Es hätte ein richtiges Schweizer Tennisfest werden können in Trimbach. Gleich drei Schweizer konnten sich nämlich für die Viertelfinals des mit 25 000 Dollar dotierten ITF-Future-Turnieres qualifizieren. Und das obwohl nur einer – nämlich Henri Laaksonen (ATP 176) – als Turniernummer eins zu den Gesetzten zählte. Yann Marti (ATP 342) und Adrien Bossel (ATP 343) spielten sich als ungesetzte Akteure in die heisse Phase des Turniers.

Die beiden Finalisten Medvedev und Bossel (r.) bei der Siegerehrung

Die beiden Finalisten Medvedev und Bossel (r.) bei der Siegerehrung

Doch am Ende konnte dennoch kein Schweizer jubeln und die Siegertrophäe entgegennehmen, denn der Russe Daniil Medvedev (ATP 311) entwickelte sich zum veritablen Partycrasher und eliminierte der Reihe nach Laaksonen, Marti und Bossel. Es erstaunt daher nicht, dass der 20-jährige Aufschlagsriese bei der Siegerehrung lachend sagte: «Es war ein grossartiges Turnier für mich, schliesslich konnte ich gewinnen. Vielen Dank für die tolle Organisation.»

Verhängnisvoller Auftakt

Ein gutes Turnier zeigte auch Adrien Bossel. Der 29-jährige Davis-Cup-Spieler überzeugte in den ersten Runden mit seiner offensiven Spielweise und behielt in vielen engen Situationen – er gewann in Trimbach fünf von sechs Tiebreaks – einen kühlen Kopf. In seinem ersten Final bei einem Turnier dieser Preisgeldkategorie stand der Linkshänder jedoch auf verlorenem Posten.

Linkshänder Bossel mit einer krachenden Vorhand.

Linkshänder Bossel mit einer krachenden Vorhand.

Phasenweise schien es, als wisse er gar nicht, wie ihm geschieht. Daniil Medvedev schaffte nämlich gleich im ersten Aufschlagsspiel von Bossel ein Break: Ein toller Return, ein grossartiger Passierschlag und ein glücklicher Netzroller gelangen der ehemaligen Nummer 13 der Juniorenweltrangliste in den ersten fünf Punkten der Partie.

Diesem Break-Rückstand lief Bossel in der Folge vergeblich nach. Bei Aufschlag von Medvedev fand er überhaupt kein Rezept, kam kaum je in einen Ballwechsel hinein und bekundete auch bei seinem Service weiterhin grosse Mühe. Nur gerade ein einziges Mal konnte er seinen Aufschlag halten und musste bereits nach 21 Minuten den ersten Satz mit 6:1 seinem Kontrahenten überlassen. «Nachdem ich das erste Game etwas unglücklich verloren hatte, ging es unglaublich schnell. Ich konnte kaum etwas dagegen tun», so Bossel.

Ausgerechnet im Final

Zu Beginn des zweiten Durchganges gestaltete sich das Spielgeschehen dann etwas ausgeglichener. Bossel hielt seinen Aufschlag zwei Mal, doch beim Stand von 2:3 war es erneut der äusserst aggressiv aufspielende Russe, der das Break realisieren konnte. Das war die Entscheidung.

Nur zwei Sätze benötigte der Russe, ehe er die Siegerfaust ballen konnte.

Nur zwei Sätze benötigte der Russe, ehe er die Siegerfaust ballen konnte.

Bossel, der im zweiten Satz nie in die Nähe eines Breakballs kam, liess das russische Aufschlaggewitter während den letzten Punkten des Matches über sich ergehen, ohne wirklich dagegen halten zu können. 1:6, 3:6 lautete das deutliche Verdikt nach nur gerade 46 Minuten Spielzeit.

Ein Endspiel, dass sich weder Bossel noch die gut 100 Zuschauer in der Tennishalle Trimbach so vorgestellt hatten. «Solche Matches, in denen du schlicht nichts ausrichten kannst, gibt es vielleicht zwei Mal im Jahr. Umso bitterer, dass es genau in einem Final passierte», resümierte ein enttäuschter Adrien Bossel direkt nach dem Finalspiel.

Vor allem die 12 verpassten ATP-Punkte, die er sich als Turniersieger zusätzlich hätte auf sein Konto gutschreiben lassen können, ärgern ihn. «Mit etwas Abstand werde ich mich aber dennoch über die Finalqualifikation freuen können», so Bossel.

Medvedev schlägt die Rückhand beidhändig.

Medvedev schlägt die Rückhand beidhändig.

Bereits am Finaltag konnten sich die Organisatoren rund um OK-Präsident Marc Thommen und Turnierleiter Peter Kühni freuen. Sie haben auch die dritte Ausgabe des ITF-Future-Turniers in Trimbach souverän über die Bühne gebracht und konnten den Zuschauer in den letzten Tagen Tennis auf enorm hohem Niveau präsentieren.