Gretzenbach

Die Kosten lauern unter dem Asphalt: Leitungen unter Bielackerstrasse müssen dringend saniert werden

Die Bielackerstrasse und die darunterliegenden Leitungen werden für knapp 1,39 Mio. Franken saniert.

Die Bielackerstrasse und die darunterliegenden Leitungen werden für knapp 1,39 Mio. Franken saniert.

Die Gemeindeversammlung Gretzenbach genehmigt das Budget und die Investitionen in der Höhe von fast 3 Millionen Franken.

Als «unschön» bezeichnete Finanzverwalter Hans Vögeli die Situation an der Gretzenbacher Budgetgemeindeversammlung vom Montagabend in der Bibliothek Meridian und meinte damit den finanziellen Ausblick. Stagnierende Steuereinnahmen und steigende Kosten zwingen die Gemeinde, ihre Investitionen auf das Nötigste zu beschränken.

Allen Anstrengungen zum Trotz stehen in Gretzenbach kostenintensive Projekte an, über welche die 60 Stimmberechtigten am Montagabend zu befinden hatten. Grösster Brocken war der Verpflichtungskredit für die Sanierung der Bielackerstrasse über gesamthaft 1,39 Millionen Franken. Werner Ramel, Leiter des Bau und Umweltressorts, unterstrich die Dringlichkeit mit Fotos von der zuletzt immer wieder notdürftig zusammengeflickten Strecke. «Wir haben uns nicht nur die Strasse angesehen, sondern auch was darunter liegt», so Ramel.

So kommt es, dass der Löwenanteil des Geldes nicht für den Strassenbau (421'000 Franken) sondern für die Sanierung von Wasser- und Kanalisationsleitungen (969'000 Franken) vorgesehen ist. Dass die Leitungen den heutigen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind, mussten Quartierbewohner in der Vergangenheit in Form von vollgelaufenen Kellern erfahren.

Die gute Nachricht für die Anwohner: Die Liegenschaften sind nicht perimeterpflichtig, die Gemeinde trägt die Kosten für die Sanierung. Allerdings, so Ramel, sollen auch die Kanal-Anschlüsse zu den Liegenschaften überprüft und daraufhin Empfehlungen für die Besitzer abgegeben werden. «Die Anwohner müssten allenfalls für Wasserschieber aufkommen», erklärte Ramel.

Manche Gretzenbacher beschäftigte hingegen eher die Verkehrssituation. Ob die Gemeinde gedenke, etwas gegen Raser auf der Tempo-30-Strecke zu unternehmen und wie die Zufahrtsmöglichkeiten während der Sanierung sei, wollten sie wissen. Gemeindepräsident Daniel Cartier hielt fest, dass die Verkehrsverhältnisse auf der Strasse kaum Raserfahrten zuliessen und versicherte, rechtzeitig über die Zufahrtssituation zu informieren. Die Stimmberechtigten folgten dem Antrag des Gemeinderats und mit zwei Gegenstimmen.

Kein Gewinn durch Aufschub

Zugestimmt wurde auch dem Kredit für die Kanalisationssanierung linksseitig des Gretzenbachs über 480'000 Franken. Die bestehenden Rohre sollen durch grössere ersetzt werden, nicht zuletzt aus Gründen des Hochwasserschutzes. Anlass zur Diskussion gab vor allem der Zeitplan für die Kreditaufnahme.

Obwohl das Projekt noch in der Anfangsphase steckt, soll der Kredit bereits jetzt gesprochen werden. Die Sanierung sei nicht dringend, meinte ein Votant. «Wir verlieren nichts, wenn wir noch zuwarten und die weitere Steuerentwicklung abwarten», so seine Meinung. Man könne durchaus noch ein bis zwei Jahre zuwarten, entgegnete der Gemeindepräsident.

«Aber die Gemeinde spart dadurch nichts», erklärte er. Denn durch die tiefe Zinssituation sei es günstig, den Kredit dafür bereits jetzt aufzunehmen. Mit vier Gegenstimmen wurde schliesslich auch dieses Geschäft abgesegnet.

Versammlung mit Regenschirm?

«Heute stinkt es mir, diesen Kredit abzuholen», sagte Walter Schärer, Ressortleiter Infrastruktur, als es um einen Kredit für die Sanierung des Flachdachs des Meridian Schulhauses über 275'000 Franken ging. Nichts habe auf einen Schaden am 1993 eingeweihten Gebäude hingedeutet, so Schärer, «bis es ins irgendwann ins Schulzimmer regnete.»

Die einzige Alternative zur Sanierung wäre, bei künftigen Gemeindeversammlungen im Meridian Regenschirme zu verteilen. Diese Vorstellung gefiel dann doch den wenigsten, sodass auch dieses Geschäft deutlich angenommen wurde. Ein letzter Verpflichtungskredit für die bald anstehende Ortsplanungsrevision über 255'000 Franken wurde ebenfalls gutgeheissen.

Infogram: Budget Gretzenbach

Deutliches Personaldefizit

Um einen wiederkehrenden Kredit ging es beim Traktandum «Personalorganisation Verwaltung». Den Stein ins Rollen hatte ein Lernender gebracht, der seine Lehre auf der Gemeindeverwaltung im vergangenen Sommer abbrach.

Das habe dazu geführt, die personelle Situation auf der Verwaltung genauer unter die Lupe zu nehmen, erklärte Daniel Cartier. «Unter dem Strich hat unsere Gemeindeverwaltung ein Defizit an Arbeitskraft von 27 Stellenprozenten.» Kein Wunder: Der Stellenplan wurde letztmals 1994 angepasst. Seither ist der Aufwand deutlich gestiegen.

Der Antrag lautete daher, den neuen Stellenplan mit 460 anstatt wie bisher 380 Prozent und den dafür jährlichen Kredit von 11'800 Franken zu genehmigen. Erreicht wird diese Zahl, indem die Gemeindeschreiberin ihr Pensum auf 80 Prozent reduziert, dafür eine Sachbearbeiterin angestellt und jeweils nur noch eine Lehrstelle besetzt wird. Die Situation leuchtete auch den anwesenden Stimmbürgern ein, worauf diese den Antrag einstimmig genehmigten.

Zugestimmt wurde auch einer Anpassung der Zusammenarbeitsvereinbarung für die offene Jugendarbeit Unteres Niederamt sowie der Vereinbarung betreffend Sekundarschulkreis Unteres Niederamt. Zu guter Letzt wurde auch das eingangs besprochene Budget 2018 klar abgesegnet. Dieses weist einen Aufwandüberschuss von 249'360 Franken auf.

Die Nettoinvestitionen belaufen sich auf 2'924'200 Franken (siehe Tabelle), die Spezialfinanzierungen sehen einen Aufwandüberschuss von 28 900 Franken vor. Der Steuerfuss bleibt für natürliche wie juristische Personen auf 115 Prozent.

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