Verzweifelt mühen sich in vielen Gemeinden Ortsparteien ab, Kandidatinnen und Kandidaten für den Gemeinderat und die Kommissionen zu finden. In Eppenberg-Wöschnau (191 Stimmberechtigte) gibts keine Ortsparteien, und die Ämter für die nächste Amtsperiode sind schon besetzt. Wie machen die das bloss?

Auf letzten Donnerstagabend hatte der Gemeinderat zur Wählerversammlung eingeladen. Sieben Frauen und acht Männer, schön nach Geschlecht getrennt, sassen im Gemeindepavillon, Gemeindepräsident Stephan Bolliger und Gemeindeschreiberin Karin Imbimbo gegenüber, in den ehemaligen Schulbänken.

Zu bestellen gab es den fünfköpfigen Gemeinderat sowie zwei Kommissionen: Das Wahlbüro und die Bau- und Umweltschutzkommission. Weitere Kommissionen sieht die Gemeindeordnung von Eppenberg-Wöschnau nicht vor. Wer von den bisherigen Mitgliedern keine weitere Amtsperiode anhängen wollte, hatte das rechtzeitig bekannt gegeben, die nötigen neuen Kandidatinnen und Kandidaten waren seither in persönlichen Gesprächen im Dorf gesucht und gefunden worden. So konnte Stephan Bolliger vollständige Listen für die drei zu besetzenden Gremien verlesen:

Wahlbüro: Lukas Huber, Samuel Häusermann, Eva Quiring und Helena Häusermann (alle bisher) sowie neu Urs Lüchinger für die zurücktretende Gertrud Hänsli.

Bau- und Umweltschutzkommission: Erich Blattner und Christoph Huber (beide bisher) sowie Véronique Rychener und Philippe Weber (beide neu) für die zurücktretenden Peter Huber (bisheriger Präsident) und Hans Huber.

Gemeinderat: Philippe Huber, Matthäus Huber, Hugo Huber, Stephan Bolliger (Präsident, alle bisher) und neu Regula Nast für die zurücktretende Gemeinderätin Regina Widmer.

Unterschrift, dann ein Glas Wein

«Die Wählerversammlung soll die Wahlen ersetzen», erläuterte Gemeindepräsident Stephan Bolliger. «Für den Vorschlag braucht es doppelt so viele Unterschriften, wie Sitze zu vergeben sind.» Und dann das Wichtigste: «Wenn ihr unterschrieben habt, bekommt ihr ein Glas Wein. Oder auch vorher.»

Wahltag wäre auch in Eppenberg-Wöschnau der 21. Mai, aber: Gehen bis nächsten Montag, 27. März, keine weitere Listen ein, entfällt der Wahlgang, und die Personen auf dem Wahlvorschlag sind in stiller Wahl gewählt.

Könnte nicht noch eine andere Liste kommen? «Nein», winkt Stephan Bolliger ab, «wir haben alle gefragt, die in Frage kommen könnten.» Definitiv wird das in zwei Wochen: Nach Ablauf der Eingabefrist und der dreitägigen Auflagefrist werden die Vorgeschlagenen am 3. April amtlich publiziert. Am 4. April erfolgt die Feststellung, ob stille Wahlen zustande gekommen sind.

Das heisst also: In einer halben Stunde hat Eppenberg-Wöschnau seine Ämter für die Amtsperiode 2017-21 bestellt. Warum machen das nicht alle so?