Tierwelt
Ein Indikator für gesundes Gewässer: Wo Bachflohkrebse im Niederamt zu finden sind

Der Bachflohkrebs ist das Tier des Jahres 2021. Er ist auch im Niederamt heimisch, besonders in der Aare.

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Der Bachflohkrebs.

Der Bachflohkrebs.

Verena Lubini (zvg

Sein Zuhause ist buchstäblich im Fluss: Flohkrebse gehören zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten wirbellosen Tieren in Schweizer Flüssen und Seen. Ein typischer Bewohner von kleineren Fliessgewässern ist dabei deren Unterart – der Bachflohkrebs. Dieser wurde nun von Pro Natura Schweiz als Tier des Jahres 2021 gewählt. Ausser in den südlichsten Teilen der Schweiz ist er in allen Ge­bieten des Landes unterhalb 1300 Meter über Meer zu finden.

Bachflohkrebse sind so also auch im Niederamt heimisch. In der Aare gäbe es sie zum Beispiel häufig, erzählt der Präsident des solothurnisch kantonalen Fischereiverbandes, Christian Dietiker. Abgesehen davon seien sie aber in jedem Bach zu finden, der eine gute Wasserqualität aufweist – fehlen sie, sei das ein klares Anzeichen, dass der Bach nicht gesund ist. Ein ungesunder Bach ist zum Beispiel von Pestiziden belastet oder führt schlecht geklärtes Abwasser.

Das Hauptmenu der Bachforelle

Bachflohkrebse habe jeder und jede schon einmal gesehen, schreibt Pro Natura Schweiz in einem Webdossier über das Tier. Und falls nicht, seien sie ganz einfach zu finden: Man drehe nur mal ein Laubblatt oder einen Stein in der Nähe eines sauberen Waldbachs.

Die Unterart der Flohkrebse wird bis zu 21 Millimeter lang und hat je nach Futter, Alter und Wasserqualität eine braune, graue oder grüne Färbung ihres Chitin-Kalk-Panzers und ernährt sich vor allem von totem Blattmaterial. Auf der anderen Seite der Nahrungskette sind die Bachflohkrebse ein fester Bestandteil der Nahrungsgrundlage von Fischen und Vögel. «Besonders für die Bachforelle sind sie oft das Hauptmenu», erzählt Dietiker. Sinkt aufgrund der schlechten Wasserqualität oder aus einem Futtermangel der Anteil der Bachflohkrebse in einem Fliessgewässer, so sinke automatisch auch die Fischpopulation.

«Fischer schaffen Lebensraum»

Um dieses Problem schrittweise zu beheben, hat der Schweizerische Fischerei-Verband gemeinsam mit dem 111er Club eine Kampagne lanciert, welche unter dem Namen «Fischer schaffen Lebensraum» läuft. Im Namen dieses Projekts wollen Fischerinnen und Fischer schweizweit den ökologischen Zustand von Gewässern verbessern. Sie werden zuerst in Praxiskursen von Fachleuten geschult und setzen danach regional oder kantonal die gelernten Aufwertungsmassnahmen innerhalb von einzelnen Gewässerquerschnitten um.

So konnten im Kanton Solothurn im vergangenen Jahr 1,1 Kilometer Fliessgewässer von örtlichen Fischern revitalisiert werden. Im kommenden Jahr, wenn die Coronakrise sie nicht weiterhin am Zusammentreffen hindert, sollen es sogar noch mehr werden.

Hinweis:

Mehr Informationen über den Bachflohkrebs unter: www.pronatura.ch/de/tier-des-jahres