Däniken
Ein Hochzeitstag zum Vergessen erstmals auf Schweizerdeutsch auf der Bühne

Die Theater-Lüüt Dänike bringen das Stück «Zehn kleine Spiesserlein» erstmals im Dialekt auf die Bühne.

Melina Aletti
Drucken
Teilen
Am Hochzeitstag von Elvira und Fritz geraten sich die unterschiedlichen Charaktere in die Haare.

Am Hochzeitstag von Elvira und Fritz geraten sich die unterschiedlichen Charaktere in die Haare.

Bruno Kissling

«Wir machen die Tischszene, also los!», ruft Paolo Grazioli durch die Bühlhalle und klatscht in die Hände. Er ist der Regisseur des neuen Stückes «Zehn kleine Spiesserlein» der «Theater-Lüüt Dänike» und kann bereits auf langjährige Erfahrung zurückblicken. Seit über 25 Jahren führt er an verschiedenen Orten Regie, seit ihren ersten Aufführungen 2007 auch bei den Theater-Lüüt. Mit dabei als Regieassistentin und Souffleuse ist auch immer seine Frau Uschi Grazioli.

«Zehn kleine Spiesserlein» ist das sechste Stück der Theater-Lüüt und handelt von einer Feier zur silbernen Hochzeit. Neben Elvira und Fritz, die ihren Hochzeitstag feiern, sind Verwandte und Bekannte zu Besuch. Man kennt sie, die Rollen: die unverheiratete und bald beschwipste Tante, die tratschende Nachbarin und ihr stiller Ehemann, der verwirrte Grossonkel mit seinen trockenen Sprüchen. Zehn an der Zahl, sind sie alle Spiesser, jeder auf seine Art. Nicht fehlen dürfen natürlich auch die beiden Kinder; die Tochter unglücklich verheiratet und der Sohn noch immer nicht ausgezogen. Doch gerade dieser nimmt eine sehr interessante Rolle ein. Während alle anderen beim Essen zu Tisch sitzen, macht er es sich auf dem Sofa gemütlich und kommentiert das Geschehen, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Mit seinen Dreadlocks, den weiten Hosen und den Kopfhörern um den Hals hebt er sich zudem äusserlich deutlich von der Festgesellschaft ab. Er vertritt eine Aussenperspektive, spricht oft die Gedanken der Zuschauer aus und geniesst Narrenfreiheit.

Schweizerdeutsche Uraufführung

Regisseur Paolo Grazioli.

Regisseur Paolo Grazioli.

Bruno Kissling

So besitzt das Stück mehr Tiefgang, als man es von einem klassischen Schwank erwartet. Zudem wurde dieses Theater noch nie so gezeigt: Die Dialektbearbeitung von Enrico Maurer wird in Däniken uraufgeführt. Das Original stammt von Ulla Kling. Ausgewählt hat es die vereinseigene Stückwahlkommission. Sie ist ein Beispiel für die vielen Arbeiten, die neben dem Schauspielern noch anstehen. Deshalb besteht der Verein längst nicht nur aus den Darstellern: Requisiten müssen organisiert werden, Licht und Ton sollen stimmen. Der Vorverkauf muss rechtzeitig starten und die Programmhefte sollten ebenfalls pünktlich bereitliegen. Dieses Jahr neu dabei ist Aline Désirée Thommen. Zwar ist es das erste Theater mit den Theater-Lüüt für die 18-Jährige, doch sie hat schon einige Erfahrungen gesammelt: Als Kind spielte sie jeweils beim Krippenspiel mit und letztes Jahr hatte sie eine Rolle in Romeo und Julia bei den Schlossspielen Falkenstein in Niedergösgen. Sie ist selbst wenige Tage vor der Premiere überhaupt nicht nervös und sagt: «Beim Theaterspielen bin ich richtig in meinem Element.» Regisseur Grazioli führt das auf ihre Familie zurück. «Schon ihr Vater und Grossvater haben Theater gespielt», weiss er. Er scheint die Gruppe gut zu kennen und applaudiert bei gelungenen Szenen gerne mal mitten im Spiel. Als Schwierigkeit des Stückes sieht er, dass die Schauspieler einander oft unterbrechen müssen. Was im Alltag sehr einfach ist, wird auf der Bühne zur Knacknuss. Als weiteren kritischen Punkt nennt er die Pausen. «Diese sind sehr wichtig und müssen mit Laiendarstellern speziell geübt werden.»

Einer, der sicher genug Sprechpausen hat, ist der Nachbar Theo Luginbühl. Er wird von seiner Frau permanent zum Schweigen gebracht und isst schon bald nur noch still vor sich hin. Genau das sollte auch das Publikum machen: etwas Feines essen und zuschauen.

Aktuelle Nachrichten