Olten/Starrkirch-Wil

«Ein 24 Meter langer Finnwal schoss an mir vorbei»: Die Abenteuer eines Niederämter Tierfotografen

Der gebürtige Starrkirch-Wiler Tierfotograf Raphael Studer fängt besondere Tierbegegnungen mit seiner Kamera ein.

Wer National Geographic oder Discovery Channel verfolgt, der kennt die atemberaubenden Bilder von wilden und ungezähmten Tieren und Landschaften. Genau das ist die Welt von Raphael Studer aus Olten. Wenn der 36-Jährige nicht gerade an seinem regulären Arbeitsplatz als Informatiker bei der Swisscom tätig ist, geht er auf Abenteuertour in den Ozeanen oder in wilden und unberührten Landschaften. «Meine Liebe gilt der Natur und den Tieren, denn ich möchte den Menschen auch zeigen, was wir alles auf unserem Planeten verlieren könnten, wenn wir nicht Sorge tragen», sagt der Fotograf.

Dafür reiste er schon an die entlegensten Orte wie die Südseeinseln von Tonga oder dem afrikanischen Busch in Uganda. Dass er wilde Tiere auf solch spektakuläre Weise fotografiert, war nicht immer so. «Ich habe zwar früher oft Events eingefangen, aber es war noch nicht diese brennende Begeisterung wie heute», sagt Studer. Erst ab den grossen Reisen nach Südamerika und Australien hat die Fotografie ihn allmählich in den Bann gezogen. «Die Bilder dienten ursprünglich jedoch mehr der Dokumentation der Reise», sagt der Wildtierfotograf. Ein Liebespaar aus Australien habe ihn dann aber dazu animiert, Bilder von professioneller Qualität einzufangen. Seitdem ist die Wildtierfotografie zu Studers grosser Passion geworden. «Trotzdem hatte ich nie mit dem Gedanken gespielt, dies als Vollprofi zu machen, weil du in diesem Business viele Bilder in kurzer Zeit liefern musst, um weitere Aufträge zu erhalten», so Studer.

Ausleben seiner freien Kreativität ohne Leistungsdruck

Auch als semi-professioneller Tierfotograf kann er es sich noch immer nicht vorstellen, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. «Ich möchte nicht an Fristen gebunden sein, sondern frei meine Kreativität und Freiheiten ausleben», erklärt Studer. Ausserdem nutze er jede freie Sekunde bei der Fotografie, um nicht nur den perfekten Schnappschuss zu erzielen, sondern auch, das Tier dahinter zu studieren. «Wichtig ist vor allem, dass das Tier nicht in seinem natürlichen Lebensraum gestört wird, somit kommen Bilder auch viel natürlicher rüber», meint der 36-Jährige.

Die Tigerhaie liessen ihn in Ruhe fotografieren

Besonders spektakuläre Begegnungen hatte er mit den Bewohnern aus den Ozeanen. Der in Starrkirch-Wil aufgewachsene Wildtierfotograf hat ein besonderes Faible für Haie. Mit seinen Bildern und Erfahrungen will er auch einem uralten Klischee entgegenwirken: Dem bösen Hai. «Ich hatte schon ein paar Begegnungen mit grossen Tigerhaien, wo es zum Körperkontakt mit diesen kam», erzählt Studer begeistert. Auch sei er nie in brenzlige Situationen mit den Raubfischen geraten, auch dann nicht, als er auf einem Tauchgang auf den Bahamas von rund 70 Haien jeglicher Grösse umgeben war. «Was ich an Haien so schätze ist, dass jede Begegnung mit ihnen sich so überwältigend anfühlt, als wäre ich mit ihnen das erste Mal im Wasser.» Nebst Haien hat er auch aussergewöhnliche und atemberaubende Bekanntschaften mit tanzenden Buckelwalen gemacht. Mit einem Wal verbindet er ein ganz spezielles Erlebnis. «Es war bei einer Fresssituation von Orcas in Norwegen, als aus der Tiefe unerwartet ein 24 Meter langer Finnwal mit offenem Maul nur einen Meter neben mir vorbeischoss», schildert Studer.

Bären auf der Insel Kamtschatka sind sein Fernziel

Obwohl Raphael Studer schon viele Orte dieser Welt bereits bereist hat, sei er noch lange nicht fertig. «Was ich unbedingt machen möchte, ist, Apnoetauchen mit Pottwalen auf den Azoren, wofür man jedoch eine Profilizenz benötigt», so der Informatiker. Ebenfalls auf seiner Liste befinden sich Kraniche und Schneeaffen in Japan, Bären auf der russischen Halbinsel Kamtschatka oder die Tierwelt Madagaskars. Ihm geht es aber nicht um die Orte selber, sondern um die dort beheimateten Tiere. Im Fokus des 36-Jährigen stehen besonders bedrohten Tierarten.

Für dieses Jahr hat er eine Reise in die Dominikanische Republik gebucht, wobei er dort mit Buckelwalen tauchen wird. Im April ist die grosse und unberührte Landschaft und Tierwelt Patagoniens eingeplant. Ein Tier möchte er im Juli bei den Azoren genauer erforschen; den Blauhai. Eventuell erfüllt sich bereits diesen August auch sein Traum, die Halbinsel Kamtschatka zu besuchen. Dabei ist ihm bewusst, dass es einen sorgsamen Umgang mit der Erde braucht: Als Mitglied der Stiftung «proWin pro Nature» setzt er sich für die Natur und das ökologische Gleichgewicht ein.

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