Trimbach
Dreifaltigkeitskapelle birgt drei Geheimnisse und eine Entdeckung

Die Dreifaltigkeitskapelle in Trimbach birgt ungelöste Rätsel und ein hervorragendes Kunstwerk.

Urs Amacher
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Die Dreifaltigkeitskapelle steht am Rand der Baslerstrasse in Trimbach neben dem Restaurant Kapelle.
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Wappen im rechten Glasfenster. Die Bedeutung des Wappens ist unklar.
Der Altar der Dreifaltigkeitskapelle wurde 1962 neu gestaltet. Der alte Altartisch ist verschwunden.
Das 1962 geschaffene Altarkreuz von Albert Schilling (1904-1987)
Dreifaltigkeitskapelle Trimbach

Die Dreifaltigkeitskapelle steht am Rand der Baslerstrasse in Trimbach neben dem Restaurant Kapelle.

Bruno Kissling

Früher thronte die Kapelle in Trimbach über der Einmündung der Strasse vom Gösgeramt in die Hauensteinstrasse. Diese Wegkapelle am Verkehrsweg Nord-Süd wurde auf Initiative des damaligen Dorfgeistliche Pfarrer Wolfgang Brunner um 1600 errichtet und ist der Heiligen Dreifaltigkeit geweiht. Heute wirkt sie eher an den (Strassen-) Rand gedrängt und wird verkannt. Denn trotz seiner Kleinheit ist das Gotteshaus eine Sehenswürdigkeit.

Schon an der Aussenseite ist ein Steinrelief angebracht, auf welchem mit Symbolen die Dreifaltigkeit dargestellt ist. Das Werk wurde 1962 angebracht und stammt vom Bildhauer Albert Schilling. Darauf sind zudem eingemeisselt die Angaben «Dreifaltigkeitskapelle / Wegkapelle am Durchgang Nord-Süd / 1459, 1604, 1958, 1962». Die Jahreszahlen spiegeln den damaligen Wissenstand wider und beziehen sich auf die angeblich erstmalige Erwähnung 1459 und Einweihung 1604 sowie auf die Aussenrenovation von 1958. Das Relief im Vorzeichen (Portikus) der Kapelle gibt einen Vorgeschmack auf die bedeutende Steinmetzkunst, die einen im Innern der Kapelle erwartet.

Eine Entdeckung

1962 wurde die Kapelle ausgeräumt und innen aufgefrischt. Einer der bedeutendsten Bildhauer jener Zeit und anerkannter Erneuerer der sakralen Kunst, Albert Schilling aus Arlesheim, schuf einen neuen steinernen Altar samt einem eisernen Kreuz und einer bronzenen Altarglocke, sowie das erwähnte Relief an der Aussenseite mit der stilisierten Dreifaltigkeit. Damit kann Trimbach sich rühmen, Werke jenes hervorragenden Künstlers zu besitzen, der schon die Altäre in der Marienkirche in Olten und in der Pfarrkirche St. Nikolaus in Erlinsbach entworfen hat.

Der verschollene Altar

Bei der Innenrenovation von 1962 wurde der vorhandene Altar entfernt. Laut Dorfchronist Vögtli wurde der alte Altar in die Unterkirche der Mauritiuskirche versetzt. Nach einem Brand wurde der Mehrzweckraum geräumt und der Altar eventuell entsorgt. Jedenfalls ist er dort nicht mehr vorhanden und ein anderer Standort konnte trotz Nachfragen nicht eruiert werden.

Die Dreifaltigkeitskapelle war schon früher einmal renoviert worden, nämlich im Winter 1909/1910, nachdem die Trimbacher Christ-Katholiken sie von den Römisch-Katholiken hatten übernehmen können. Bei der Renovation kamen im Innern gotische Fresken wieder zum Vorschein, die der Maler wohl gleichzeitig mit dem Bau der Dreifaltigkeitskapelle geschaffen hatte. Die Wandmalereien werden wie folgt beschrieben:«Das Bild zeigt eine circa dreiviertel-lebensgrosse, stehende, gekrönte und mit einem Heilgenschein versehene, reich drapierte Madonna in Mandorla; sie hält das Kind im rechten Arm.

Es ist mit kräftigen Linien und scharfen schwarzen Konturen gemalt. Der eher zweitrangige Künstler verwendete die der damaligen Tradition gemässen Farben Braun, Grau, Rot und Blau.» Die Gesichter erscheinen stark gebräunt. «Die andern drei Cartons stellen Ranken-, Blätter- und Blumenornamente (Türkenbund) dar und zeichnen sich durch schwunghafte, technisch ausgezeichnete Linienführung (wohl mit Schablonen) aus.» Der damalige Ortspfarrer von Trimbach und spätere Direktor des Museums Allerheiligen in Schaffhausen, Karl Albert Sulzberger, liess die neuentdeckten Fresken durch den Kunstmaler und Oltner Zeichenlehrer Paul Schürch in natürlicher Grösse kopieren; die Zeichnungen verkaufte er 1935 dem Museum Solothurn Dort sind sie aber laut Auskunft der Registrarin nicht vorhanden.

Das unbekannte Wappen

Die Kirchenfester der Trimbacher Kapelle bestehen aus Butzenscheiben. Diese wurden wohl ebenfalls bei der Renovation 1910 eingesetzt. Sie sind mit vier runden Wappenscheiben verziert. Angefertigt wurden sie gemäss der Signatur vom Luzerner Glasmaler Eduard Renggli. Dabei handelt es sich um die Wappen von wichtigen gut katholischen lokalen Familien; jene der Familien Studer (drei Rosen), Steinmann (Pflugschar) und Strub (ein schwarzer Hahn) konnten eruiert werden. Das vierte Wappen konnte jedoch niemand Bestimmtem zugewiesen werden.

Es zeigt auf blauem Grund ein gekreuztes weisses Band. Eine Möglichkeit wäre, dass es das Zeichen eines damaligen katholischen Frauenvereins ist, versuchte Pfarrer Sulzberger doch, damals alle Kreise der Bevölkerung in katholischen Vereine zu organisieren. Bisher konnte auch dieses dritte Geheimnis nicht gelüftet werden.