Was hat unsere Region mit dem G-20-Gipfel in Hamburg zu tun? Während vor einer Woche in der deutschen Hansestadt an der Elbe mit US-Präsident Donald Trump vergeblich um Klimaschutz gerungen wurde, entlud sich bei uns ein Riesengewitter, das vor allem die Region Zofingen traf. Das mitbetroffene Niederamt blieb vom Schlimmsten verschont. Allerdings fiel etwa das Schwingfest auf dem Engelberg ob Dulliken buchstäblich ins Wasser. Es soll nun an diesem Wochenende stattfinden. Doch in der aargauischen Nachbarschaft sind die Schäden enorm. Und immer wieder hört man Menschen besorgt fragen: Haben wir als Folge des Klimawandels künftig öfters mit solchen Unwettern zu rechnen? Wer diese Frage bejaht, erkennt rasch den Zusammenhang zwischen Hamburg und Zofingen.

Respektloser Umgang

Wetterkapriolen aller Art sind jeweils Wasser auf die Mühlen der Klimaforscher. Sie warnen seit langem davor, dass der Kreislauf aus Niederschlag und Verdunstung durch die Aufheizung der Atmosphäre aus den Fugen gerät, weil die Menschheit zu viel an den Stellschrauben des Planeten dreht. Unabhängig vom jetzigen Unwetter rund um Zofingen ist generell festzustellen: Überschwemmungen haben oft ganz einfach damit zu tun, dass der Mensch die Gefahren des Wassers zu wenig ernst nimmt.

So gaben und geben Kommunen in gefährdeten Gebieten Zonen zur Überbauung frei, weil Bauland knapp war und ist. Und auf den Grünflächen führt die intensivere Nutzung der Landwirtschaft mit stets schwereren Maschinen dazu, dass der Boden verdichtet wird, wodurch das Wasser immer schlechter versickern kann. Und der urbane Wahn, Wasserläufe auf Teufel komm raus zu kanalisieren, schlägt sich immer wieder in Flutwellen nieder, denen die Sandsackgeschwader der Feuerwehren bloss punktuell Paroli bieten können. Denn gegen Naturgewalten war der Mensch schon immer machtlos – er sollte ihnen deshalb mit mehr Respekt begegnen.

Schwindendes Eis

Ganz allgemein scheinen Meldungen über Naturkatastrophen aller Art rund um den Erdball zugenommen zu haben: Verheerende See- und Erdbeben im Südpazifik und in Indien, fürchterliche Wirbelstürme in Japan, auf den Philippinen und in den USA, Tod bringende Dürren in Afrika, schlimme Überflutungen und Schlammlawinen in Europa usw. Die Erde scheint verrückt zu spielen. Die Besorgnis bei den Menschen auf dem einzigartigen Blauen Planeten nimmt zu.

Diese Sorge ist nicht unberechtigt, denn in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben Naturkatastrophen auf der Nordhalbkugel nachweislich um zwei bis vier Prozent zugenommen. Ausserdem gilt es zu bedenken, dass sich die Schneedecke auf unserem Planeten seit Ende der 60er-Jahre um über 10 Prozent verringert und die sommerliche Eisdicke in der Arktis seit den 50er-Jahren sogar um mehr als 40 Prozent reduziert haben. Und bei uns schwinden die Gletscher, was in veränderten Landschaftsbildern in den Alpen festzustellen ist.

Drohende Kriege um Ressourcen

Bei allen Schwächen, die wissenschaftliche Klimamodelle noch immer aufweisen, steht heute zweifelsfrei fest, dass sich das Klima sukzessive erwärmt. Es gibt allerdings auch ein Szenario, nach dem sich die nördliche Erdhalbkugel auf lange Frist stark abkühlen könnte. Denn ungebremste Treibhausgasemissionen und schmelzende Eisschilde könnten die «Wärmepumpe» Europas, den Golfstrom, zum Erliegen bringen. Das wäre ebenso verhängnisvoll wie eine weitere Erwärmung. Und andere Studien sagen aus, dass es dereinst als Folge von Klimaveränderungen sogar zu Kriegen um die Vorräte Erdöl, Wasser und Lebensmittel kommen könnte.

Überbevölkerung

Die Erde ist nun einmal kein toter Himmelskörper wie der Mond und viele andere Gestirne. Wäre das der Fall, würde bei uns kein Leben existieren können. Bedingt durch die Überbevölkerung unseres Planeten gehen die Menschen ungeachtet ganz natürlicher Urgewalten lebensbedrohende Risiken ein. Grosse Ansiedlungen breiten sich heute bis zu den Kraterrändern von schlafenden Vulkanen und in ehemaligen Flussläufen aus. Auch die flachen Meeresufer werden zum Siedeln immer beliebter. Wenn dann auf der Erde ganz natürliche mechanische Prozesse ablaufen, interpretieren wir das gleich als Katastrophe. Als Katastrophe für unsere Erde muss allerdings allein das von Menschenhand Angerichtete gesehen werden. Dazu gehören die Klimaveränderungen.

Handeln tut not

Doch der Klimaschutz hat immer noch einen schweren Stand. In den USA scheint er nicht einmal mehr ein vorrangiges Thema zu sein. Das wird sich dereinst rächen. Schwer hat es der Klimaschutz auch, weil ein gewisses Angstpotenzial fehlt. Wer an Atomkraft denkt, kommt schnell zum GAU, zu Tschernobyl und Fukushima. Wer von einer Wirtschaftskrise hört, entwickelt rasch Angst um seinen Arbeitsplatz. Der Klimawandel lässt sich da leichter verdrängen und auf Distanz halten. Seine Gefahr ist weniger greifbar, denn sie entwickelt sich schleichend. Und der Begriff «Klimawandel» suggeriert nicht direkt eine Katastrophe, sondern eher eine Veränderung, der man sich einfach anzupassen hat.

Diese Sichtweise ist für Mutter Erde, die bereits heute unter dem Klimawandel leidet, verhängnisvoll. Sie schwitzt immer mehr und könnte dereinst kollabieren. Handeln tut not. Wäre das Klima eine wichtige, systemrelevante Bank, so wäre es schon lange gerettet. Und eine gemeinsame Ursache weisen der Klimawandel und die letzte Finanzkrise, an der wir noch immer leiden, auf: Den Drang nach Ausbeutung sowie die rücksichtslose Gier nach immer schnelleren und höheren Gewinnen. Die Politik hat bisher weitgehend versagt, der globale Klimaschutz liegt nach wie vor im Argen. Die Zeche werden unsere Kinder und Enkel bezahlen.

Global denken – lokal handeln

Zurück zu Hamburg und Zofingen. Am G-20-Gipfel haben mit Ausnahme von Donald Trump alle Teilnehmer das Pariser Klimaabkommen als «unumkehrbar» bezeichnet – im Interesse der gesamten Weltbevölkerung. Beim Klimaschutz gilt: Global denken – lokal handeln. Hier gilt es noch einiges zu tun. Lokal im Dauereinsatz standen während der letzten Woche im Unwettergebiet rund um Zofingen Hilfs- und Ordnungskräfte: Feuerwehren, Zivilschutz, Polizei. Sie haben als Helfer in der Not alles gegeben. Dafür verdienen sie Dank und Anerkennung.