Ifenthal
Diese Solothurner gehören zu den wenigen Schweizern, die seltene Texas-Longhorns züchten

Beatrice und Thomas Strub aus Ifenthal gehören zu den wenigen Bio-Texas-Longhorn-Züchtern in der Schweiz. Die langen Hörner sind das Markenzeichen der Rinder.

Bruno Kissling
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Thomas und Beatrice Strub halten und züchten seit 2014 auf ihrem Biohof Texas seit 2014 Texas-Longhorn-Rinder und Angus-Rinder.
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Das Texas Longhorn ist eine Rinderrasse, die für ihre charakteristischen Hörner bekannt ist.
Warm und trocken ist das ideale Wetter für die Longhorns.
Diese Rasse stand einmal vor dem Aussterben.
Die ersten Rinder für den Hof im Kanton Solothurn kamen aus Bayern und Kanada.

Thomas und Beatrice Strub halten und züchten seit 2014 auf ihrem Biohof Texas seit 2014 Texas-Longhorn-Rinder und Angus-Rinder.

Bruno Kissling

Auf dem Neuenhof an der Rankbrünnelistrasse in Ifenthal, mitten im Dorf, züchten Beatrice und Thomas Strub seit 2014 exotische Rinder der Rasse Texas Longhorn und die mittlerweile weiter verbreiteten Angus-Rinder aus Schottland. Beim Augenschein auf der Wiese zwischen Hof und der Ifenthaler Kapelle weiden hier aktuell genüsslich 24 Tiere – je fünf Texas Longhorn und Angus-Mutterkühe mit ihren Jungtieren und ein gut 1000 Kilogramm schwerer Zuchtstier namens «Cowboys Brand», kurz Bubi genannt.

Hier geniessen die sanften Rinder, welche die Strubs von Beginn an in ihren Bann zogen und auch die nur wenig später dazugekommenen Angus-Rinder die wärmende April-Sonne. «Es ist das ideale Wetter für die Longhorns – warm und trocken», meint Thomas Strub, «die Longhorns liegen – wie im letzten Sommer sogar bei 35 Grad Celsius – in voller Sonne, den Kopf auf den Boden gelegt und fühlen sich dabei wohl. Das macht den Tieren, die texanische Verhältnisse gewohnt sind, kaum etwas aus. Da flüchten dann die schwarzen Angus-Rinder aus dem Nordosten Schottlands schnell in den Schatten unter einem Baum».

Das Texas Longhorn ist eine Rinderrasse, die für ihre charakteristischen Hörner bekannt ist. Sie können dabei eine Spanne von bis zu zwei Meter umfassen und sind an ihren Enden leicht aufwärts gebogen. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Longhorns allerdings vom Aussterben bedroht. Dies, da sie übermässig mit anderen Rassen gekreuzt wurden. 1927 stellte der Staat Texas die letzten Rinder unter Artenschutz und konnte so das Aussterben verhindern.

Auslegeordnung führte zum Entscheid der Texas-Longhorns

Den Ausschlag zur in der Schweiz nach wie vor seltenen Tierrasse der Longhorns, die als früh- bis mittelreif, robust, anspruchslos und umgänglich beschrieben wird, gab die Hofübernahme durch Thomas Strub von seinem Vater Arthur vor 16 Jahren. Zu Beginn zog Thomas Strub mit seiner Frau für andere Bauern Rinder auf, später auch Wasserbüffel, aber alle Tiere von fremden Besitzern und als reiner Dienstleister. «Dies passte mir einfach nicht mehr, ich wollte eigene Tiere», erklärt Thomas Strub auf seinem Sitzplatz. Und so machten die Strubs auf ihrem Nebenerwerbshof eine vollständige Auslegeordnung, wie es mit dem Neuenhof weitergehen könnte. «Dabei brachten wir alle für uns denkbaren Möglichkeiten auf den Tisch. Ackerbau genauso wie der Anbau von Safran, Wein, die Haltung von Bisons oder Wild, Schottischer Hochlandrinder oder anderen Tieren. Ja selbst vom Aufhören war die Rede», verraten die beiden, die im Haupterwerb als Bio-Inspektor für Bio-Inspecta und als Personalfachfrau tätig sind und nun den Hof mit 13 Hektaren zwischen Hauenstein und Belchen in vierter Generation bewirtschaften. «Wir entschieden uns, Tiere halten zu wollen, die nicht jeder hat, exklusiv und vor allem extensiv, robuste und wegen der Hanglage eher leichtere Tiere.

Die ersten Rinder kamen aus Bayern und Kanada auf den Hof

Dabei stiessen wir auf die Longhorns und kamen schliesslich über den langjährigen Züchter Urs Wyss aus Buus zu einem Züchterpaar aus Bayern, das wir vor Ort besuchten, wertvolle Tipps erhielten und hier letztlich Tiere zukauften. Die deutsche Züchterin, eine der grössten in Europa, führte damals gerade 20 junge Tiere aus Kanada ein. Wir wollten bewusst nicht Rinder dieser Sorte aus den USA, sondern von einem biologisch geführten Betrieb in Kanada. Nach rund eineinhalb Jahren, viel Bürokratie, Bewilligungsverfahren und Tierarzt-Besuchen war es im Frühjahr 2014 so weit: Zwei Texas Longhorns aus Deutschland und vier mit Luftfracht eingeflogene Tiere mit kanadischem Brandzeichen kamen in Ifenthal an. Dabei war auch der damals zweijährige Stier Bubi, der «voll im Saft» war, die Mädels im Stall aber erst jährig. Dieser übersprang aber wegen der Ladys fast die Stall-Abschrankung. «So entschieden wir uns, noch drei schon 2-jährige Angus-Rinder als weitere extensive, aber bekanntermassen gute Fleischrasse hinzuzunehmen. Dies sollte bereits im Sommer des gleichen Jahres erfolgen – verständlicherweise ganz zur Freude von Bubi.» Und mit dem potenten Stier, der in all den Jahren schon für viel Nachwuchs sorgte, können die Strubs seither auch Kreuzungsfleisch der beiden Rassen anbieten. Derzeit sind sie noch die einzigen in der Schweiz, die dieses Kreuzungsfleisch anbieten.

Die Longhorn-Rinder, die mit ihren Hörnern sehr feinfühlig umgehen können, aber durch die Herdenart der Mutterkuh-Haltung nicht unterschätzt werden sollten, werden hier unterhalb des General-Wille-Hauses nicht gemästet, sondern wie die Angus-Rinder auch mit eigenem Futter wie frischem Gras, Heu und Silo-Futter aufgezogen und erst mit rund 20 Monaten geschlachtet. Dabei sind sie von Anfang April bis in den späten Herbst dauernd auf der Weide, teils auch auf Bundesland ganz westlich des Dorfes. Die Angus-Tiere gehen in diesem Jahr schon zum zweiten Mal zur Sömmerung im Diemtigtal.

Eigene Schlachtung auf dem Hof ist das Ziel

Jeweils im April und November werden zwei bis drei Tiere geschlachtet und im Direktverkauf von mehreren Kilo schweren Mischpaketen an viele teils langjährige und selbst von weit anreisende Liebhaber dieses Fleisches verkauft. «Das ist dann jeweils ein kleines Fest, wenn die Leute ihre Bestellung abholen kommen». Schade finden es die Rinderzüchter, dass nur wenige Tiere an andere innovative Bauern verkauft werden können, da die langen Hörner und das langsame Fleischwachstum bei Viehzüchtern trotz vieler anderen positiven Eigenarten wenig begehrt sind. «Und auch der Tierarzt schätzt die gesunden, robusten und pflegeleichten Tiere, die auch keine Probleme beim kalbern machen, nicht», schmunzelt Thomas Strub, da dieser wenig Arbeit mit ihnen hat. Auch die Zusammenarbeit mit einem Gastrobetrieb, der die «Nose-to-Tail»-Philosophie vertritt und beispielsweise ein halbes Longhorn-Rind abkaufen und verwerten würde, wäre eine tolle Sache und interessant für die Zukunft.

Ein nächstes Projekt haben die ­beiden schon im Kopf und warten nur noch auf die entsprechende Bewilligung: Die Hof- oder auch Weideschlachtung, bei welcher die ausgewählten Tiere statt im Schlachthaus direkt vor Ort und für die Tiere völlig überraschend direkt im Stall geschossen und unmittelbar später im Schlachthaus zerlegt werden.