Lostorf

Ein Tag im Leben eines Jägers: Auf Revierjagd im Niederamt

Der Jagdverein Buer war am vergangenen Samstag im Lostorfer Wald unterwegs. Eine Redaktorin dieser Zeitung begleitete die Gruppe während der Jagd, der Zeremonie zu Ehren der erlegten Tiere und beim abschliessenden Zusammensein ums Lagerfeuer.

Ein langer Hornstoss schallt durch den Wald. Es ist ein Klang, der über weite Distanzen zu hören ist und allen Waldgängern bewusst macht: Die Jäger sind unterwegs. So auch am vergangenen Samstag im Wald zwischen Lostorf, Obergösgen und Niedergösgen. Hier ist der Jagdverein Buer zuständig.

Am frühen Samstagmorgen besammeln sich 23 Personen im Lostorfer Wald. Nicht alle davon sind Jäger vom Jagdverein Buer: Auch Jäger aus anderen Vereinen, Treiber und Gäste, die zum ersten Mal auf einer Jagd sind, sind dabei. Der Witterung angepasste Kleider sollten angezogen werden, auch reissfest sollte das Material sein. Vor dem Start werden die Gäste, zu denen auch die Redaktorin dieser Zeitung gehört, mit Leuchtwesten und Hörnern ausgerüstet. Dann erklärt Jagdleiter Stephan Glättli, welche Tiere geschossen werden dürfen und in welchen Waldstücken die Durchgänge — die Triebe — gemacht werden. Es werden deren drei durchgeführt. Geschossen werden dürfen Wildschweine, Rehe, Dachse, Füchse und Marder.

Harziger Einstieg

Den Beginn der Jagd markieren die drei Jagdhornbläser: Sie spielen eine Melodie, die Jagdhunde stimmen mit ein. Dann machen sich die Jäger auf den Weg und stellen sich an ihre Stände: Sie positionieren sich im und ums Waldstück, indem der erste Trieb durchgeführt wird. Die Treiber, zu denen auch die Redaktorin am Morgen gehört, stellen sich am Anfang des Waldabschnitts in Sichtweite nebeneinander auf. «So durchforsten wir den Wald. Bleibt immer in Sichtkontakt und gebt die Hornstösse weiter. Damit überprüfen wir, wo die anderen Treiber sind», erklärt Treiberchef Stephan Sieber. Dann wartet die Gruppe auf den einen, langen Hornstoss der Jäger, der das Startzeichen gibt.

Der Himmel ist mit Wolken verhangen, die Temperaturen sind für einen Samstagmorgen im November angenehm. Der Hornstoss ertönt und die Treiberkette marschiert los. Das Ziel der Treiber ist es, Wildtiere aufzustöbern und in die Richtung der Jäger zu treiben. Der Einstieg gestaltet sich harzig: Das Waldstück ist stark verwachsen, Brombeersträuche wechseln sich mit Stechpalmen ab. Ein Holzstock erweist sich als wahre Hilfe. Spätestens als die Gruppe das erste Mal im Dickicht hängen bleibt, versteht man, wieso man reissfeste Kleidung tragen sollte.

So kämpfen sich die zehn Treiber voran. Ihre «Heya»-Rufe sind gut zu hören. Die Stöberhunde, ausgerüstet mit einem Glöckchen um den Hals, verfolgen Fährte um Fährte. Aus der kurzen Stille ertönt ein Schuss, kurz darauf drei kurze Hornstösse: Ein Reh wurde erlegt.
Jeder Trieb wird mit einer Kombination von drei langen und drei kurzen Hornstössen beendet. Anschliessend trifft man sich zum Rapport. «Kein Anblick», sagt ein Jäger. «Ein Reh, ungefähr 60 Gänge vor mir», erklärt ein anderer. Gänge sind Schritte, 60 Gänge entsprechen zirka 50 Meter. «Ich sah einen Rehbock und konnte ihn erlegen», berichtet Jagdleiter Stephan Glättli. «Weidmannsheil» ertönt es aus dem Plenum. «Weidmannsdank» gibt Glättli zurück. So wird allen Schützen gratuliert — von jedem Jäger und Treiber.

Der zweite Trieb läuft für die Treiber einfacher ab. Das Gelände ist meist flach, der Abschnitt nicht so stark verwachsen wie der erste. Zwischenzeitlich schimmerte die Sonne kurz zwischen den Baumkronen durch. Es fallen mehrere Schüsse. Nebst Rehen werden auch zwei Füchse geschossen.

Zeremonie zu Ehren der Tiere

Am Nachmittag geht es mit Jäger Kurt Altermatt weiter. Er ist Präsident vom Revierjagd Solothurn, dem kantonalen Jagdverband, und heute als Gast mit dem Niederämter Verein unterwegs. Er erklärt Munition und Schussdistanzen. Nach einer Weile sind die Rufe der Treiber und die Hunde zu hören. Wieder wird ein Reh erlegt und die Treiberkette zieht vorbei. Ein Tier ist aber nicht zu sehen.

Die geschossenen Rehe werden nach jedem Trieb ausgeweidet. Dies muss innerhalb von 20 bis 30 Minuten nach dem Abschuss geschehen. Anschliessend werden sie in die Metzgerei gebracht. Nach den drei Trieben besammeln sich Jäger und Treiber wieder: Zu Ehren der erlegten Tiere — an diesem Tag sind es sieben Rehe und zwei Füchse — wird eine Zeremonie abgehalten. «Strecke verblasen» wird sie genannt.

Für jede Tierart stimmen die Jagdhornbläser eine Melodie an. So wird auch das Ende der Jagd melodiös begangen. Für die Jäger ist der Tag jedoch noch nicht zu Ende. «Der Versuch, Beute zu erlegen, steht für mich nicht im Vordergrund. Die Jagd ist für mich eine Möglichkeit zur Erholung: Man ist in der Natur und kann sie beobachten. Auch die Kameradschaft ist ein wichtiger Aspekt», hat Stephan Glättli einige Tage zuvor erläutert. So sitzen die Jäger zusammen am Ende des Jagdtages ums Feuer, essen, trinken und philosophieren über Gott, die Welt und die Jagd.

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