Feelgood-Festival

Ein Süperimmigrant, ein Heimspiel und ein bisschen Nostalgie auf dem Mösli

Das Feelgood-Festival war auch dieses Jahr ein voller Erfolg. Neben Müslum, James Gruntz und der Zürcher Band Baba Shrimps konnte auch eine Formation aus der Region aufspielen.

Das Feelgood-Festival startete am Freitag mit Schweizer Pünktlichkeit. Genau um vier Uhr nachmittags eröffnete die Niederämter Rockband «Call Me Peter» mit ihrem Erkennungs-Stück «Live Loud» das Open Air hoch über Niedergösgen. Die Formation «Call Me Peter» besteht aus David Urben (Gitarre, Gesang), Andy Scuderi (Gitarre), Remo van Berg (Bass) und Ben Renold (Schlagzeug). Sie stammen, ausgenommen vom Zofinger Bassisten, alle aus dem Niederamt, und ihr Probelokal haben sie in der ehemaligen Bally-Fabrik in Schönenwerd.

Ihr Auftritt segelte unter der Piratenflagge, einem Totenkopf und zwei gekreuzten E-Gitarren auf schwarzem Grund, und einige Stücke entsprachen durchaus ihrem Band-Motto «Live Loud». Doch sie hatten auch leisere Songs im Repertoire, etwa wenn Leadsänger Urben sich nur von Andy Scuderi an der akustischen Gitarre begleiten liess.

«Daheim zu spielen, ist ein tolles Gefühl», gestand Frontmann David Urben, «vor einem Publikum, bei dem man alle Leute kennt.» Das war wohl übertrieben, aber sie hatten tatsächlich die undankbare Aufgabe, das Festival zu eröffnen, bevor die meisten Feierabend haben. Doch ihre rockigen, selbst geschriebenen Stücke, untermalt mit melodiösen Soli, machen Lust auf mehr.

Die Zürcher «Baba Shrimps» waren als vierköpfige Popgruppe angekündigt. Für die Tournee 2015 hatte sich die Band, deren Sound von Luca Burkhalters Synthesizer charakterisiert wird, mit einem fünften Musiker, dem Gitarristen Martin Deplazes, verstärkt. Ihre einstündige Show, bei der sie die bei über 100 Auftritten erworbenen Stärken ausspielten, schlossen sie mit dem Liebeslied «(I was lookin’ for) Troubles», die Single-Auskoppelung aus ihrem neuen Album «Neon».

Feelgood-Moderator Migu Hüsler konnte darauf ein weiteres Highlight ansagen. Der Singer-Songwriter James Gruntz, Gewinner des Basler Pop-Preises 2014, reiste mit einer vier Mann starken Begleitgruppe an. In seinem Konzert wechselte er zwischen eingängigen Melodien und souligen, an Steve Wonder anklingenden Arrangements.

«Fiddler's» Green am Feelgood 2015

«Fiddler's» Green am Feelgood 2015

Das Gedränge vor der Bühne wurde eindeutig grösser, als sich der Höhepunkt des Abends ankündigte. Müslüm, der Süperimmigrant, hatte ein achtköpfiges Ensemble in türkischen Trachten aufs Mösli mitgebracht. Neben Gitarristen, Keyboarder und Backing Voices liess er sich von einem Perkussionisten sowie einem Mann an der Saz (türkische Laute) begleiten und verwebte so orientalische Klänge in seinen Immigranten-Pop. Mit dem Auftritt des Sängers und Entertainers stieg eindeutig der Spassfaktor.

Der Secondo Müslüm machte sich mit gesundem Selbstbewusstsein lustig über die Klischees seiner türkischen Landsleute. Nicht nur über die Sprache, wie in seinem Eingangssong «alles ischt einmal, dann ischt es vorbei», sondern auch handfest: «Ich bin Ausländer, ich bin kriminell». Das Publikum ging begeistert mit, und viele Fans sangen seine Lieder auswendig mit, ob die politisch weniger korrekten oder die Songs voller Lebensfreude: «La bambele (lass’ es baumeln)».

Für die Zugabe zum Schluss des anderthalbstündigen Konzerts wechselte Müslüm das Kleid. Er trat mit roter Weihnachtsmannmütze auf die Bühne. Er sang zum Vergnügen des Publikums sein «ich bin der Samichlaus und schaffe alle schwarzen Schäfli aus» und hatte die Lacher auf seiner Seite.

Bereits am Schlagzeug mit unzähligen Trommeln und Becken, das in der Umbaupause auf die Bühne geschoben kam, konnte man Grosses ahnen. Als Schlusspunkt waren die «Dire Straits Experience» aus Grossbritannien eingeflogen worden. Angefangen von «Money For Nothing» und «Walk of Life» spielten die sechs Musiker die Hits der «Dire Straits» mit perfektem Sound. Wer es verpasst hatte, die seit 1995 inaktive Gitarrenband um Mark Knopfler live zu sehen, kam hier voll auf die Rechnung.

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