Zwei der drei Notausstiege des Eppenbergtunnels der SBB sind schon weit fortgeschritten. Am weitesten ist der 95 Meter lange, horizontale Stollen von der Aarauerstrasse in Schönenwerd: Die Innenschale ist betoniert, nun folgt die Bodenplatte. Aktuell endet der Stollen 2 Meter vor dem Haupttunnel: Dieser Abstand wird im Verlauf des Jahres 2018 durchbrochen, sobald die Innenschale des Haupttunnels betoniert ist. Beim 22 Meter tiefen Schacht in Gretzenbach ist der Ausbruch fertiggestellt und gesichert. Zurzeit werden die Innenschale betoniert und Treppen installiert, später folgt der Lift. Diese Arbeiten werden ebenfalls im Jahr 2018 abgeschlossen.

Jetzt geht es an die spektakulärste der drei Rettungsanlagen, den Notausstieg Lochbächli in Schönenwerd. Gebaut wird dort ein 62 Meter tiefer Schacht zum Tunnel. Die Baustelle befindet sich am Waldrand beim Rotenhof, in einer Landwirtschaftszone hinter den Liegenschaften der Oberen Holzstrasse. Installationsfläche und Baugrube sind vorbereitet. Ab Mitte August folgt bis Ende Jahr das Abtiefen des senkrechten Schachts. Anschliessend wird ab Januar 2018 das horizontale Stück zum Tunnel, mit Flucht- und Interventionsstollen, erstellt. Bis im Sommer 2018 soll der Notausstieg Lochbächli bereits fertig sein.

Bauverfahren geändert

Der Bau dieses dritten Notausstiegs beginnt damit rund ein Jahr früher als ursprünglich geplant. Möglich ist dies, weil sich die SBB für ein anderes Bauverfahren entschieden haben. Um die Lastwagenfahrten für den Abtransport des Ausbruchmaterials zu minimieren, war ursprünglich das «Raise-Drill-Verfahren» (Aufwärtsbohren) geplant, bei dem das Ausbruchmaterial nach unten und durch die Tunnelröhre Richtung Wöschnau entsorgt worden wäre. Damit hätte jedoch erst etwa Mitte 2018 begonnen werden können, nach dem vollständigen Ausbruch des gesamten Tunnels.

Seit Anfang Mai verfügen die SBB über die Plangenehmigung des Bundesamts für Verkehr für das geänderte Verfahren, bei dem von oben her gebohrt und das Ausbruchmaterial nach oben zum Installationsplatz Rotenhof befördert wird. Dies haben die unmittelbar betroffenen Anwohner von Rotenhof und Oberer Holzstrasse akzeptiert und auf Einsprachen verzichtet. Gesamtprojektleiter Thomas Schweizer bedankt sich dafür: «Wir spüren hier Verständnis und Entgegenkommen der Bevölkerung. Das macht es für uns erfreulich, hier zu bauen.»

Den Vorteil des geänderte Verfahrens erklärt Schweizer so: «Wir können deutlich früher mit dem Bau beginnen. Der Bauablauf ist weniger kompliziert, unabhängig vom Tunnelvortrieb und mit weniger Unsicherheiten verbunden.» Aber auch für die Anwohner sieht der Gesamtprojektleiter Vorteile: «Es wird in kürzerer Zeit gebaut, mit kleineren Installationen und weniger Immissionen.»

Wie das, wenn doch das Ausbruchmaterial vom Stollen jetzt nicht durch die Tunnelröhre abgeführt, sondern zur Oberfläche befördert wird? «Der ursprünglich angestrebte Vorteil von weniger Lastwagenfahrten hat sich nicht bewahrheitet», erklärt Schweizer. Man habe nicht bedacht, wie viel Material für die Aufschüttung des flachen Platzes hätte zugeführt werden müssen, den es für den Notausstieg beim Rotenhof braucht: Dort braucht es eine bleibende Interventionsfläche von 19 mal 37 Metern als Zufahrt und Wendeplatz der Ambulanzen.

Material vor Ort verwenden

Ein äusserer Umstand vermindert die Lastwagenfahrten: Knapp 2000 m3 Ausbruchmaterial aus dem Stollen können im Rotenhof zwischengelagert und beim Neubau des nur etwa 150 Meter weiter oben im Wald geplanten Reservoirs Föhren durch die Gemeinde verwendet werden.

Im Raum steht zudem der Vorschlag, das Landwirtschaftsland, das im Rotenhof eine starke Senke bildet, aufzufüllen. Dadurch würde sich die jetzt vorgesehene und bewilligte Zahl von 1300 Lastwagenfahrten auf der Route Reservoirweg–Holzstrasse–Schmiedengasse– Aarauerstrasse insgesamt noch deutlich reduzieren. Sowohl die SBB als auch der landwirtschaftliche Bewirtschafter, Peter Hodel, wären mit dieser Lösung einverstanden. Noch offen ist im Moment die erforderliche Zustimmung der privaten Landeigentümer, einer Erbengemeinschaft.