«Ich bin nicht sicher, ob der vorbereitete Apéro für alle reicht»: Eher erfreut als besorgt blickte Gemeindepräsident Walter Rhiner in die gut gefüllte Aula des Dulliker Schulhauses Kleinfeld.

Die Zahl von 93 Stimmberechtigten an der Gemeindeversammlung hatte seine Erwartungen übertroffen. «Ich glaube nicht, dass sie gekommen sind, um die Steuersenkung abzulehnen», schmunzelte Verwaltungsleiter Andreas Gervasoni.

Er sollte recht behalten: Das Budget 2016, das trotz einer Senkung beider Steuerfüsse um 4 Prozentpunkte noch einen Überschuss von 347 000 Franken aufweist (Zahlen im Kasten rechts), löste keine Fragen aus und wurde einstimmig genehmigt.

Die Entwicklung des Steuerfusses in Dulliken lässt aufhorchen (siehe schmale Spalte). Mit dem neuen Steuerfuss von 119 Prozent für die natürlichen Personen hat sich Dulliken definitiv aus der Gruppe der Hochsteuergemeinden verabschiedet.

Noch besser sieht es für die juristischen Personen aus: Bei ihnen sinkt der Steuerfuss 2016 von 93 auf 89 Punkte. Das ist, abgesehen von den vier Steueroasen Däniken, Feldbrunnen, Kammersrohr und Lohn-Ammannsegg, die tiefste Unternehmenssteuer im Kanton Solothurn.

«Das ist kein Abenteuer»

Bleibt die Frage, ob die Senkung des Steuerfusses nachhaltig ist. Ja, versicherten Finanz-Ressortleiter Martin Henzmann und Verwalter Gervasoni. Zum einen weist das Budget 2016 auch so noch einen Ertragsüberschuss in der Höhe von etwa 4 Steuerprozenten auf.

Zum andern hat die Gemeinde im Rechnungsjahr 2014, kurz vor dem Übergang zum neuen Rechnungslegungsmodell HRM 2, ihr Verwaltungsvermögen auf einen Schlag vollständig abgeschrieben.

Deshalb werden die Abschreibungen auch in den kommenden Jahren tief bleiben. Und drittens gab der Finanzverwalter zu verstehen, dass der Steuerertrag vorsichtig budgetiert worden sei, also eher höher ausfallen könnte.

Mit andern Worten: Der Gemeinderat stürze sich mit dem Antrag auf Steuersenkung sicher nicht in ein Abenteuer, aus dem er schon bald zum Rückzug blasen müsste.

Einer der Gründe für die Aufhellung der steuerlichen Aussichten ist der neue Finanzausgleich: Als steuerschwache Gemeinde profitiert Dulliken laut der Botschaft des Gemeinderates vom Systemwechsel (einerseits höhere Zahlungen aus dem Finanz-und Lastenausgleich, anderseits Mindereinnahmen durch den Wechsel von Lehrerbesoldungssubventionen zu Schülerpauschalen) netto mit 410 000 Franken.

Doch das sei nicht der einzige Faktor, betonte Gervasoni. Denn die gewaltige Abschreibung von fast 5 Mio. Franken im Jahr 2014 war der Gemeinde noch unter dem alten Finanzausgleich möglich, und sie entlaste nun das Budget bei den Abschreibungen um jährlich rund 300 000 Franken.

Strassen, Sicherheit und Informatik

Neben der Steuersenkung kann sich Dulliken 2016 auch noch ansehnliche Investitionen leisten, die fast einstimmig gutgeheissen wurden: 375 000 Franken für die Gesamtsanierung Birkenweg (mitneuen Leitungen für Wasser und Kanalisation), 600 000 Franken für den Ersatz des 25-jährigen Tanklöschfahrzeugs (TLF) der Feuerwehr, und 530 000 Franken für neue Hard-und Software für die Dulliker Schulen. Beim TLF gab es an der Gemeindeversammlung eine Gegenstimme, ansonsten nur je eine Enthaltung.

Unter «Verschiedenes» gab es Neuigkeiten aus verschiedenen Bereichen:

Bezüglich Franziskushaus ist der Besitzer im Kontakt mit dem Kanton. Gemeindepräsident Rhiner rechnet damit, dass eine Asylunterkunft im Frühjahr 2016 zum Thema für die Gemeinde werden könnte.

Vom 19. bis 25 Mai 2016 wird sich Dulliken erstmals am Gemeindeduell «schweiz. bewegt» beteiligen, und zwar gegen Krauchthal BE.

Die Bau-, Planungs- und Umweltschutzkommission hat vom Gemeinderat den Auftrag erhalten, Massnahmen zur Verkehrssicherheit auf dem ganzen Gemeindegebiet auszuarbeiten. Der Gemeinderat möchte diese Vorlage im Herbst 2016 zur Urnenabstimmung bringen.