Haustechnik
Ein Wirtschaftswunder in Gefahr: Schliesst Meier Tobler das Logistik-Zentrum im Niederamt?

Nach der Fusion von Tobler und Walter Meier will das Haustechnik-Unternehmen seine Logistik zentralisieren – vieles spricht dabei gegen den Standort Däniken.

Christoph Zehnder
Merken
Drucken
Teilen

Bruno Kissling

Gross war die Freude, als die Tobler Haustechnik AG 2010 im ehemaligen Paketpostzentrum in Däniken ihr neues Zentrallager eröffnete. Die Ansiedlung war hauptsächlich dem Verhandlungsgeschick des damaligen Gemeindepräsidenten Gery Meier zu verdanken und ein Durchbruch für die lokale Standort- und Wirtschaftsförderung.

140 Arbeitsplätze wurden in dem riesigen Gebäude geschaffen. Angesichts der damaligen Umstände kam dieser Erfolg einem kleinen Wirtschaftswunder gleich. Die Welt nagte an der Finanzkrise, Schweizer Firmen litten unter dem starken Franken, viele Betriebe mussten vorübergehend Kurzarbeit einführen.

 Januar 2010: Einweihung des neuen Tobler-Zentrallagers in Däniken mit CEO Heinz Wiedmer, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, Gemeindepräsident Gery Meier und der stellvertretende CEO Edgar Ballmer (v.l.).  

Januar 2010: Einweihung des neuen Tobler-Zentrallagers in Däniken mit CEO Heinz Wiedmer, Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler, Gemeindepräsident Gery Meier und der stellvertretende CEO Edgar Ballmer (v.l.).  

Bruno Kissling

Heute boomt die Wirtschaft wieder, aber der Haustechnikmarkt ist hart umkämpft. Tobler hat sich deshalb im vergangenen Jahr mit Konkurrent Walter-Meier zusammengetan. Seit Januar tritt das neue Unternehmen mit dem Anspruch auf führende Marktstellung unter dem Namen Meier Tobler auf. Es betreibt schweizweit 6 Regionalcenter und 47 sogenannte Marchées für Installateure.

Neben Däniken existiert ein weiteres Logistikcenter im luzernischen Nebikon. Vor kurzem wurde bekannt, dass auch der Hauptsitz von Schwerzenbach ZH nach Nebikon verlagert werden soll. Am kommenden Dienstag werden die Aktionäre an der Generalversammlung darüber abstimmen.

Logistik-Standorte zu klein

Meier Tobler beabsichtigt zudem, die Logistik künftig an einem gemeinsamen Standort zu zentralisieren. «Logistik ist heute ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Unsere Kunden erwarten zum Beispiel alle Waren in einer Lieferung zu einem Lieferzeitpunkt auf der Baustelle. Um dies effizient umsetzen zu können, ist die Konzentration an einem Ort unumgänglich», begründet Walter-Meier-Sprecher Martin Schäppi diesen Entscheid. Auch interne Abläufe sowie ökologische und ökonomische Vorteile sprächen für eine Zentralisierung.

Wann und wo diese umgesetzt wird, steht noch nicht fest. Sowohl in Däniken wie auch in Nebikon werde ein Ausbau geprüft, heisst es. Die beiden Standorte seien heute zu klein, um die Dienstleistungen des jeweils anderen zu übernehmen, so Schäppi. «An beiden Standorten wäre darum ein Ausbau nötig. Beide haben ihre Vor- und Nachteile.»

Schlechte Karten für Däniken

Falls ein Logistikzentrum an einem der beiden Standorte realisiert wird, besitzt Däniken wohl die schlechteren Karten. In Nebikon wurde in den vergangenen Jahren kräftig investiert. Ein modernes Dienstleistungscenter wurde von Grund auf neu gebaut und mit hochautomatisierter Lagerlogistik ausgerüstet. Es verfügt zudem über Büro- und Schulungsräume sowie eine leistungsstarke Photovoltaikanlage.

Das Unternehmen plant ausserdem, Einkauf und Ersatzteilversorgung hier zu zentralisieren, wie die «Luzerner Zeitung» letztes Jahr berichtete. Diverse Lagerstandorte seien bereits in die Zentralschweiz verlagert worden, so auch jener in Kestenholz.

In Däniken wurde hauptsächlich vor der Inbetriebnahme im Jahr 2010 investiert, vor allem in die Bausubstanz des früheren Verteilzentrums mit einer Grundfläche von rund 20'000 Quadratmetern.

22 Millionen Franken kosteten Instandsetzung und Umbau laut Aussage des damaligen stellvertretenden Tobler-CEO Edgar Ballmer. Beim Standort Däniken handelt es sich laut Martin Schäppi um ein manuelles Lager. «Die beiden Lager sind unterschiedliche Konzepte und können nicht verglichen werden.»

Stellen sollen erhalten bleiben

Das Dienstleistungszentrum in Nebikon zählt derzeit rund 50 Mitarbeiter. In Däniken sind es zirka 100 Festangestellte und bis zu 20 Temporäre. «Sollte der Entscheid für den Ausbau Nebikon und die Schliessung des Standortes Däniken fallen, würden alle Mitarbeitenden ein Angebot für die Weiterarbeit in Nebikon/Egolzwil erhalten», sagt der Unternehmenssprecher und verspricht sozial-verträgliche Lösungen für jene, die nicht an den neuen Standort wechseln können oder wollen. «Selbstverständlich gilt diese Aussage auch im umgekehrten Fall.»

Insgesamt zählt Meier Tobler 1400 Mitarbeiter. Im Vorfeld der Fusion war von einem Stellenabbau von 100 bis 120 Stellen die Rede. Dieser soll laut Schäppi mehrheitlich über natürliche Fluktuationen erfolgen, was zum Teil schon geschehen sei.

Solange kein Standortentscheid gefällt sei, könne keine Aussage zur Anzahl der in der Logistik beschäftigten Angestellten gemacht werden. «Wichtig ist für uns, dass wir langfristig 1400 Arbeitsplätze im hart umkämpften Markt im Werkplatz Schweiz erhalten können.»