Baugesuch
Die Khmer planen eine Ruhestätte in Walterswil

Bald soll es in Walterswil beim Kulturzentrum der Khmer eine Ruhestätte geben. Das Baugesuch lässt Fragen offen, Sinh Tra, Präsident des Kulturzentrums, hat die Antworten.

Myriam Sperisen
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Sinh Tra erklärt, dass die Ruhestätte in Walterswil nicht in der traditionellen Bauweise gehalten werden kann wie zum Beispiel das Modell neben ihm.

Sinh Tra erklärt, dass die Ruhestätte in Walterswil nicht in der traditionellen Bauweise gehalten werden kann wie zum Beispiel das Modell neben ihm.

Myriam Sperisen

Der Khmer-Kulturverein Walterswil möchte auf seiner Parzelle eine Ruhestätte bauen. Dies geht aus einem Baugesuch im amtlichen Anzeiger des Niederamts hervor. Doch wie soll das daherkommen? Welche Logistik wird dahinter stecken? Das Baugesuch lässt Fragen offen. «Wir beerdigen hier niemand und bahren auch keine Verstorbenen auf», sagt Sinh Tra, Kulturvereinspräsident der Khmer, gleich vorweg.

Es handle sich lediglich um ein Haus, in dem Urnen beigesetzt würden. Es soll rund 7,3 Meter hoch, 6 Meter breit und 8 Meter lang sein. Die Fenster sind höher platziert als üblich und eher schmal gehalten, damit der Platz optimal genutzt werden kann. «Hier hat es Raum für mehrere hundert Urnen», erklärt Tra. Das Urnenhaus soll im südlichen Teil der Parzelle zwischen Garten und Kirchgasse gebaut werden.

Kambodschaner flüchteten damals wegen Roter Khmer

Khmer heisst auf kambodschanisch «Volk». Das Khmer Kulturzentrum der Schweiz im solothurnischen Walterswil ist ein Ort der religiösen und kulturellen Begegnung. Fast alle in der Schweiz lebenden Kambodschaner waren schon einmal in Walterswil. Insgesamt leben in der Schweiz um die 600 Kambodschanerfamilien, davon mit 200 die meisten im Kanton Zürich. 2012 wurde das Zentrum vom zürcherischen Obfelden aus Platzgründen in das Gebäude des ehemaligen Gasthofes Engel in Walterswil verlegt. Momentan leben dort zwei buddhistische Mönche, die nach dem Rechten schauen und alte Schriften lesen.

Laut Sinh Tra beherrschen heute nur noch die älteren Kambodschaner die alte Schrift. Die Roten Khmer hingegen waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 bis 1979 unter der Führung des Diktators Pol Pot in Kambodscha an der Macht war. (my)

Ein unauffälliges Häuschen

Streng genommen hätte das Urnenhaus nach traditioneller Bauweise ausfallen sollen. Im Stil eines buddhistischen Tempels, vergleichbar mit dem Zentrum «Wat Srinagarin» in Gretzenbach. Doch da die Parzelle in Walterswil in einer Kernzone liegt, war dies nicht gestattet. So haben sich die Verantwortlichen des Kulturzentrums umgehört. Schliesslich übernahmen sie fast vollständig die Baupläne einer Khmer-Gedenkstätte in Berlin, die ähnlichen Bauvorschriften unterliegt.

Die Khmer kremieren die Verstorbenen traditionell. Sieben Tage später findet mit der Beisetzung ein weiteres Ritual statt. Hundert Tage nach dem Tod trifft sich die Gemeinde erneut, um dem Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Bislang hatten die Khmer in der Schweiz die Urnen ihrer Verstorbenen jeweils daheim vor einem Privataltar aufbewahrt. Künftig wird eine Beisetzung in Walterswil möglich sein, vorausgesetzt, das Baugesuch wird genehmigt. Der Bau des Urnenhauses wird nur wenige Monate dauern. Tra erklärt: «Das Gebäude ist nicht unterkellert.» Finanziert werde es ausschliesslich durch Spenden.

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