Ein Lastwagen steht bei der Laderampe. In der Industriehalle in Gretzenbach lagern auf den dreistöckigen Regalen mehrere riesige Säcke. Die Maschinen erfüllen die Halle mit Lärm – auch wenn aufgrund der Ferienzeit gerade «nicht so viel los ist», sagt Philippe Becsey. Er ist Geschäftsführer der Recycling-Firma Recoplast AG und führt den Besuch durch seinen Betrieb.

In einer Ecke warten rund 100 blaue Plastikkisten auf ihre Weiterverarbeitung. Ein weisser Aufkleber auf der einen Seite verrät: Die Kisten gehören der Migros. Und der Detailhändler bekommt den Kunststoff auch wieder zurück – einfach in anderer Form. Becsey erklärt: «Solche defekten oder ausgedienten Kisten zermahlen wir zuerst. Dann wird der Kunststoff geschmolzen und zu Granulat verarbeitet.» Aus diesen kleinen, noch immer blauen Kügelchen kann die Migros anschliessend neue Kisten produzieren.

«Ich bin das Mädchen für alles»

Die Recoplast AG ist seit 2007 Teil des Kunststoffverarbeitungsmarkts in der Schweiz. Die vorherige Besitzerin verkaufte die Firma 2012 an die Familie Becsey. Seither leitet Philippe Becsey das Unternehmen zusammen mit seiner Familie. Seine Mutter kümmert sich etwa um Administration und Buchhaltung. «Und ich bin das Mädchen für alles», sagt Becsey.

Der 32-Jährige ist gelernter Automatiker. Das Wissen über die unterschiedlichsten Kunststoffe eignete er sich selbst an. «Es war eine recht risikofreudige Entscheidung, als ich die Resoplast AG übernommen habe», sagt Becsey. Er habe sich drei Monate lang Zeit gegeben, um die Firma zum Laufen zu bringen. «Sonst hätte ich aufgehört.» Um sein erstes Unternehmen aufzubauen, habe er anfangs sieben Tage die Woche gearbeitet.

Vier Mitarbeiter halten Firma am Laufen

Mit Erfolg, wie Becsey sagt: Die Firma verlegte ihren Standort vor zwei Jahren von Däniken nach Gretzenbach. Dort baute die SwissIdee GmbH – gegründet von Becseys Vater – die neue Industriehalle. Dabei handelt es sich um ein Gebäude, das von einer belgischen Firma entworfen und in Gretzenbach aufgestellt wurde.

Vier Mitarbeitende kümmern sich darum, dass die Maschinen laufen, die Abfallstücke zerkleinert und die Säcke voller Kunststoff-Granulat korrekt verstaut werden. «Wir haben einen recht hohen Grad an Automatisierung», erklärt der Geschäftsführer. Dies sei zentral, um mit der Konkurrenz aus dem Ausland mithalten zu können. Denn etliche Schweizer Unternehmen würden mittlerweile Dienstleister in Deutschland oder Italien beauftragen. «Wir müssen wettbewerbsfähig bleiben», so Becsey. Eine Monopolstellung hat sein Unternehmen auch in der Schweiz nicht. Die Recoplast AG fokussiert auf industrielle Kunden.

Wie aus alter Tupperware neue Tupperware wird

Ein Beispiel: Ein Kunde stellt Aufbewahrungsboxen in allen Grössen und Formen her. Ausschussware oder Tupperware, die nicht verkauft wurde, werden nach Gretzenbach transportiert. Dort sortieren die Mitarbeitenden die Objekte nach Kunststoff-Art. «Durch den Geruch, die Dichte und die Reaktion beim Anzünden können wir feststellen, zu welcher Sorte der Kunststoff gehört», sagt Becsey.

Die Tupperware werden geschreddert, geschmolzen und als Granulat neu verpackt. Der Kunststoff, der zuvor auf der Ladefläche eines Lastwagens transportiert wurde, hat nun Platz in zwei bis drei Säcken. Becsey: «Das ursprüngliche Unternehmen kann daraus dann wieder Tupperware herstellen.» Dieser Vorgang könne beliebig – wenn nicht sogar unendlich – oft wiederholt werden.

«Viel grüner können wir kaum mehr sein»

«Wir halten die Umwelt sauber.» Dieser Slogan sticht dem Besucher der Recoplast-Website gleich ins Auge. Der Umweltgedanke entwickelte sich aber erst mit der Zeit, sagt Becsey. «Zuerst wollten wir es einfach schaffen, das Unternehmen aus der Startphase raus zu bekommen.»

Mittlerweile versucht die Recycling-Firma aber auch, die Ressourcen zu schonen. Im März 2019 nahm der Geschäftsführer die Solaranlage auf dem Dach der Industriehalle in Betrieb. Wenn die Sonne scheine, könnten mit dem eigenen Strom alle Maschinen betrieben werden. Becsey sagt: «Viel grüner können wir kaum mehr sein.»