Schönenwerd/Niedergösgen

Die letzten Tage vor der Amtsübergabe: Adrian Suter verlässt Kirchgemeinde

«Ich habe mir erlaubt, in meine Predigten immer wieder mal einen Witz einzubauen», sagt Adrian Suter.

Nach sieben Jahren gibt Pfarrer Adrian Suter sein Amt in der christkatholische Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen ab. Einiges will er aus seiner Amtszeit mitnehmen – in seinen neuen Job in Luzern.

Adrian Suter führt seinen Besuch in den Gemeindesaal. «In meinem Büro stehen überall Zügelkisten», sagt er entschuldigend. Er ist der Pfarrer der christkatholischen Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen. Mitten im Gespräch vibriert sein Handy in seiner Hosentasche. Suter entschuldigt sich, verlässt kurz den Raum. «Wenn der Bischof anruft, dann sollte man als Pfarrer schon rangehen», meint er beiläufig nach seiner Rückkehr.

Denn seine Arbeit geht weiter, auch wenn sein Umzug kurz bevorsteht. Nach sieben Jahren verlässt der 49-Jährige die Kirchgemeinde wieder. Er kann sich noch gut an seinen ersten Gottesdienst in der Schönenwerder Stiftskirche erinnern: «Es kamen sehr viele Leute, auch die Lokalprominenz war da», so Suter.

«Sehr spezielle, emotionale und aufwühlende Situation»

Der gebürtige Basler studierte an der Universität Bern christkatholische Theologie, doktorierte 2008 und arbeitete seither als Oberassistent in einem Teilzeitpensum. In den übrigen 60 Stellenprozente war er der Pfarrer für die Christkatholiken in Schönenwerd und Niedergösgen. Da nun der Vertrag mit der Universität Bern ausläuft, suchte Suter nach einer Vollzeitstelle. Und er wurde fündig: Ab dem 1. August ist er Pfarrer der christkatholischen Kirchgemeinde Luzern. Seinen ersten Gottesdienst am neuen Ort wird Suter bereits am 21. Juli abhalten.

Zuvor steht aber noch der Abschiedsgottesdienst am Sonntag, 23. Juni, in der Stiftskirche an: «Ich weiss vermutlich gar nicht von allen Vorbereitungen, die derzeit laufen», meint Suter lachend. Obwohl es sich für ihn um eine «sehr spezielle, emotionale und aufwühlende Situation» handle, freue er sich darauf. Schliesslich habe sein Wechsel nach Luzern «rein gar nichts» mit der Kirchgemeinde im Niederamt zu tun.

Von Solidarität und Feierlichkeit

Im Gegenteil: Die vergangenen siebeneinhalb Jahre würden ihm in guter Erinnerung bleiben. Suter erzählt: «Ich war zuvor immer in einem städtischen Umfeld zu Hause. Darum war das Leben hier zuerst ungewohnt für mich.» Aber nicht etwa besser oder schlechter, meint der zweifache Vater. Seine Kirchgemeinde hier habe eine sehr engagierte Kerngruppe, die das Gemeindeleben trägt. «Allgemein leben wir hier sehr nah zusammen. Und die Kirche spielt eine grosse Rolle im Dorf», so Suter.

Diese Nähe habe er besonders im Jahr 2015 gespürt. Damals musste der Turm der Stiftskirche notfallmässig saniert werden. «Der Verputz löste sich», erinnert sich Suter. Die Feuerwehr, die Vereine und Dorfläden hätten sich allesamt solidarisch gezeigt. Mit dem Weihnachtsmarkt im Kreuzgang der Kirche hätten sie zudem Geld einnehmen können für die Reparaturarbeiten. Suter: «Das hat mich beeindruckt.»

Nicht «steif und streng»

Ausserdem behalte er in Erinnerung, dass die Kirchgemeinde Schönenwerd-Niedergösgen grossen Wert auf den feierlichen Charakter der Anlässe und Gottesdienste legen würde. Das bedeute aber nicht «steif und streng».

«Ich habe mir auch erlaubt, in meine Predigten immer wieder mal einen Witz einzubauen.» Das sei meist gut angekommen. Überhaupt: «Ich glaube, ich bin hier nie in ein wirklich grosses Fettnäpfchen reingetrampt», so der Pfarrer lachend.

«Ja, es ist eine Frau»

Seine Erfahrungen aus Schönenwerd will Suter mitnehmen nach Luzern, «gerade die starke Vernetzung unserer Kirchgemeinde mit anderen Kirchen und den politischen und kulturellen Institutionen». Und möglichst viel Wissen versucht er, bei der Amtsübergabe weiterzugeben. Denn seine Nachfolgerin – «ja, es ist eine Frau» – steht bereits fest: Antje Kirchhofer wird das Pfarramt für Schönenwerd und Niedergösgen übernehmen.

Die gebürtige Deutsche ist derzeit in einem kleinen Pensum als Pfarrerin in Aarau und als Jugendseelsorgerin im Bistum tätig. Ihr Mann, Lenz Kirchhofer, ist Pfarrer in der christkatholischen Kirche Aarau und Zofingen. «Ich habe insgeheim gehofft, dass sie die neue Pfarrerin wird», sagt Suter. Sie passe sehr gut zur Kirchgemeinde.

Für Adrian Suter stehen in den kommenden Wochen noch mehrere Termine an – das letzte Mal Religionsunterricht, der Ausflug mit dem Kirchenchor, die letzten Gottesdienste. Neben dem Packen der Zügelkisten wird Suter auch in Erinnerungen schwelgen: Etwa an den Fernsehgottesdienst im Jahr 2016, «der die ganze Kirchgemeinde mit Stolz erfüllte». Oder an die idyllischen Erntedankgottesdienste auf dem Neuburenhof.

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