Sammler
Ein Niedergösger, der Kasse macht

Werner Hoser sammelt seit 35 Jahren Sparkässeli – in seinem Keller lagern über 3000 Stück.

Isabel Hempen
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Kässelisammler Werner Hoser aus Niedergösgen.

Kässelisammler Werner Hoser aus Niedergösgen.

BRUNO_KISSLING;Bruno Kissling;

Doris Hoser ist eine tolerante Ehefrau. Zur Sammelleidenschaft ihres Mannes befragt, meint sie dennoch lachend: «Langsam sehe ich den Sinn darin nicht mehr so ganz. Meiner Meinung nach wäre jetzt genug.»

Denn der Platz im Keller des gemeinsamen Hauses in Niedergösgen wird langsam knapp. Dort hortet Werner Hoser seine Schätze: Kässeli. Über 3000 sind in den vergangenen 35 Jahren zusammengekommen. So lange sammelt der 60-Jährige die Sparbüchsen in den unterschiedlichsten Ausführungen schon.

Viermal die Nummer 1

Die Sammelwut oder «Sucht», wie Werner Hoser sie realistischerweise auch nennt, nahm ihren Anfang, als er eine Kässelifabrik in der Ostschweiz besichtigte. Der Mann, der heute seit vierzig Jahren für die Aargauische Kantonalbank tätig ist, dachte bei sich: «Das wäre was zum Sammeln.» Der Fabrikleiter meinte zu ihm, er könne sich jene Stücke mitnehmen, die ihm gefielen. Mit 75 Blechkässeli war der Grundstein für seine Sammlung gelegt.

Diese Blechkässeli, die ihm zufolge etwa zwischen 1900 und 1970 jede Bank in der Schweiz ihren Kunden schenkte, bilden denn auch den Hauptteil seiner Kollektion. Zwischen 600 und 700 Exemplare hat er davon. 15 Jahre lang sammelte er einzig sie. Sie tragen den Namen der Bank, des Ortes, teilweise ein Ortswappen und eine Nummer. «Für jeden Sammler ist es das Höchste der Gefühle, wenn er ein Kässeli mit einer tiefen Nummer oder sogar die Nummer 1 besitzt», erklärt Hoser. Und zeigt stolz vier Exemplare mit der Startnummer 1 her. Von der Raiffeisenbank seines Wohnorts Niedergösgen habe er letztes Jahr die Nummer 10 erhalten, erzählt Hoser.

Und strahlt. Irgendwann wurde aus der Sammlung dann ein regelrechtes Sammelsurium: Weil nicht jeder, dem er seine Blechkässeli vorführte, so viel damit anfangen konnte, weitete Hoser sein Sortiment aus. Auf, man könnte sagen, alles, was in seiner Funktion irgendwie einer Sparbüchse nahekommt. Das sind einerseits Kässeli aus Holz und aus buntem Plastik, etwa in Tiergestalt.

Dafür können sich auch die Kleinen begeistern. Eine wahre Rarität sind die «Nickkässeli», die in politisch unkorrekteren Zeiten als Negerkässeli bekannt waren: Eine Büchse, darauf kniend oder sitzend die stereotype Figur eines Afrikaners, mit Begleittext wie: «Willst du den Heiden Hilfe schicken, so lass mich Aermsten freundlich nicken.» Denn: Wirft man Geld in den Münzschlitz, bewegt die Figur den Kopf. Diese Sammelbüchsen kamen noch bis in die 80er-Jahre etwa in der Sonntagsschule oder in der Kirche zum Einsatz – «für einen guten Zweck».

Die Sammlung macht auch vor Parkuhren, Spielautomaten und Kitsch nicht Halt. Klassische Sparschweine lässt Hoser inzwischen links liegen, die sind ihm zu wenig originell. Dann ist ihm ein mechanisches Kässeli aus dem Jahr 1870 aus den USA schon lieber. Oder durchaus auch eines aus neueren Zeiten, Hauptsache gebraucht und irgendwie exotisch. Er findet sie etwa auf Flohmärkten oder auch auf Auktionsportalen im Internet.

Rund 50 Kässeli erstehe er im Jahr, erzählt Hoser. Wobei er nur etwa eine Stunde in der Woche für die Suche danach investiere. Und auch finanziell hält sich sein Hobby in vernünftigen Grenzen: Die ganze Sammlung habe bis zum heutigen Tag mit etwa 5000 Franken zu Buche geschlagen. Sein teuerstes Stück: ein Kässeli der Genfer Kantonalbank für 200 Franken. Wieso Hoser Kässeli sammelt? «Mich interessiert die Geschichte dahinter.» Und gerade das grassierende Bankensterben löse ihn ihm den Reflex aus: «Es soll was bleiben.»

Solange keine Kässeli in der Küche rumstehen und sie sie nicht abstauben muss, kann auch Doris Hoser mit dem Sammelfieber ihres Mannes leben. Sagt dieser doch, dass er sich diesem Steckenpferd bis ans Lebensende widmen möchte. Er hofft, dass er seine Kässeli einmal ausstellen kann. Etwa bei einer Bank in der Region.

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