Trimbach
«Ein neues Hobby suchen» – das Aus für die Schrebergärten ist für die Gärtner ein Schock

Die Gartenanlage in der Rankwog in Trimbach wird ersatzlos aufgelöst. Für die Gärtner ist das ein Schock.

Silvana Schreier
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Anello Gullone aus Olten bewirtschaftete seinen Garten zwölf Jahre lang: «Jetzt muss ich mir ein neues Hobby suchen.»
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Der Trimbacher Hansruedi Sinner hat seinen Garten schon im Frühling abgegeben.
Schrebergärten in Trimbach
 Die Schrebergärten in der Rankwog in Trimbach dürfen seit diesem Jahr wegen Altlasten im Boden nicht mehr benutzt werden.

Anello Gullone aus Olten bewirtschaftete seinen Garten zwölf Jahre lang: «Jetzt muss ich mir ein neues Hobby suchen.»

Silvana Schreier

Vor der Schrebergartenanlage im Trimbacher Quartier Rankwog wurden Steinplatten aufgetürmt. Daneben stehen alte Holzlatten, vermutlich von abgerissenen Gartenhäuschen. Die Anlage mit insgesamt 30 Gärten sieht verwildert aus. Wo zuvor Blumen aus der Erde ragten oder Salatköpfe geerntet wurden, trifft man heute Unkraut und hohes Gras an.

«Das ist einfach traurig», sagt Anello Gullone. Der Oltner bewirtschaftet seit zwölf Jahre einen kleinen Schrebergarten in der Rankwog. Mit dem Auto fuhr der selbstständige Handwerker jeden Tag zur Anlage – sei es in der Mittagspause oder nach dem Feierabend. «Ein bis zwei Stunden verbrachte ich täglich hier. Das war mein Hobby», sagt Gullone.

Denn die Schrebergartenanlage in der Rankwog wird aufgelöst. Schuld daran ist die Erde, auf und in der die Hobbygärtner ihr Gemüse anpflanzen. Denn zwischen 1912 und 1952 stand auf dem Areal eine Mülldeponie. «2016 beauftragten wir die SBB als Grundeigentümer, Bodenproben zu nehmen», erklärt Stephan Margreth vom kantonalen Amt für Umwelt, das für den Bodenschutz verantwortlich ist.

Die Untersuchung zeigte: Gräbt man in den Gärten tiefer als 30 bis 50 Zentimeter, stösst man auf den Abfall der damaligen Deponie. Die Belastung ist laut Margreth so hoch, dass der Kanton das Gelände überprüfen musste. «Und wir kamen zum Schluss: Die Gefährdung durch eine Nutzung des Areals als Garten ist für den Menschen zu gross», so Margreth. Beim Umgraben eines Beets etwa würde man die Schadstoffe unbemerkt einatmen oder über die Haut aufnehmen.

Gärten müssen Rasen weichen

Diese Resultate standen Anfang 2018 fest. Nach einer Sitzung mit den SBB sowie dem Gartenbauverein Olten und Umgebung, dem die Schrebergarten-Besitzer angehören, war klar: Im Jahr 2018 darf nichts mehr angebaut werden. Und auf Ende Oktober müssen die Gärten geräumt sein. Das Gelände wird anschliessend zur Wiese umgewandelt. Denn: «Eine geschlossene Rasendecke kann das Austreten der Schadstoffe, die wegen der ehemaligen Deponie aus der Erde kommen, verhindern», erklärt Margreth.

Diese Erkenntnis kommt für die langjährigen Gärtner spät. Schliesslich besteht die Schrebergartenanlage seit mindestens 48 Jahren. «Das ist furchtbar», sagt Luzia Schmid, Präsidentin des Gartenbauvereins Olten und Umgebung. Sie habe zahlreiche Gärtner beruhigen müssen, die nach dem Entscheid weinend zu ihr gekommen seien. Auch Hansruedi Sinner, ehemaliges Vorstandsmitglied des Vereins und Rankwog-Bewohner, ist traurig: «Ich vermisse meinen Garten.» Er hat sein Stück Land bereits im Frühling geräumt und abgegeben. «Wir haben die Gespräche mit unseren Nachbarn hier im Garten sehr geschätzt.» Mal habe man Meinungen ausgetauscht, mal Rezepte. Die Enkelkinder hätten beim Anpflanzen und Ernten geholfen. Und abends habe man sich zum Grillieren unter die von Reben bewachsene Pergola gesetzt.

Nach mehr als 40 Jahren im selben Schrebergarten hat Sinner keine Motivation mehr, einen neuen Garten anzufangen. Damit ist der Trimbacher jedoch in der Unterzahl: «25 der 30 Gärtner wollen weitermachen», sagt Schmid. Zudem habe der Verein eine Warteliste mit über 70 Einträgen. «Gerade auch junge Familien wollen wieder einen Schrebergarten. Da ist es doch schade, dass wir keinen Ersatz für das Gelände in der Rankwog finden können.» Die Vereinspräsidentin fragte vergeblich mehrere Landbesitzer an.

Einzige Anlage im ganzen Kanton

Die Schrebergartenanlage in der Rankwog hat Pech: Sie steht auf mit Schadstoffen belasteter Erde und ist die einzige Anlage im ganzen Kanton Solothurn, die aufgelöst werden muss. Margreth: «Aufgrund von Untersuchungen in anderen Kantonen klärten wir nämlich ab, ob auch andere Gärten auf ehemaligen Deponiegeländen liegen. Nur in Trimbach war dies der Fall.»

Für den Gartenbauverein könnte die Schliessung der Anlage in Trimbach schwerwiegende Folgen haben: «Wir müssen die Kosten für das Entsorgen und Abräumen der Gärten mittragen. Finanziell haben wir aber kaum Möglichkeiten», erklärt Schmid. Die Kosten würden den Verein stark belasten.

Der Handwerker Gullone begutachtet die Kopfsalate, die in einem Hochbeet mit gekaufter Erde wachsen. Daneben wuchert das Unkraut. «Ich muss mir jetzt ein neues Hobby suchen», sagt er. Oder zumindest einen neuen Garten.

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