Edelstahl-Rohre im Bürgenstock-Resort

Die R. Nussbaum AG in Trimbach und Olten lieferte die Wasserverteiler für 28 Gebäude des um- und neugebauten Hotelkomplexes.

Lorenz Degen
Merken
Drucken
Teilen
Blick auf eine Nussbaum-Trinkwasser-Verteilanlage aus Edelstahl im Keller eines Gebäudes im Bürgenstock-Resort. Cover des Bürgenstock-Buches von Romano Cuonz.
2 Bilder
Blick auf eine Nussbaum-Trinkwasser-Verteilanlage aus Edelstahl im Keller eines Gebäudes im Bürgenstock-Resort. Cover des Bürgenstock-Buches von Romano Cuonz.

Blick auf eine Nussbaum-Trinkwasser-Verteilanlage aus Edelstahl im Keller eines Gebäudes im Bürgenstock-Resort. Cover des Bürgenstock-Buches von Romano Cuonz.

Bild: Roland Spring Bild: NZZ Libro

Ob sich ein Gast im grandiosen Spa hoch über dem Vierwaldstättersee entspannt oder auf seinem Zimmer duschen geht, immer fliesst dabei Wasser. Damit die Hotels auf dem Bürgenstock genügend versorgt sind, wird aus dem Vierwaldstättersee Wasser über fünfhundert Meter hoch in ein Reservoir gepumpt, ehe es über eine Verteileranlage zu den einzelnen Anschlüssen weitergeleitet wird. Die Firma R. Nussbaum AG mit Hauptsitz in Olten und ihrem Produktionsstandort in Trimbach hat diese Verteileranlagen auf dem Bürgenstock realisiert.

Im Keller von verschiedenen Gebäuden, vom Palace-Hotel bis zum Golfhaus, waren sechs lokale Sanitär-Installations­firmen mit der Ausführung betraut, die ihr Material von der R. Nussbaum AG bezogen. Die Verteiler aus Edelstahl wurden auf Mass vorfabriziert, ehe sie vor Ort montiert wurden. Mit einem Durchmesser von 10.8 Zentimeter wurde die grösste Wasserleitung für den Wellness-Bereich benötigt. Hinzu kamen diverse Armaturen für die den Bereiche Sanitär und Heizungen.

Gearbeitet wurde mit verschiedenen Varianten des Systems «Optipress», welches von der R. Nussbaum AG seit dreissig Jahren produziert und weiterentwickelt wird. Je nach Bedarf werden andere Stahllegierungen für die Rohre verwendet. Der höchste Qualitätsanspruch mit Edelstahl gilt für Trinkwasser, während für Heizungsrohre auch günstigere Materialien zum Einsatz kommen. Gerade bei den bestehenden Gebäuden waren Spezialanfertigungen gefragt, die sich in die vorgege benen Infrastrukturen ein­fügten. Insgesamt wurden auf dem Bürgenstock 30 Kilometer Nussbaum-Rohre verbaut und 60000 Verpressungen vorgenommen. Mit diesem Verfahren bleiben Rohrteile fest zusammen. Anspruchsvoll war die Logistik dieses Grossauftrages: Wenn ein Produkt von Montag bis Donnerstag, bis 17.30Uhr, am Freitag, bis 16Uhr, bestellt wurde, traf es am nächsten Werktag auf der Baustelle ein.

Prachtband über die Geschichte des «Hotelbergs»

Zur Eröffnung des Bürgenstock Resort hat Romano Cuonz einen grossartigen Band über den Bürgenstock herausgegeben. Das reich bebilderte, gestalterisch hochstehende Buch zeigt die Entwicklung der «Alp Tritt», wie das nur landwirtschaftlich genutzte Gebiet ursprünglich hiess, zur heutigen mondänen Hotellandschaft. Cuonz, gebürtiger Bündner und heute in Sarnen lebender Schriftsteller und Kolumnist, blickt zunächst auf die Gegenwart. Das erste Kapitel gilt der Umbauphase von 2008 bis 2018. In dieser Zeit hat die Katara Hospitality 550 Millionen Franken in die Um- und Neubauten investiert. Unter dem Hotelspezialisten Bruno Schöpfer, der letztes Jahr von seinem Posten als Direktor zurücktrat, wurden fast alle Gebäude neu errichtet, bestehende Elemente wie die Fassade des Palace Hotels und die Lounge mit den Säulen und Stuckaturen wurden originalgetreu restauriert. Auf 60 Hektaren stehen heute insgesamt 30 Gebäude. Vier davon sind Hotels im 4- und 5-Sterne-Bereich, die 380 Zimmer anbieten. Entstanden sind traumhafte Räume wie der «Lakeview Ballroom», ein Speisesaal mit freiem Blick auf den Vierwaldstättersee. Die Spa-Anlage auf 10000 Quadratmetern gehört zu den besonderen Anziehungspunkten des Resorts.

Schon seit dem Bau des ersten Bürgenstock Hotel 1873 dreht sich alles um Eleganz und Noblesse. Franz Josef Bucher-Durrer und sein Schwager Josef Durrer-Gasser liessen für die Innenausstattung Seide aus Paris und Marmor aus Italien kommen. Die Standseilbahn von Kehrsiten brachte aristo­kratische und bürgerliche Hotelgäste vom Schiff aus auf den Berg, der berühmte Felsenweg mit dem freistehenden Hammetschwandlift wurde 1905 eröffnet.

Anschaulich schildert Cuonz, wie der Fremdenverkehr in der Innerschweiz während der Belle Époque blühte und mit dem Ersten Weltkrieg jäh in die Tiefe gerissen wurde. In den 1920er-Jahren ist es Friedrich Frey-Fürst, der die Anlage übernimmt und modernisiert. Ein Golfplatz und ein Strandbad entstehen. Ab 1953 führt sein Sohn Fritz Frey das Bürgenstock Resort. Stars aus der ganzen Welt wie Sophia Loren, Sean Connery und Charlie Chaplin nächtigen auf dem Berg, Audrey Hepburn heiratet sogar in der Kapelle. Fritz Frey musste den Bürgenstock 1996 verkaufen, nach etlichen Besitzerwechseln übernahm der Staatsfonds von Katar die Anlagen, die nun in neuem Glanz erstrahlen.

Cuonz ist mit dem «Hotelberg» ein Werk von ausserordentlicher Schönheit gelungen, das ein wichtiges Kapitel der Schweizer Tourismusgeschichte sehr fundiert darstellt und spannenden Einblicke in ein zeitlos galante Welt ermöglicht.

Hinweis

Romano Cuonz: Der Hotelberg. Geschichte und Geschichten vom Bürgenstock Resort, 1871 bis heute. Verlag NZZ Libro.