«Der neue Gemeinderat wird entscheiden müssen, wie es weitergeht.» Das sagt Gery Meier auf die Frage nach der Zukunft der Däniker Standort- und Wirtschaftsförderung. Dieses Mandat hat ihm der Gemeinderat im Jahr 2007 übertragen. Wenn Meier Ende September das Gemeindepräsidium nach 16 Jahren abgibt, steht die Zukunft der kommunalen Standortförderung zur Diskussion. Ein Modell, das ausser der Stadt Grenchen kaum eine andere einzelne Gemeinde im Kanton Solothurn kennt.

«Wir wurden skeptisch betrachtet, als wir vor 10 Jahren anfingen», erinnert sich Gery Meier. War eine eigene Stelle wirklich nötig, neben der kantonalen und der regionalen Wirtschaftsförderung? Die Grundidee leuchtet ein: «Wir wollen die Zeit nutzen, um mehr Standbeine von gut zahlenden Firmen zu haben neben dem Kernkraftwerk. Und zwar, solange es uns gut geht.» Heute sei Däniken nicht mehr vom KKG allein oder der Leoni Studer AG abhängig. Mit über 2000 Arbeitsplätzen in mehr als 200 Betrieben sei Däniken neben Schönenwerd zu einem Wirtschaftszentrum im Niederamt herangewachsen.

Wie es zur Tobler-Ansiedlung kam

Ein Durchbruch war die Wiederbelebung des ehemaligen Paketpostzentrums, das die Post zugunsten des Neubaus in Härkingen aufgegeben hatte. Meier: «Als ich das Ziel nannte, dass es dort wieder 200 Arbeitsplätze geben sollte, wurde ich als Träumer bezeichnet.» Dazu brauchte er Unterstützung von aussen. «Bei der Post kam ich nicht weiter», erinnert er sich. Bewegung kam erst, als Ständerat Rolf Büttiker das Anliegen direkt beim Post-Chef vorbrachte.

Auch Esther Gassler als kantonale Volkswirtschaftsdirektorin habe sich stark dafür eingesetzt. Resultat: Die Tobler AG (Haustechnik) übernahm 2009 das Zentrum, baute es um und bietet heute die angestrebten rund 200 Arbeitsplätze. Später musste Meier auch um eine für Däniken und den Kanton Solothurn günstigere Steuerausscheidung des in Urdorf ZH domizilierten Unternehmens kämpfen.

Zwei andere Projekte waren für Däniken als Wohnort wichtig. Als Coop die Filiale im Kürze-Zentrum Ende 2007 schloss, gelang es, eine Nachfolgelösung mit dem Volg-Laden zu finden. Schwierig war die Nachfolge des Däniker Hausarztes Dr. Jürg Kissling. «Wenn ihr jetzt untätig bleibt, verliert ihr Solothurner Patienten an das Kantonsspital Aarau»: Mit dieser Überlegung fand Gery Meier Gehör bei Kurt Altermatt, dem damaligen Direktionspräsidenten der Solothurner Spitäler AG (soH). Das Ergebnis: Seit 2012 betreibt die soH die von Hausärzten geführte Gruppenpraxis Herrenmatt im Neubau beim Däniker Kreisel.

Als wichtige Elemente der Standort- und Wirtschaftsförderung der letzten Zeit nennt Gery Meier die Ansiedlung der EntsorgBar an der Aarefeldstrasse im letzten Herbst, den Ausbau eines modernen Glasfaser-Telekommunikationsnetzes (in Gang) und die Sicherstellung der Gleisanschlussrechte im Industriegebiet, indem die Gemeinde die Stammgleisanlage für mehrere Industriebetriebe (auch in Gretzenbach und Niedergösgen) bewirtschaftet: «Für dieses juristisch komplexe Geschäft habe ich am meisten Zeit investiert», sagt Meier.

Projekt Data-Center im Aarefeld

Wenig bekannt ist, dass ab 2007 der Aufbau eines europäischen Data-Centers für einen weltbekannten amerikanischen Konzern in Däniken zur Diskussion stand. «Der Kontakt lief vor allem über Karl Brander von der kantonalen Wirtschaftsförderung», erinnert sich Gery Meier. Brander bestätigt, dass es sich um ein konkretes Projekt von riesigen Dimensionen handelte: «Es hätte das ganze Aarefeld gebraucht und wäre in der Bedeutung mit der Ansiedlung von Biogen in Luterbach zu vergleichen gewesen.» Die Kontakte hielten über mehrere Jahre an. Gescheitert sei das Vorhaben nicht am Standort, sondern an Wechseln in der Projektleitung des Konzerns, dessen Namen Brander für sich behält.

Nicht alle angesiedelten Firmen hätten der Gemeinde das gebracht, was er sich erhofft habe, räumt Gery Meier ein. Auch habe die Standort- und Wirtschaftsförderung vielen ansiedlungswilligen Firmen Absagen erteilt, weil sie viel Land benötigten, aber zu wenig Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Lehrstellen bringen konnten.

Drei Faktoren für den Erfolg

Hatte Däniken mit seiner Wirtschaftsförderung nur deshalb Erfolg, weil es tiefe Steuern bieten kann? Gery Meier widerspricht: «Der Steuerfuss ist wichtig, aber nie der Hauptgrund: Die Firmen nehmen das gerne zur Kenntnis, aber es kam nie eine Firma nur wegen den Steuern.» Das Wichtigste sei, dass Däniken viel freies Industrieland hatte und die Gemeinde selber über grosse Grundstücke verfügen konnte: «Wir haben immer Land gekauft und uns Vorkaufsrechte gesichert. Die Gemeindeversammlung gibt dem Gemeinderat dafür einen grosszügigen Rahmen.» Dazu nennt Meier einen dritten Faktor: «Die Unternehmen spüren, dass die ganze Gemeinde wirtschaftsfreundlich ist. Sie werden betreut, und ihre Baugesuche werden professionell abgewickelt.»

Für Gery Meier ist klar, dass Däniken gut daran täte, seine Standort- und Wirtschaftsförderung weiterzuführen. Sie sei ein Gemeinschaftswerk: «Ich allein kann nichts ausrichten, es braucht immer die Rückendeckung des Gemeinderats und der Kommissionen.» Eines steht für ihn fest: «Untätigkeit ist nie eine Option.»