Hauenstein
Ein Zugtunnel hat sein zugfreies Wochenende

Kein einziger Zug passiert dieses Wochenende den Hauenstein-Basistunnel zwischen Trimbach und Tecknau. Seit Samstag 1 Uhr bis Montag 4.45 Uhr arbeiten Bauteams rund um die Uhr daran, die Weichen tief im Tunnelinnern zu ersetzen.

Christian von Arx
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Zugarbeiten im Hauenstein-Basistunnel
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René Zeier (l.), Leiter Intervalle Region Mitte, und Michael Trautmann, Projektleiter Oberbauerneuerung.
Der Schienenkran bringt die 53 Meter langen und 24 Tonnen schweren Weichen am Stück vor Ort …
… eingepasst wird von Hand.

Zugarbeiten im Hauenstein-Basistunnel

BRUNO KISSLING

Wo sonst täglich Hunderte Züge mit bis zu 140 km/h durchdonnern, herrscht dieses Wochenende absolute Ruhe in Sachen Bahnverkehr. Dafür wird im Hauenstein-Basistunnel gearbeitet wie sonst nie: In sieben Schichten zu je gut 30 Mann ersetzen Bauteams vier Weichen, die nach 36 bzw. 37 Jahren im Tunnel das Ende ihrer Lebenszeit erreicht haben. Das gleiche Programm haben sie dann am 7./8. Februar vor sich.

Nur mit einem dieselbetriebenen Personentransport gelangen wir am Samstagmorgen in den Tunnel hinein. Nach der Tunnelmitte steht der Wagen still. Nun gehts zu Fuss weiter, ein paar hundert Meter weit zwischen Tunnelwand und Materialwagen, auf den Kabelschächten am Rand. Dunkel ists, still und trocken, mit dem stickigen Tunnelgeruch, der mir bald Kopfweh verursacht. So wäre das also, wenn man sich zu Fuss aus dem Tunnel heraus retten müsste; Hundertmal hat man sich das im fahrenden Zug schon ausgemalt.

5400 Meter vom Tunneleingang in Trimbach entfernt, in der Nordhälfte des 8134 Meter langen Juradurchstichs zwischen Olten und Sissach, treffen wir auf die Baustelle. Ruhig und konzentriert sind die Spezialisten von SBB und privaten Firmen am Werk; Mensch und Maschine arbeiten einander zu. Mit der Trennscheibe werden Schienen funkenstiebend durchtrennt, der Schienenkran bringt die 53 Meter langen und 24 Tonnen schweren Weichen am Stück vor Ort. Hergestellt wurden sie im Bahntechnikcenter Hägendorf.

«Hier sind wir am Schärme!», lacht SBB-Polier Beat Widmer (54) aus Aarburg auf die Frage, was anders ist bei der Arbeit im Tunnel. «Der Platz ist eng. Dafür haben wir den Vorteil, dass kein Zug durchfährt.» Er selbst arbeite gern hier, andere hätten Probleme: «Der Gestank, der Dreck.» Wichtig sei die zusätzliche Turbine im Lüftungsschacht in Zeglingen: Sie sorgt für den Abzug von Abgas und Staub. Und wo ist die Kantine fürs Essen? Widmer lacht: «Im Rucksack!»

5,3 Mio. Franken kostet die ganze Übung «Weichenerneuerung». Die Auswirkungen auf den Fahrplan reichen bis nach Deutschland und Italien. Schon 2012 begann die Planung für den Ersatzfahrplan, 100 Planer waren beteiligt. Nur die Schnellzüge Bern–Basel können die Einspurstrecke via Läufelfingen benützen; alle andern werden grossräumig umgeleitet oder fallen aus. Am Montagmorgen ab 5 Uhr gilt wieder der Normalfahrplan. Nochmals das gleiche am 7./8. Februar, dann ist der Spuk vorbei. Dank den Heinzelmännern tief im Berg.