Gretzenbach

Ein Kriminalroman für den Gemeindeschreiber: «Ein Buch zu schreiben war mein Traum»

Mit 70 Jahren zum Krimiautor geworden: Hans Beer in seinem Garten in Gretzenbach.

Mit 70 Jahren zum Krimiautor geworden: Hans Beer in seinem Garten in Gretzenbach.

Hans Beer war 22 Jahre lang Gemeindeschreiber von Gretzenbach. Nach seiner Pensionierung hat er nun einen Kriminalroman geschrieben – unter einem Pseudonym.

22 Jahre lang prägte Hans Beer als Gemeindeschreiber das Gemeindeleben in Gretzenbach mit. 2009 ging er in Pension und widmete sich neuen Projekten. Mit Ende 60/Anfang 70 erfüllte er sich einen Kindheitstraum: Er schrieb ein Buch – unter dem Pseudonym Simon H. Reeb. «Ich wollte damit mögliche Werbebelästigungen ausschliessen», sagt Beer. Sein Kriminalroman heisst «Tödliches Doppel-Ich».

Hans Beer lebt seit seiner Geburt 1944 in Gretzenbach. In der Einwohnergemeinde war er als Gemeindeschreiber von 1987 bis 2009 ein Dreh- und Angelpunkt. Die folgenden Jahre war es – mit Ausnahme einiger Zeitungsartikel über lokale Anlässe und den Musikverein – schreibtechnisch ruhig um ihn in der Öffentlichkeit. Bis er zum Schriftsteller wurde. Warum erst im Alter von um die 70? «Vorher hatte ich einfach keine Zeit», sagt Hans Beer. «Ich habe mein Leben lang immer mindestens 100 Prozent gearbeitet und mich nebenbei noch mit anderen Dingen befasst. Das Schreiben eines Buches hatte damals keinen Platz.»

Dabei wollte er von Anfang an Schriftsteller werden. «Ich war von klein auf ein Bücherwurm und habe alles verschlungen, von der Briefmarke bis zum Telefonbuch.» In der Schule erwachte in ihm die Freude am Aufsatzschreiben. Später konnte er für Firmen PR-Beiträge und später in der Gemeinde Berichte verfassen. «Ein Buch zu schreiben war mein Traum», bekennt Hans Beer. «Aber wenn man eine Familie hat, kann man nicht einfach sagen: Ich werde Schriftsteller. Der Beruf ist brotlos; da verhungert man.»

Karriereleiter Schenker Storen

So begann Beer seine Laufbahn mit einer KV-Lehre bei der Storenfabrik Emil Schenker AG in Schönenwerd. Bei seinen Arbeitgebern war Beer auf seinem Berufsweg verantwortlich in den Bereichen Administration, Finanzen, EDV und Personalwesen. 1986/87 war er als Direktor und Geschäftsleitungsmitglied beteiligt am finanziellen und administrativen Wiederaufbau der Uhrenfabrik Fortis in Grenchen. Dort hat er als (Mit-)Inhaber und Geldgeber Prinz Ernst August von Hannover kennen gelernt – «meiner Meinung nach ein ganz faszinierender Typ». Nach einer Weile sah sich Beer in einer «wackligen Situation». Sollte er nach Grenchen umziehen? «Ich hatte alles in Gretzenbach – ein Haus, Familie, Freunde, Verwandtschaft.»

Genau zu jener Zeit demissionierte der damalige Gretzenbacher Gemeindeschreiber Franz Ramel. «Das Politikum Gemeinde hat mich immer interessiert», hält Beer fest. Er war einer von mehreren Stellenbewerbern und konnte den damaligen Ammann Otto Schenker, den Gemeinderat und das Wahlvolk von sich überzeugen. «Aufgrund meiner Aktivitäten im Rat und in verschiedenen Kommissionen kannte die Gemeinde mich und ich kannte sie. Ich habe die Wahl nie bereut.»

Etwas beitragen, Einfluss nehmen

Das Gemeindewesen habe ihn fasziniert, bekennt Hans Beer, der für die FDP von 1977 bis 1985 auch im Kantonsrat aktiv war. «In der Gemeinde passiert es, dort kann man etwas beitragen und Einfluss nehmen. Dort sieht man, was machbar ist und was nicht.» Mit 21 Jahren stand er erstmals auf einer Gemeinderatsliste: «Mir fehlten aber acht Stimmen zur Wahl. Da packte es mich.»

Von 1971 bis zur Wahl von Peter Zinglé zum ersten vollamtlichen Gemeindeschreiber 1973 hatte sich Hans Beer als nebenamtlicher Gemeindeschreiber und Stellvertreter des Zivilstandsbeamten engagiert. Danach war er während zweier Amtsperioden im Gemeinderat aktiv. Er präsidierte den Ausschuss, der 1979 das Mitteilungsblatt «Dr Gretzebacher» ins Leben rief, von dem seither 113 Ausgaben erschienen sind. Bis zu seiner Wahl als Gemeindeschreiber 1987 war Beer Mitglied der Redaktionskommission.

Hartes Stück Arbeit

«Bei meinen Arbeitsstellen war das Schreiben immer im Hinterkopf», sagt der heute 72-Jährige. «Als ich nach der Pensionierung Zeit hatte, beschloss ich: Entweder realisiere ich jetzt ein Buchprojekt oder nie mehr. Am Anfang dachte ich naiv, es würde mir gehen wie bei den Aufsätzen – nach dem Motto: Es schreibt von selbst. Es war aber ein hartes Stück Arbeit, bis ich allein die Story beisammen hatte.» Entgegen einiger Leserrückmeldungen sei der Inhalt des Buches überhaupt nicht biografisch. «Doch es wäre wenig sinnvoll, über etwas zu schreiben, das man nicht kennt.»

Erst wollte sich Beer mit «Tödliches Doppel-Ich» nur einen Wunsch erfüllen. Dann liess er das Werk, das innerhalb von zwei Jahren entstand, drucken. Auf Initiative eines Bekannten gab Beer das Buch für die Öffentlichkeit frei. «Inzwischen gingen 65 Exemplare an Bekannte.» Viele hätten das Buch spannend gefunden. «Das überraschte mich.» Obwohl der bekennende Perfektionist das Resultat seines Projekts als entwicklungsfähig empfindet, ist er froh, es realisiert zu haben. «Sonst hätte ich es mein Leben lang bereut.»

Im Moment ist ein weiteres Literaturwerk für den Familienvater kein Thema. «Ich schliesse es zwar nicht aus. Doch damit eines zustande käme, müssten erst eine konkrete Idee und eine packende Geschichte feststehen. Ausserdem würde ich einen Verlag suchen mit Lektor und Korrektor.» Bei «Tödliches Doppel-Ich» haben diese Aufgaben Ehefrau Ursula und die Töchter Rebecca (38) und Deborah (29) übernommen. «Vom Vorgehen her wüsste ich jetzt, wie es geht.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1