Viele Leute verbringen ihre Ferien am Meer, machen Reisen in ferne Länder oder gehen Velo fahren. Das macht die 21-jährige Laura Brechbühler aus Dulliken auch. Nur sind es für sie nicht herkömmliche Ferien: Zusammen mit der Organisation Procap begleitet die junge Studentin der Sozialwissenschaften Menschen mit Behinderung in deren Ferien.

«Dabei ist es wichtig, dass man als Betreuungsperson seine eigenen Bedürfnisse zurücksteckt und ganz für die Reiseteilnehmer da ist», erklärt Laura Brechbühler, die mit Procap schon auf drei Reisen war: Die erste war eine mit dem Velo am Bodensee, die weiteren gingen nach Spanien: Badeferien auf Mallorca oder Teneriffa. «Dass man sich selber in den Hintergrund stellt, bildet zugleich auch die grösste Herausforderung», führt Brechbühler aus. Geduld, Einfühlungsvermögen und Aufmerksamkeit sind laut Brechbühler das A und O, die eine jede Reisebegleitung braucht.

Vielfältige Aufgaben

Auf Procap gekommen ist Laura Brechbühler durch ihre Mutter, die bei der Organisation arbeitet. «Ich wollte das einfach mal ausprobieren», sagt die 21-Jährige. Gesagt, getan, geklappt. Es sei extrem wichtig, dass man mit den Leuten umgehen kann und keine Berührungsängste hat, weiss Laura Brechbühler, die in ihrer eigenen Verwandtschaft eine Frau mit einer geistigen Beeinträchtigung hat. Das erachtet sie als Vorteil. «Ich bin überzeugt, dass dies einer der Gründe ist, dass ich schon mehrere solcher Reisen mitgemacht habe.» Vorkenntnisse sind allerdings keine Voraussetzung für solche Ferieneinsätze bei Procap.

Die Aufgaben einer Betreuungsperson in den Ferien von Menschen mit Behinderung sind sehr vielfältig: Leute wecken, sie anziehen, sie unterhalten, motivieren, Ausflüge machen oder einfach gemeinsam Ferien machen. Für die pflegerischen Aspekte sind jene Personen zuständig, die dafür ausgebildet sind. Davon ist bei jeder Reise auch meist eine Person dabei. Die Betreuungspersonen werden durch die Reiseleitung bezüglich Aufgaben und pflegerischen Tätigkeiten eingeführt und unterstützt.

Laura Brechbühlers Arbeit bei Procap basiert vollkommen auf freiwilliger Basis. Zwar werden Reise, Unterkunft und Verpflegung von Procap finanziert und die Betreuer erhalten ein Sackgeld von 50 Franken am Tag, mehr wird nicht vergütet. Für Laura Brechbühler ist dies kein Problem: «Ich würde die Reisen auch ohne das Sackgeld machen.» Natürlich müsse man als Betreuungsperson psychisch und physisch in guter Verfassung sein, «speziell weil einzelne Geschichten einem doch sehr nahe gehen können». Aus diesem Grund sagt Brechbühler auch ganz klar: «Man muss sich abgrenzen können.» Doch die Reisen würden einem auch persönlich weiterbringen, erklärt sie: «Das Lachen und die Freude der Teilnehmenden ist das Schönste.»

Kanada-Rundreise

Und schon bald steht die nächste (und erstmals grössere) Reise mit Procap vor der Tür: Im August geht es zusammen mit zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmern und vier Betreuungspersonen in den Westen von Kanada: Während zweier Wochen reist die Gruppe von Calgary nach Vancouver und besucht dabei verschiedene Nationalparks, Seen und Städte.