwegs, er fuhr direkt zu seinen Kunden. Im Winter stehen viele von ihnen fix auf einem Campingplatz in den Bergen, nicht selten eingeschneit. Die können nicht weg, wenn am Wohnwagen etwas kaputt geht. Dann fährt er zu ihnen hoch, auch heute noch rund dreimal die Woche, nach Interlaken oder Engelberg oder sonstwo. Und behebt den Schaden. Er sei einer von nur drei Anbietern in der Deutschschweiz. Regelmässig vermitteln ihn die Caravan-Marken und -Händler an die Kunden.

Standardreparaturen sind sein Basisgeschäft. Lukrativer ist eben das Geschäft mit der Zukunft. «Smart-Technologie» heisst das Zauberwort. Analog zum «Smart Home» ist auch der «Smart Caravan» am Kommen. Via App und Internet-Vernetzung wird die gesamte Technik gesteuert. Dank smarter Technologie muss er oft nicht mal mehr aus seiner Werkstatt raus, wenn ihn die Kunden anrufen.

Wenn oben am Berg das Gas oder der Strom ausgeht, loggt er sich am Computer mit Handynummer und Pin des Besitzers ins System ein, sucht den Fehler und veranlasst entsprechende Massnahmen. «Solche Vernetzungsgeschichten kommen immer mehr», sagt Debald. Seit etwa fünf Jahren werde Smart-Technologie bereits ab Werk in die Fahrzeuge eingebaut. Die Kunden können damit ihr Fahrzeug am Smartphone selbst überwachen. Wo ältere Modelle nachgerüstet werden sollen, übernimmt Debald.

Seine Kunden: «Überwiegend Leute, die Geld haben.» Für das Einrichten der Vernetzung zahlen sie zehntausend Franken aufwärts. Je nachdem, was gewünscht wird: ein Fernseher, ein zweiter Fernseher, oder gar Streaming aufs Tablet für die ganze Familie? Eine Aussenkamera, sodass man auch im Tal unten weiss, ob das Wetter in der Höhe zum Skifahren taugt?

Auf weitere Boxen expandieren

Debalds Werkstatt wirkt kahl. Er habe die gängigsten Ersatzteile da, sagt er. Ausser zwei Werkzeugkoffern brauche er sonst nichts. Er repariert ausschliesslich Technik, bei Motor- oder Unfallschäden verweist er an den Automechaniker in der Box nebenan. Dass er seinen Arbeitsort in eine Workbox verlegt hat, «hat sich auf jeden Fall gelohnt», findet er. 1450 Franken kostet sie ihn, Nebenkosten samt vier Parkplätzen inklusive. Er muss nun nicht mehr so viel draussen arbeiten. Und der Standort sei sehr zentral gelegen, nahe der Autobahn. Die Kunden kommen von Bern, Basel, Zürich zu ihm. «Wenn das Geschäft gut läuft, miete ich vielleicht noch drei Boxen dazu», meint er. Mitte Jahr wird ein als Teilhaber zu seinem Unternehmen stossen.

«Ich campe, seit ich 18 war», sagt Debald. Für 3000 D-Mark kaufte er damals einen alten Wohnwagen und fuhr an ein Musikfestival. Mit seiner Frau und seiner fünfjährigen Tochter geht er immer noch leidenschaftlich gerne im Wohnwagen auf Tour. Sein eigener Camper ist aber noch nicht «smart». «Eigentlich wollte ich ihn als Vorführwagen nutzen. Aber ich komme einfach nicht dazu, die Technik einzubauen.»