Kienberg
Die Theaterfreunde wollen an ihre Grenzen gehen

Seit bald 100 Jahren bereichert der Männerchor — heute als Theaterfreunde — das Dorfleben. Ab diesem Wochenende führen die elf Schauspieler um Regisseur Rolf Marti mit «Um Himmels Wille Herr Pfarrer» zum 94. Mal ein Theater auf.

BRUNO KISSLING (TEXT UND FOTOS)
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Wegen spärlich fliessender Mittel für die Kirchenrenovation geht es im Pfarrhaus schon mal drunter und drüber.

Wegen spärlich fliessender Mittel für die Kirchenrenovation geht es im Pfarrhaus schon mal drunter und drüber.

BRUNO KISSLING

Seit 1919, also seit bald 100 Jahren, sorgen in Kienberg der Männerchor und seit 2011 die daraus entstandenen Theaterfreunde Kienberg für alljährliches Theater und gute Unterhaltung im kleinen Dorf nördlich der Saalhöhe.

Gleich nach dem Ersten Weltkrieg mit dem Stück «Schweizerherz» gestartet, machten die Kienberger Theaterspieler nur während des Zweiten Weltkriegs «Zwangspausen», ansonsten boten sie jedes Jahr theatralisch amüsante Kost vom Feinsten zur Unterhaltung für alle Kienberger — und mittlerweile weit über das Dorf hinaus.

Ab diesem Wochenende führen die elf Schauspieler um Regisseur Rolf Marti mit «Um Himmels Wille Herr Pfarrer» zum 94. Mal ein Theater auf. Ein witziges und turbulentes Lustspiel, für das die Lachmuskeln schon jetzt geölt werden dürfen.

Rolf Marti Seit 40 Jahren ist Rolf Marti Mitglied der heutigen Theaterfreunde Kienberg. Er wirkt seit 29 Jahren als Regisseur und seit 2011 als Mitglied der dreiköpfigen Programmgruppe. Für Marti steht die Zukunft des Laientheaters in Kienberg auf gutem Fundament: «Die Altersmischung stimmt, alle ziehen am gleichen Strick und wollen ein gutes Theater aufführen. Darauf bin einfach stolz.» Der Telekommunikationsspezialist steht selbst nicht mehr auf der Bühne, vielmehr sucht er Stücke aus, rekrutiert Schauspieler und verteilt die Rollen.

Rolf Marti Seit 40 Jahren ist Rolf Marti Mitglied der heutigen Theaterfreunde Kienberg. Er wirkt seit 29 Jahren als Regisseur und seit 2011 als Mitglied der dreiköpfigen Programmgruppe. Für Marti steht die Zukunft des Laientheaters in Kienberg auf gutem Fundament: «Die Altersmischung stimmt, alle ziehen am gleichen Strick und wollen ein gutes Theater aufführen. Darauf bin einfach stolz.» Der Telekommunikationsspezialist steht selbst nicht mehr auf der Bühne, vielmehr sucht er Stücke aus, rekrutiert Schauspieler und verteilt die Rollen.

BRUNO KISSLING

Der Dreiakter von Bernd Gombold, der von Anastasia Kehr (Präsidentin der Kienberger Theaterfreunde), Martha Schmid als langjähriger Schauspielerin und Rolf Marti als Regisseur und Bearbeiter ausgewählt wurde, wird durch vier Lieder des Projektchors Kienberg eingeläutet.

Die Theatergruppe hatte sich im Jahr 2011 aus dem Männerchor Kienberg herausgelöst und wurde ein eigener Verein. Der Männerchor besteht seither nur noch auf dem Papier, doch laut Rolf Marti besteht die Absicht, vielleicht noch in diesem Jahr einen gemischten Chor Kienberg zu gründen.

Klein, fein und flexibel bleiben

Rolf Marti, ein Kienberger Urgestein, lobt als Regisseur «seine» Theatertruppe. «Wir haben eigentlich stets ein gutes Feedback zu unseren Aufführungen, was wir nicht zuletzt den vielen Übungsstunden und den guten Leuten auf und hinter der Bühne zu verdanken haben», rühmt Marti.

Viele Mitspieler seien schon jahrelang mit dabei. «Neu steht in diesem Jahr erstmals Cäcilia Graber auf der Bühne. Alle gemeinsam wollen aus sich herauskommen und wirklich Überdurchschnittliches leisten. Unser Ziel: Wir wollen als Laien gutes Theater machen und an unsere Grenzen gehen.»

Dafür übten die Mitglieder des jungen Vereins für das aktuelle Theaterstück ganze 32-mal. Zwar erst ab Anfang November, aber dafür umso intensiver. Das Theater soll denn auch allen Zuschauern, nicht weniger aber auch allen Beteiligten Freude und Spass bereiten.

«Unser Ziel ist nicht grösstmöglicher Gewinn, sondern eine kleine, feine und flexible Theatergruppe zu bleiben, die sich als Verdienst aus dem Erlös alljährlich eine schöne Vereinsreise gönnen und das nächste Projekt finanziell absichern kann», so Rolf Marti.

Aufführungen am 16., 22., 23., 29. und 30. Januar jeweils um 20 Uhr, am 24. Januar um 14 Uhr. Nur noch wenige Plätze frei. Weitere Infos: www.theater-kienberg.ch

Werbekonzept: «Könnten problemlos zweimal mehr die Halle füllen»

Um auch in der heutigen Zeit von TV, Internet, Kinos, DVDs, Youtube und mehr in einem Dorf mit etwas mehr als 500 Einwohnern mit Theater noch sechsmal die Dorfhalle füllen zu können, bedarf es der Werbung. Die Theaterfreunde Kienberg sind dafür beispielhaft, sorgt doch Hans Gass als Werbeverantwortlicher mit seinem Team seit Jahren erfolgreich für Reklame auf allen Kanälen.

In den letzten drei Jahren kamen jeweils gegen 1500 Besucher – natürlich nicht nur aus dem Dorf, sondern auch aus dem Fricktal, dem Niederamt und dem Gäu – zum Kienberger Theatergenuss. Dafür werden weitherum kleine Werbeplakate entlang den Strassen aufgestellt, aber auch 6000 Programmhefte in Kienberg und den umliegenden Gemeinden gestreut und eine eigene Homepage betrieben.

«Zudem haben wir seit gut 30 Jahren viele Adressen gespeichert und schreiben die Leute an – heute auch per Mail. Wir müssen immer wieder Interessierten absagen, da wir zumeist vor vollen Rängen spielen. Wir könnten problemlos zwei Hallen mehr füllen, aber sechs Aufführungen sind für uns zum Spielen ideal und genau richtig», meint dazu Rolf Marti. (bko)