Trotz eines Gesamtgewichts von 290 Tonnen verlief der Schwertransport ausserordentlich gut.

Dafür gab es im Vorfeld kleinere Störungen, die von den Spediteuren kreative Lösungen verlangten. Das grösste Problem war, die Bewilligung zu erhalten, denn die geplante Route führte vom Auhafen Muttenz über den Oberen Hauenstein nach Oensingen und von dort über Olten und Aarau bis zur Baustelle in Schönenwerd.

Unterführung Stauwehrstrasse

Ein nicht leicht zu umfahrendes Hindernis befand sich etwa einen halben Kilometer vor dem Ziel: Die letztes Jahr sanierte Wöschnauer Schachenbrücke über die Bahnlinie bekam keine Freigabe für den 290 Tonnen schweren Transport. Die komplette Brücke hätte zusätzlich unterbaut werden müssen, was von Aufwand und Zeit her nicht möglich war.

Die Alternative fanden die Transportfirmen Sabesa Lenzburg und Fracht AG in der Bahnunterführung Stauwehrstrasse bei der Schenker Storen AG in Schönenwerd. Allerdings hatte der Transport in dieser Unterführung nur wenige Zentimeter «Luft» nach oben. Weiter war die Zufahrt von Aarau her nur über einen relativ schmalen Weg möglich.

Rund 7 Stunden unterwegs

Donnerstagabend 21 Uhr, Auhafen Muttenz: Der 290 Tonnen schwere Ausnahmetransport steht bereit. Gezogen und geschoben von je einer 680 PS starken Schwerlastzugmaschine der Marke MAN. Pünktlich setzt sich der Transport unter Polizeibegleitung in Bewegung, um sein Ziel in Schönenwerd/Wöschnau am nächsten Morgen zu erreichen.

Dabei sind zahlreiche Engpässe zu durchfahren, ohne dabei das empfindliche Transportstück zu beschädigen. Keine leichte Aufgabe – nicht nur wegen des Gewichts des Antriebs, der alleine 200 Tonnen wiegt. Er ist auch 7 Meter lang und 6,2 Meter breit, was das Durchfahren von Engnissen weiter erschwert. Zudem stehen praktisch auf jeder Verkehrsinsel Leittafeln oder Leuchtpfosten, welche bei diesem Transport vom Vorauskommando alle abgeschraubt und zur Seite gelegt werden. Nach der Durchfahrt montiert das Aufbauteam die zuvor entfernten Tafeln wieder zusammen.

Viel Fussarbeit

Auf der Schwertransportroute gibt es momentan auch einige Baustellen, die den Aufwand für die Demontage erheblich erhöhen. Dies zeigt sich vor allem vor und in Langenbruck und später in Trimbach. Die beiden Montageteams haben diese Nacht mehrere Kilometer zu Fuss zurückgelegt und haben den Oberen Hauenstein eher erwandert als befahren.
Dass es dabei zu kleineren Verkehrsbehinderungen kommt, liegt an der Breite und Länge des Konvois, allerdings zeigten die meisten Autofahrer, die zu dieser nachtschlafenen Zeit noch unterwegs waren, Verständnis für die Verzögerungen in ihrem Routenplan.

Über Erlinsbach kam der Transport nach Aarau, wo er über die Küttiger- und die Bibersteinerstrasse bis zum Knoten des Staffeleggzubringers fahren musste, um dort endlich die Aare zu überqueren. Anschliessend gelangte er durch die Telli zur Kettenbrücke, wo es galt, über die Auf- und Abfahrtsrampe die Unterführung zu umfahren. Anschliessend ging es auf der Schachenstrasse in die Wöschnau und dort auf der Industriestrasse über das Areal der Firmen Gebrüder Huber und Rothpletz Lienhard. Am Bahndamm angelangt, wurde eine Pause eingelegt, bis der Sicherheitswärter der Bahn die nun unmittelbar am Bahndamm verlaufende Transportroute freigab.

Als es morgens kurz nach 3 Uhr weiter ing, konnte der Konvoi zügig dem Bahntrassee folgen, durchquerte das Baustellenareal von Ost nach West, um dann auf Schönenwerder Boden das Fabrikgebäude von Schenker Storen zu umrunden und auf der Stauwehrstrasse zur Bahnunterführung zu gelangen. Hier wurde der 4,60 Meter hohe Transport abgesenkt und mit wenigen Zentimetern Freiraum gelangte er unter der Unterführung durch. Die restlichen paar hundert Meter über die Stauwehrstrasse und auf der Aarauerstrasse zurück zur Baustelle waren dann nur noch «Peanuts», um ans Ziel unter riesigen Kran beim Tunneleingang zu gelangen.

Transportgut wurde der 200 Tonnen schwere Hauptantrieb der Tunnelbohrmaschine für den Eppenbergtunnel. Die rund 100 Meter lange und 2400 Tonnen schwere Tunnelbohrmaschine wird in den kommenden drei Monaten auf der Baustelle zwischen Schönenwerd und der Wöschnau zusammengebaut, bevor sie ab Dezember den rund 3 Kilometer langen Tunnel bohren kann.