Sommer 1977: Der Bau des Kernkraftwerks Gösgen ist fast vollendet. Nach dem erfolgreichen Pfingstmarsch mit 10 000 Teilnehmern wenige Wochen zuvor ruft das neu gegründete Aktionskomitee gegen das AKW Gösgen (SAG) zur Besetzung auf. Rund 3000 Demonstranten marschieren Ende Juni von Olten in Richtung Kraftwerk, wo sie die Zufahrtstrassen blockieren wollen. Ihnen gegenüber steht ein interkantonales Polizeiheer, bestehend aus fast 1000 Mann. Der Einsatz von Helikoptern, Schützenpanzern und Polizeihunden erinnert an kriegsähnliche Zustände. Ein solches Polizeiaufgebot hatte die Schweiz zuvor noch nie gesehen. Die Solothurner Zeitung von damals spricht von einer «Bürgerkriegsprobe». Als sich die Demonstranten weigern, das Feld zu räumen, setzt die Polizei Tränengas und Schlagstöcke ein.

In der Woche darauf, am 2. Juli 1977, starten die AKW-Besetzer einen zweiten Versuch. Dieses Mal sind es fast 6000. Sie werden von den versammelten Polizeikräften umso härter zurückgeschlagen. Neben Tränengasgranaten kommen jetzt auch Gummischrot und Wasserwerfer zum Einsatz.

1977 besetzten AKW-Gegner die Zufahrt zum Kraftwerk Gösgen

1977 besetzten AKW-Gegner die Zufahrt zum Kraftwerk Gösgen

Das Schweizer Fernsehen widmete sich 1977 in der Sendung «Blickpunkt» den Protesten gegen das Kernkraft Gösgen.

Schulhausabwart demonstrierte

Auf Youtube erinnert seit Kurzem eine Archivaufnahme aus der Sendung «Blickpunkt» des Schweizer Fernsehens aus dem Jahr 1977 an die Schlacht um Gösgen. Die Reportage zeigt auch, dass sich nur wenige Einheimische zum AKW äussern wollten, geschweige denn dagegen demonstrierten. Eine Ausnahme bildete der damalige Schulhausabwart von Dulliken, August Bärtschi. Er war enttäuscht über den massiven Polizeieinsatz. Seine Teilnahme an der Demo bereute er aber nicht. «Ich habe das für die Zukunft getan», sagt Bärtschi im Film. «Mag kommen, was will, unsere Nachkommen sollen nicht sagen können, es habe sich niemand eingesetzt.» (cze)