Die Gemeinde Dulliken beteiligt sich an einem kantonalen Projekt «Deutschförderung vor dem Kindergarten». 20 fremdsprachige Dulliker Kinder erhalten ab Beginn des kommenden Schuljahrs einen kostenlosen Platz in einer Spielgruppe. Das Ziel: Wenn sie das Kindergartenalter erreichen, sollen sie ihre Schullaufbahn mit besseren Deutschkenntnissen starten.

Das vom Kanton und vom Einwohnergemeindeverband gemeinsam gesteuerte Projekt wurde im September 2016 vom Regierungsrat beschlossen. Jetzt wird es von einer Projektgruppe für den Pilotversuch ab August 2017 vorbereitet. «Als es im Herbst gestartet ist, sind sofort Anfragen von Gemeinden eingegangen», berichtet Reto Steffen, der zuständige Abteilungsleiter im kantonalen Amt für soziale Sicherheit (ASO).

«Das Thema brennt offenbar bei einigen Gemeinden», schliesst er daraus. Zur Frage, warum gerade Dulliken die grösste Anzahl Plätze erhält, verweist Steffen auf den hohen Ausländeranteil in der Gemeinde. Es hätten sich einige Gemeinden für eine Teilnahme interessiert, aber die Dulliker seien mit dem Wunsch einer verstärkten Förderung im Vorkindergartenalter aktiv auf den Kanton zugekommen.

Gemeinderat steht dahinter

Das bestätigt Dullikens Gemeindepräsident Walter Rhiner. «Als der Kanton für das Projekt Pilotgemeinden suchte, hatten wir uns schon länger Gedanken zu diesem Thema gemacht. Für uns als Gemeinde mit vielen Fremdsprachigen ist das sehr aktuell.» Der Gedanke der frühen sprachlichen Förderung werde im Dulliker Gemeinderat von allen Parteien getragen: «Was man mit der Frühförderung bei den Kindern verbessern kann, das spart man später an den Schulen ein.»

Als die Beteiligung am Projekt Ende Oktober auf die Traktandenliste kam, stimmte der Gemeinderat einstimmig und ohne Enthaltungen zu. Gesamtschulleiter Frank Müller hatte zuvor erklärt, die Beteiligung sei der Schulleitung ein grosses Anliegen: «Aus Sicht der Schule ist es von zentraler Bedeutung, dass die Kinder vor dem Eintritt in den Kindergarten minimale Kompetenzen in der deutschen Sprache haben.»

Tatsächlich reiht sich die Beteiligung am kantonalen Pilotprojekt ein in bereits bestehende Bestrebungen Dullikens im Bereich der Frühen Förderung (siehe Kasten). Die Gemeinde ist auch bereit, den nötigen Raum bereitzustellen: Wenn mit dem Pilotprojekt 20 Gratis-Plätze angeboten werden, dürfte der bisherige Raum der Dulliker Spielgruppe Kunterbunt am Bachweg nicht mehr ausreichen. Sowohl Gemeindepräsident Walter Rhiner wie auch der Ressortleiter Bildung, Martin Wyss, zeigen sich überzeugt, dass die Gemeinde einen zusätzlichen Raum finden wird.

Basel-Stadt kennt ein Obligatorium

Das Solothurner Projekt lehnt sich an das Modell des Kantons Basel-Stadt an. Als erster und bisher einziger Kanton kennt Basel seit 2013 ein sogenanntes selektives Obligatorium für die Förderung der Deutschkenntnisse im Vorkindergartenalter: Eltern von Kindern mit ungenügenden Deutschkenntnissen werden verpflichtet, ihr Kind an zwei halben Tagen pro Woche in eine Spielgruppe oder Kindertagesstätte zu schicken. Der Besuch einer Spielgruppe ist für diese Kinder kostenlos.

Für das Solothurner Projekt werden fremdsprachige Eltern etwa 18 Monate vor dem Kindergarteneintritt ihres Kindes mit einem Fragebogen angesprochen. Aus den Antworten der Eltern werden Rückschlüsse auf die Sprachfähigkeiten des Kindes gezogen. Dieses Vorgehen sei in Basel evaluiert worden und habe sich bewährt, erklärt Reto Steffen vom Solothurner Amt für soziale Sicherheit.

Dass mit dem Projekt selbst in den Pilotgemeinden keineswegs alle fremdsprachigen Kinder einen Platz in einer Spielgruppe erhalten, die eine Deutschförderung nötig hätten, ist laut Steffen durchaus gewollt. «Unser Ziel ist es, zu testen: Man soll den Unterschied erkennen zwischen einem Kind, das die Spielgruppe besucht hat, und einem Kind mit gleichen oder ähnlichen Voraussetzungen, das sie nicht besucht hat.» Denkbar wäre etwa eine Befragung der Kindergärtnerinnen.

Unterschiede sollen sich zeigen

Die zweijährige Versuchsphase mit
55 Plätzen dient laut Steffen dazu, in den Pilotgemeinden Erfahrungen zu sammeln und das Basler Modell an die Bedürfnisse im Kanton Solothurn anzupassen. Für die zwei Jahre hat der Regierungsrat insgesamt 250 000 Franken bewilligt, je die Hälfte davon aus dem Ertrag des Bettagsfrankens und aus dem Lotteriefonds.

Das Ziel besteht darin, nach der Versuchsphase im Kanton Solothurn ein Modell für die Deutschförderung im Vorkindergartenalter zu schaffen. Der Regierungsrat hat sich im Februar 2016 in der Antwort auf eine Interpellation der FDP-Fraktion im Kantonsrat dazu bekannt, bei ungenügenden Deutschkenntnissen eine Verpflichtung zum Besuch von Spielgruppen oder Kindertagesstätten zu erlassen. Die Fragen zur rechtlichen Ausgestaltung eines Obligatoriums und zur Finanzierung sollen mit dem Versuch geklärt werden.