Ionbond AG

Diese Dulliker Firma hat mit Satelliten wie auch Luxus-Uhren zu tun

Geschäftsführer Robert Jäggi arbeitet seit 21 Jahren bei der Ionbond AG. Die goldenen Maschinenkomponenten wurden gerade beschichtet.

Die Ionbond AG bezieht gerade die Hallen des ehemaligen Hagmann-Hosen-Gebäudes in Dulliken. Die Firma beschichtet Teile für Satelliten ebenso wie für Luxus-Uhren. Und vieles, was in der Hallen des Unternehmens passiert, ist geheim.

Das anthrazitfarbene Stück Metall wartet unter dem Mikroskop auf die Untersuchung. Es ist eingeschweisst in eine Plastikhülle. Das Besondere an dem etwa ein Zentimeter grossen Teil: die Beschichtung. «Dieses Stück gehört zur Innenhülle eines Flugzeugtriebwerks», erklärt Robert Jäggi. Er ist Geschäftsführer der Ionbond AG mit Sitz in Dulliken und Olten. Der metallische Anteil an der Hülle stammt nicht von seiner Firma, dafür die für den Laien unsichtbare Schicht darauf: «Sie sorgt dafür, dass die Hülle oxidations-, temperatur- und reibungsbeständig ist.»

Jäggi ist stolz auf das Projekt. Der Chef des Ionbond-Labors, Andreas Göb, arbeitet seit fast zwei Jahren daran. Er betont: «Die Schicht ist zwar nicht neu, aber die Verwendung in einem Flugzeugtriebwerk schon.» Die Entwicklung führte Ionbond zusammen mit einem der grossen Flugzeugbau-Unternehmen der Welt durch. Jäggi: «Die ersten Gespräche darüber haben wir vor fünf Jahren geführt.»

Umzug nach Dulliken fast abgeschlossen

Die Ionbond AG ist Spezialist für Beschichtungen. Das Unternehmen gehört zum japanischen Grosskonzern IHI und ist an 39 Standorten in 17 Ländern vertreten. Das Werk in Olten wurde 1905 gegründet. Seit 2008 gehört der Standort im ehemaligen Hagmann-Hosen-Gebäude in Dulliken ebenfalls zum Unternehmen. Nun ist der Umzug ins Niederamt fast abgeschlossen: Hier stehen 16 Anlagen und das Labor für Forschung und Analysen. In Olten wird noch mit fünf Anlagen produziert. Mehr als zwei Millionen Franken hat das Unternehmen investiert. Jäggi betont: «Das ist ein klares Ja zum Standort Schweiz. Langfristig gesehen ist es auch mein Ziel, die Produktion in Dulliken weiter auszubauen.»

Während die Luftfahrt für die Firma an Bedeutung gewinnt, ist die Medizin noch immer das Hauptsegment. Jäggi erklärt: «Dort gibt es ein riesiges Wachstumspotenzial.» Ionbond beschichtet für einen international operierenden Kunden etwa Knieimplantate. «So wird der Patient vor dem Implantat und das Implantat vor dem Patienten geschützt», sagt der Boninger, der seit 21 Jahren im Unternehmen arbeitet. Dank der Beschichtung würden deutlich weniger Implantate abgestossen werden.

Vieles, das in den Hallen der Ionbond AG passiert, ist geheim. Die rund 50 Mitarbeitenden in Dulliken und die 15 Angestellten in Olten mussten alle Geheimhaltungsverträge unterzeichnen. Entweder haben die Ionbond-Kunden grosse Namen, oder sie wollen ihre neuen Erfindungen schützen.

Für die Ästhetik, gegen das Zerkratzen

«Wir beschichten auch Teile von Uhren», sagt Jäggi und zeigt eine Schachtel voller Metallplättchen – die Rückseiten von Armbanduhren. Diese würden einerseits aufgrund der Ästhetik beschichtet. Andererseits würden sie dank der Schicht auch keine Kratzer bekommen. «Alle grossen Luxusuhren-Marken lassen ihre Komponenten hier beschichten», sagt Jäggi und verdeckt mit dem Daumen schnell den Markennamen auf dem Metallplättchen.

Neben den Uhren durchlaufen auch exotischere Geräte wie etwa Satellitenteile oder Komponenten des ersten Mondrovers – eines Roboters – die Kontrollräume, Hochvakuumsbeschichtungsanlagen und Labors von Ionbond. «An den neusten GPS-Satelliten mit Plasmaantrieb haben wir etwa eine Beschichtung angebracht, die mehrere tausend Grad aushalten kann», erklärt Jäggi. Ionbond sei die einzige Firma weltweit, die das könne. Und das Unternehmen wird einen wesentlichen Bestandteil der neuen Flugzeuggeneration mitentwickelt haben. Im November soll die Serienproduktion der neuen Triebwerke mit der Ionbond-Beschichtung beginnen. Jäggi kündet an: «Nächstes Jahr werden dann die ersten so ausgerüsteten Flugzeuge abheben.»

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