Gegenwärtig ist die christkatholische Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen damit beschäftigt, den baulichen Zustand der Stiftskirche durch Fachspezialisten untersuchen zu lassen und mit der kantonalen Dankmalpflege über mögliche Sanierungsstrategien zu sprechen. Dabei stellt sich die Frage nach der Finanzierung solch umfangreicher Restaurationsaufwendungen.

Wie in allen Landeskirchen der Schweiz schwinden die finanziellen Eigenmittel — vor allem auch wegen der immer weniger werdenden Kirchgemeindemitglieder. Das musste auch die Reformierte Kirchgemeinde Niederamt erfahren, deren Mitgliederzahl in den vergangenen 20 Jahren um 30 Prozent zurückgegangen ist. Dies hängt mit der demografischen Entwicklung einerseits und den Kirchenaustritten andererseits zusammen.

Die Kirchgemeinde hat seit Jahrzehnten die Stiftskirche mitbenützt und mit einem namhaften Mietbetrag den Unterhalt der Kirche unterstützt. Durch die sinkenden finanziellen Mittel sah sich die Kirchgemeinde veranlasst, die Ausführungsbestimmungen des Dienstbarkeitsvertrags für die dauerhafte Mitbenutzung der Stiftskirche zu kündigen und neu zu verhandeln. Im Zuge der Verhandlungen wurde festgestellt, dass die Löschung der Dienstbarkeit wohl die geeignetste Option für beide Kirchgemeinden darstellt.

Stiftskirche bleibt offen

Nach einvernehmlichen Verhandlungen haben die beiden Kirchgemeinden einen neuen Mietvertrag unterzeichnet. Die Kirchgemeinde wird sich stufenweise von den finanziellen Verpflichtungen zurückziehen. Die Kirchgemeindepräsidenten Silvia Meier und Gottfried Dörfelt sind sich darüber einig, dass man auch in Zukunft freundschaftlich zusammenarbeiten will und damit die Stiftskirche weiterhin für alle Konfessionen offen hält.

Die Stiftskirche zu St. Leodegar ist das älteste mehr oder weniger unverändert erhaltene mittelalterliche Bauwerk des Kantons. Sie wurde zum Grossteil zwischen 1025 und 1050 erbaut. Die ältesten Teile der Stiftskirche stammen noch vom ursprünglichen Bau aus dem 11. Jahrhundert. Im Jahre 1388 ist die Kirche ausgebrannt, nach dem Wiederaufbau wurde sie 1491 neu geweiht. Es gilt laut Kirchgemeinde also, dieses einzigartige Baudenkmal von nationaler Wichtigkeit und grossem Kunst- und kulturhistorischem Wert auch als Wahrzeichen von Schönenwerd der Nachwelt zu erhalten.

Nach Lösungen suchen

Im Gleichschritt mit den Bausubstanz- und Kostenanalysen stehen deshalb auch Überlegungen im Raum, wie der gesamte Kirchenkomplex im Bedarfsfall mittelfristig einer neuen Trägerschaft zugeführt werden könnte. Aus diesem Grunde hat der Kirchgemeinderat eine Kommission einberufen, die sich unter der Leitung von Heiner Schranz explizit mit dem Werterhalt und dem Weiterbestand der Kirche befassen muss. Ausserdem hat sich auf Initiative von Bruno Haas, ehemaliger Kirchgemeindepräsident, eine vornehmlich aus Schönenwerdern zusammengesetzte Gruppe mit dem Namen «Freunde der Stiftskirche» gebildet. Die Mitwirkenden wollen tatkräftig und unterstützend dafür eintreten, dass Stiftskirche und Kreuzgang erhalten bleiben. Die christkatholische Kirchgemeinde und die «Freunde der Stiftskirche» suchen gemeinsam Lösungsansätze, um die Zukunft des nicht nur für den Kanton bedeutungsvollen Sakralbauwerks nachhaltig zu sichern. (MGT)