Das Begräbnis der Fusionspläne war an der 111. ordentlichen Generalversammlung der Raiffeisenbank (RB) Dulliken-Starrkirch nur eine Formsache. Gleich zu Beginn der Versammlung beantragte Verwaltungsratspräsident Andreas Gervasoni, den Punkt 8 auf der Traktandenliste zu streichen.

Dieser betraf die Beschlussfassung über die Vereinigung der beiden Niederämter Raiffeisenbanken Dulliken-Starrkirch und Däniken-Gretzenbach. In der gedruckten Einladung hatte es zu diesem Traktandum noch geheissen: «Der Verwaltungsrat beantragt die Genehmigung des Fusionsvertrags».

Nicht überraschend

Für die Genossenschafterinnen und Genossenschafter kam der Streichungsantrag nicht überraschend; sie waren vorgängig informiert worden, dass die Fusion mit der Nachbarsbank nicht zustande kommt und dass folglich an der Generalversammlung darüber nicht abgestimmt wird. Die 416 anwesenden stimmberechtigten Genossenschaftsmitglieder hiessen den Streichungsantrag ohne Diskussion und einstimmig gut.

In seinem Bericht über das Geschäftsjahr 2015 ging VR-Präsident Andreas Gervasoni selbstverständlich auf die geplatzte Hochzeit ein. Auslöser für das Fusionsprojekt waren die verschärften bankengesetzlichen Bestimmungen der eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) gewesen.

Um diese umzusetzen, müssen sich die Banken entsprechend personell aufstellen. «Den grossen Nutzen sahen wir darin, diese Herausforderung gemeinsam zu meistern und Synergien zu nutzen», erklärte Gervasoni.

Man sei zuversichtlich gewesen, den Prozess für eine Fusion zu einer Raiffeisenbank Niederamt Süd zu einem guten Ende zu führen, bei welchem für beide Partner ein Mehrwert resultierte.

Allerdings, so fügte der VR Präsident an: «Bei den weiteren Fusions-Vorbereitungen sind wir auf verschiedene Punkte gestossen, die für die Beteiligten nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten. Dies hat uns veranlasst, den Zusammenschluss zu sistieren».

Nur aufgeschoben

In der Strategie von Raiffeisen Schweiz werden Banken wie diejenige in Dulliken wegen der Kosten und der regulatorischen Anforderungen als Auslaufmodell angesehen.

Verwaltungsratspräsident Andreas Gervasoni machte deshalb niemandem Illusionen. «Wir werden mit sehr grosser Wahrscheinlichkeit über kurz oder lang das Thema Fusion wieder auf dem Tisch haben, bestimmt aber nicht vor 2020». Das letzte Wort werde auf jeden Fall die Genossenschaftsversammlung haben.

Inzwischen wird sich die RB Dulliken-Starrkirch verstärken. Die Stellen werden von heute 8 auf 10,3 aufgestockt. Die operative Bankleitung wird neu auf drei Schultern verteilt. Guido Wyss bleibt Bankleiter, Reto Voser Stellvertreter, hinzu kommt ein weiteres Bankleitungsmitglied. Das Team wird durch zwei Teilzeit-Mitarbeitende ergänzt.

Das Bankgebäude ist bereits entsprechen umgebaut. Vizepräsident Beat Kiefer stellte den präsidialen Bericht zur Diskussion, nicht ohne Andreas Gervasoni für alles zu danken. Aus dem Saal verlangte niemand das Wort. Sodann wurde der Jahresbericht einstimmig verabschiedet.

Geringerer Jahresgewinn

Bankleiter Reto Voser legte Rechenschaft über das vergangene Geschäftsjahr ab. Die Mitgliederzahl hat von 2315 auf 2293 leicht abgenommen. Die Bilanzsumme konnte um 5,1 Mio (plus 2,1 Prozent) auf 251 Mio Franken gesteigert werden.

Der Jahresgewinn von Fr. 289 842 fiel aber geringer aus als im letzten Jahr (Fr. 351 207). Allerdings tätigte die RB Dulliken-Starrkirch höhere Abschreibungen für den Umbau des Bankgebäudes.

Mit dem Gewinn kann die Eigenkapitalbasis von 24,1 Mio Franken gestärkt werden. Das Anteilscheinkapital wird mit dem Maximalsatz von sechs Prozent verzinst. Die Versammlung genehmigte den Bericht des Bankleiters ebenfalls diskussionslos und einstimmig.