Abwasserreinigung
Drei Stufen für sauberes Abwasser: Ein Besuch der Kläranlage in Winznau

Fünf Jahre dauerte die Umbauzeit der Kläranlage in Winznau. Vier runde Reaktoren sind das Herzstück der Anlage.

Rahel Bühler
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In den vier grossen runden Wasserbecken, den sogenannten Reaktoren, bauen Bakterien, Kleinlebewesen und Pilze die Schmutzstoffe ab.
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Es folgen Impressionen vom Rundgang in der Kläranlage...
Kläranlage in Winznau
Klärwerksleiter Martin Grob.

In den vier grossen runden Wasserbecken, den sogenannten Reaktoren, bauen Bakterien, Kleinlebewesen und Pilze die Schmutzstoffe ab.

Patrick Lüthy

Samstagmittag, an der Aare in Winznau. Ein etwas strenger Geruch steigt einem in die Nase. Im Schachen riecht es oft so. Denn hier befindet sich eine Abwasserreinigungsanlage (ARA). Zehn Jahre hat ihre Betreiberin, der Zweckverband Abwasserregion Olten in die Planung der neuen Anlage investiert. Fünf Jahre dauerte der Umbau, der 25 Millionen Franken kostete. Am Samstag war der Tag der offenen Tür.

Jede halbe Stunde findet ein Rundgang über das 53'000 Quadratmeter grosse Gelände statt. Das Abwasser durchläuft in der ARA drei Reinigungsstufen, bis es in die Aare fliesst: eine mechanische, eine biologische und eine chemische. Das Wasser aus den Gemeinden Dulliken, Hägendorf, Hauenstein-Ifenthal, Kappel, Lostorf, Olten, Rickenbach, Rohr, Starrkirch-Wil, Stüsslingen, Trimbach, Wangen und Winznau fliesst in die ARA. Sie reinigt neun Millionen Kubikmeter Abwasser pro Jahr. 60'000 Einwohner verursachen es. Fünf Mitarbeiter betreuen die Anlage. Einer davon leistet rund um die Uhr Pikett.

Die Pumpe für schönes Wetter arbeitet

Der Rundgang startet bei den Hauptsammelkanälen. Sie sammeln das Abwasser. Es besteht nicht nur aus Abwasser aus dem Haushalt. Auch das Wasser, das von Hausvorplätzen oder Dächern in die Kanalisation fliesst, kommt dort zusammen. Ein erster, grober Rechen schützt das nachfolgende Pumpwerk von angeschwemmten, sperrigen Teilen. Sogenannte Schneckenpumpen transportieren das Wasser dann zum Feinrechen. «Bei trockenem Wetter ist die Trockenwetterpumpe im Einsatz. Bei Regen die zwei Regenpumpen», erklärt Michael Leber, stellvertretender Klärmeister auf dem Rundgang. Derzeit arbeitet die Pumpe für trockenes Wetter. Der Feinrechen filtert alle Feststoffe, die grösser sind als sechs Millimeter. Etwa Tampons, Feuchttücher oder Unterhosen. Alle gefilterten Feststoffe werden dann zusammengepresst und verbrannt.

Einige Meter weiter vorne blubbert es: Der Sand- und Fettfang trennt Sand und Fett vom Wasser. Daneben befinden sich zwei Vorklärbecken. Ein sehr strenger Geruch liegt jetzt in der Luft. Hier setzt sich der Schlamm ab. Das weiterhin dreckige Wasser fliesst weiter. Nach diesem Schritt ist die mechanische Reinigung beendet. «An diesem Punkt sind 60 Prozent der Schmutzstoffe entfernt», erklärt Leber. Er führt die Teilnehmenden an einem Amphibienteich und einem Unterstand mit Tisch und Stühlen vorbei. Und sagt: «Hier essen wir Zmittag.»

Nur das Regenbecken ist leer

Vier grosse runde Reaktoren türmen sich vor den Besuchern auf. Darin bauen Bakterien, Kleinlebewesen und Pilze die noch vorhandenen Schmutzstoffe ab. «Die Reaktoren sind das Herzstück der Anlage», so Leber. Sie bilden die biologische Reinigungsstufe. In der chemischen Stufe wird das Phosphat aus dem Wasser entfernt. Damit ist der Prozess beendet. Das Wasser fliesst in die Aare. Eine Kläranlage ist 24 Stunden in Betrieb. Das sieht man auch am Besuchstag: Alle Anlagen arbeiten.

Nur das Regenbecken ist leer. Es kommt bei Regen zum Einsatz. Dann läuft der Klärvorgang etwas anders ab: Die vier Reaktoren können 900 Liter Abwasser pro Sekunde aufnehmen. Das, was darüber ist, fliesst in die Regenbecken. Dieses überschüssige Abwasser läuft nur durch die mechanische Reinigung. Dann fliesst es in die Aare. Am Ende des Rundgangs weist Leber die Besucher darauf hin, die Hände zu desinfizieren: «Das ist sehr wichtig.»

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